Nein zu Jahresarbeitszeit-Modell

WEINFELDEN. Die 87 Delegierten von Bildung Thurgau lehnen das Jahresarbeitszeit-Modell ab. Für weitere vier Jahre wird Anne Varenne als Präsidentin amten.

Werner Lenzin
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Anne Varenne (Bild: pd)

Anne Varenne (Bild: pd)

WEINFELDEN. «Im eigenen Interesse wie im Interesse der Schülerinnen und Schüler tun Lehrpersonen gut daran, mit ihrer zeitlichen Belastung sorgfältig umzugehen», begrüsste Präsidentin Anne Varenne die Vertreter der Thurgauer Lehrerschaft im Weinfelder Rathaus. Sie wies darauf hin, dass Lehrpersonen in der Schweiz gegenüber einer mittleren Soll-Arbeitszeit von 1919 Stunden jährlich drei Wochen unbezahlte Überzeit leisten.

Neue Leistungsvereinbarung

Regierungsrätin Monika Knill beleuchtete die finanzielle Lage des Kantons. «Der Thurgau ist heute bezüglich Binnenwanderung an dritter Stelle und ein attraktiver Kanton geworden.» Als Gründe für diese Einwanderungswelle nannte sie unter anderen die Senkung der Staatssteuern von 132 auf 117 Prozent innert zehn Jahren, aber auch die Erhöhung der Sozialabzüge und die Berufspauschale. «Eine budgetierte Gesamtverschuldung für 2013 von minus 74,9 Prozent zwingt den Regierungsrat und den Grossen Rat, Massnahmen zu ergreifen für eine Wiederherstellung des Haushaltgleichgewichts», betonte Knill. Mit lediglich vier Enthaltungen genehmigten die Delegierten die neue Leistungsvereinbarung 2013 bis 2015, welche am 1. Januar 2013 in Kraft tritt.

Entschieden gegen Präsenztage

Nachdem sich 1169 Lehrerinnen und Lehrer an einer Online-Umfrage zur Vernehmlassung über die Arbeitszeit geäussert haben, stand dieses Thema auch an der Delegiertenversammlung zur Diskussion. «Wo liegt der praktische Mehrwert für die Schule mit Blick auf die Jahresarbeitszeit?», fragte sich Matthias Kreier im Namen seines Stettfurter Lehrerteams und gab klar zu verstehen, dass sie nicht eine Arbeit nach Taxpunkten verrichten möchten. «Wir sind entschieden gegen eine Präsenzzeit, vermindert diese doch die Attraktivität des Lehrerberufes», betonte Kreier. Auch die Vertreter beider Kantonsschulen und der PMS zeigten sich ablehnend gegenüber einer Jahresarbeitszeit, zumal sich die Leistung der Lehrpersonen nicht in Stunden auflisten lasse. Die 87 anwesenden Delegierten lehnten schliesslich das vorliegende Modell zur Einführung der Jahresarbeitszeit in der Volksschule und den Mittelschulen einstimmig ab.

Gemäss Ansicht der Lehrerschaft sollten Klassenlehrpersonen eine zweite Klassenlehrerlektion erhalten, um ihren vielfältigen Auftrag erfüllen zu können. Die zusätzliche Entlastung ist daher ein Schritt in die richtige Richtung. Ebenfalls unterstützt die Lehrerschaft die geplante neue lineare Altersentlastung.

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