Netzwerk für Technik der Zukunft

Informations- und Kommunikationstechnik wird für die Wirtschaft immer wichtiger. Für Erfolg auf diesem Feld ist mehr IT-Bildung nötig. Dies ist das Fazit einer Konferenz der IHK für Vertreter aus Bildung und Industrie.

Fritz Bichsel
Drucken
Walter Brenner, Direktor des HSG-Instituts für Wirtschaftsinformatik, ruft die Unternehmen zu finanziellem Engagement für IT-Ausbildungen auf. (Bild: Ralph Ribi)

Walter Brenner, Direktor des HSG-Instituts für Wirtschaftsinformatik, ruft die Unternehmen zu finanziellem Engagement für IT-Ausbildungen auf. (Bild: Ralph Ribi)

ST. GALLEN. Informationen verarbeiten mit Technik: Das verändert unser Leben. IT steckt in allem, sogar in Produktion, Handel und Einkauf von Fondue. In einem Video sehen das die Teilnehmer einer von der Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell organisierten Konferenz. Sie gilt den Chancen und Herausforderungen für einen ICT-Cluster Ostschweiz, einen Verbund für Entwicklung und Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnik und die Ausbildung dafür.

Die IHK, das Bildungsdepartement des Kantons St. Gallen und die Uni St. Gallen starteten dazu eine Offensive für IT-Bildung. Die Konferenz bringt die Vertreter von Berufs-, Mittel- und Fachhochschulen, der Uni und der Wirtschaft zusammen. Denn ihr Direktor Kurt Weigelt beurteilt für einen starken IT-Standort als entscheidend, «dass wir Bildung, Forschung und Anwendung viel mehr vernetzen». Einen Dank der Kantonsregierung für diese Anstrengungen überbringt Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann. Das Treffen im Hörsaal des Software-Unternehmens Abacus zeigt: Betriebe, Schulen, Uni und Politik machen und planen viel für IT. Aber der einzelne Akteur weiss wenig, was andere tun oder wie er dazu beitragen kann, dass alle gemeinsam stärker werden.

Die Bahnhöfe der neuen Zeit

Die ICT-Konferenz stösst den Austausch von Informationen und Erwartungen an. Wie Ostschweizer Betriebe IT anwenden, erläutern Unternehmer: Mirko Lehmann von IST (Produktion von Sensoren), Daniel Senn von Abacus (Computerprogramme) und Milo Stössel von MS Direct (Dienstleistungen für Marketing und Internethandel). Das Fazit ihrer Referate: IT dominiert alle neuen Technologien, wirtschaftlicher Erfolg hängt von Wissen und Können in IT ab. Ostschweizer Betriebe und Forscher können nicht Apple oder Google konkurrenzieren, aber starke Zulieferer werden.

Für Daniel Senn haben ICT-Clusters für die Zukunft dieselbe Bedeutung wie Bahnhöfe bei der Industrialisierung: «Wo solche entstanden, entwickelten sich die wirtschaftlich starken Standorte.» Entsprechend rasant wächst der Bedarf an Informatikern in der Schweiz – gemäss Studien um Zehntausende. Laut Markus Stolze, dem Leiter des Studiengangs Informatik der Hochschule Rapperswil, nimmt der Bedarf für Absolventen von Hochschulen am stärksten zu.

Erwartungen an Partner

Einen Beitrag, um dies zu ändern, nimmt die Uni St. Gallen mit einem neuen Studiengang in Aussicht. Dazu ruft Walter Brenner, Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik, die Wirtschaft zu mehr finanziellem Engagement auf: «Das wirtschaftliche Umfeld erweist sich als nicht einfacher Partner, wenn es darum geht, St. Gallen als IT-Standort zu profilieren.»

Nebst Hoch- und Fachhochschulen sollen auch Mittelschulen zum Erfolg beitragen. Dazu plant der Kanton Informatik-Mittelschulen (IMS) in St. Gallen, Buchs und Rapperswil. Offen bleibt trotzdem der bisher verbreitetste Weg mit Lehre in Betrieben und an Berufsschulen. Renée Lechner, die Leiterin der Wirtschaftsmittelschule der Kantonsschule am Brühl, wo eine der IMS entstehen soll, hat Wünsche an andere Akteure: Dass die Politik Programmieren zu einem Fach für alle Schüler macht und Betriebe Praktikumsplätze zur Verfügung stellen. Ebenso hoffen die Hochschulen auf Fachleute aus der Wirtschaft als Referenten und Dozenten. Die Industrievertreter haben Erwartungen an die Politik: Dass sie für IT-Unterricht bereits ab der Primarschule sorgt und mehr Geld einsetzt für IT-Bildung auf allen Stufen.

Aktuelle Nachrichten