«Neuauflage wäre Zwängerei»

Kreuzlingen. Der Kreuzlinger Stadtrat will eine «Transitroute für Lastwagen» bauen. Damit habe er schlechte Karten, meint ein Mitglied der Legislative.

Brigitta Hochuli
Drucken
Teilen
Ein beliebtes Kreuzlinger Erholungsgebiet ist erneut für eine Strasse vorgesehen: Opponent Walo Abegglen gibt dem Projekt schlechte Karten. (Bild: Urs Jaudas)

Ein beliebtes Kreuzlinger Erholungsgebiet ist erneut für eine Strasse vorgesehen: Opponent Walo Abegglen gibt dem Projekt schlechte Karten. (Bild: Urs Jaudas)

Im Juni 2001 haben die Kreuzlinger Stimmbürger der Umfahrung ihrer Stadt auf dem grünen Band des ehemaligen Festungsgürtels knapp zugestimmt. Ein Jahr später schützte das Bundesgericht eine Beschwerde des WWF aus formaljuristischen und inhaltlichen Gründen. In einer weiteren – kantonalen – Abstimmung ging es 2005 dann um eine Südumfahrung bis Münsterlingen. Wiederum sagten die Kreuzlinger ja. Kanton, Bezirk und die Mehrheit der betroffenen Gemeinden sagten jedoch deutlich nein.

Unterschiedliche Schlüsse

Aus den beiden Abstimmungen ziehen Befürworter und Gegner unterschiedliche Schlüsse. Die Kreuzlinger Exekutive beruft sich auf zwei positive städtische Ergebnisse und hat eine Neuauflage der Südumfahrung als «Transitroute für Lastwagen» in ihre Legislaturziele aufgenommen. Diese Strecke würde vom südlichen A7-Kreisel bis ins rund einen Kilometer entfernte Dorf Bätershausen reichen. Der Kreuzlinger Legislativpolitiker Gemeinderat Walo Abegglen (SP) hingegen begründet seinen Argwohn gegen die Pläne des Stadtrats unter anderem mit einem zweimaligen Scheitern der Vorlagen.

Verkehr hausgemacht

«Eine Neuauflage wäre eine Zwängerei», sagt Abegglen. Unter anderem habe ihm der Stadtrat in der Antwort auf eine Interpellation keine neuen Entscheidungsgrundlagen geliefert. Jüngste Zahlen zeigten aber, dass mehr als vier von fünf Autos in Kreuzlingen zum hausgemachten Verkehr zu rechnen seien und dass die Passagierzahlen bei Bahn und Bus erfreulich stark zunähmen. Gemäss Agglomerations-Erhebungen betrage der Durchgangsverkehr mit Perimeter Bottighofen/Kreuzlingen durchschnittlich 19 Prozent, jener mit Perimeter Kreuzlingen/Konstanz 2 Prozent.

Verkehrsproblem verschärft

«Das Verkehrsproblem hat sich seit der letzten Abstimmung verschärft», sagt andererseits Stadtammann Andreas Netzle auf Anfrage. Man nehme die wiederholten Willenskundgebungen der Kreuzlinger Stimmbürger ernst. In seiner schriftlichen Antwort zuhanden der Gemeinderatssitzung vom kommenden Donnerstag argumentiert der Stadtrat zudem mit Zahlen aus dem Jahr 2006. Modellrechnungen bestätigten, dass eine Südspange den innerstädtischen Verkehr markant entlasten würde. Die steilen Einfallsachsen nach Kreuzlingen könnten mit einem Lastwagenverbot versehen und die Lastwagen selber auf die A7 umgeleitet werden.

«Mit seinem Vorhaben hat der Stadtrat ausserordentlich schlechte Karten», prophezeit Gemeinderat Abegglen. Die Opposition sei vorprogrammiert. Denn mit einer Südspange würde lediglich eine Umverteilung erreicht. Die grosse Mehrzahl der Lastwagen versorge Tankstellen, Einkaufszentren oder Gewerbebetriebe in Stadt und Agglomeration. «Trotz Umlenkung reduzieren sich die gefahrenen Kilometer auf Stadtgebiet kaum», folgert Abegglen. Gegen die Gefährlichkeit der steilen Einfallsstrassen gebe es andere Massnahmen. Die vom Stadtrat erwähnten 300 Lastwagen täglich seien in einer Agglomeration mit über 100 000 Einwohnern kein Grund zum Bau einer Umfahrungsstrasse. «Unser Verkehrsproblem ist vergleichsweise alles andere als desaströs.»

Kein Präjudiz für Grosslösung

Gleichzeitig zur nun neu lancierten Diskussion über die Südspange läuft zurzeit die Arbeit an einem Agglomerationsprogramm Kreuzlingen-Konstanz, für das der Bund Mittel zur Realisierung einer nachhaltigeren Siedlungsentwicklung in Aussicht stellt. Im Herbst soll zu den Resultaten das Vernehmlassungsverfahren starten. Sowohl Gemeinderat Abegglen wie Stadtammann Netzle sind an dieser Arbeit beteiligt. Abegglen beruft sich auf seine Schweigepflicht. Netzle stellt einen Zusammenhang des Umfahrungsprojekts mit Bundesgeldern für Infrastrukturprojekte in Abrede. «Die Südspange ist ein Projekt von Stadt und Kanton.» Sie sei kein Präjudiz für eine spätere grossräumige Verkehrsführung. Sollte jedoch die Lenkungsgruppe Siedlung und Verkehr des Agglomerationsprogramms für das lokale Verkehrsproblem von Kreuzlingen eine vorteilhaftere Lösung finden, sei der Stadtrat gerne bereit, seine Position bezüglich einer Südspange zu überdenken, heisst es in der Antwort der Exekutive.

Aktuelle Nachrichten