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NATUR: Nicht grün, sondern farbig

Der Thurgau macht viel für die Artenvielfalt. Das kantonale Blumenwiesenprojekt wird zehn Jahre alt und seit ebenso langer Zeit wird die Biodiversität systematisch überwacht. Doch es gibt noch mehr zu tun.
Larissa Flammer
Feuchtwald ist wertvoll für Amphibien und für Pflanzen. (Bilder: Donato Caspari)

Feuchtwald ist wertvoll für Amphibien und für Pflanzen. (Bilder: Donato Caspari)

Larissa Flammer

larissa.flammer@thurgauerzeitung.ch

Der Thurgau wirbt mit der Bezeichnung grün. Doch Raimund Hipp sagte einst, er habe lieber einen farbigen Thurgau anstatt eines grünen. Der ehemalige Leiter der Abteilung Natur und Landschaft im kantonalen Amt für Raumentwicklung setzt sich seit langem für die Bio­diversität ein. Noch in diesem Jahr wird er pensioniert, sein Nachfolger Matthias Künzler hat die Abteilungsleitung bereits vergangenen September übernommen. Im Gespräch mit unserer Zeitung gibt Künzler einen Überblick über einige der Projekte seiner Abteilung.

Das Herz und Gerüst der Arbeit seines Teams ist das Landschaftsentwicklungskonzept (LEK). Dieses ist schon bald 20-jährig. Vergangenen Herbst nun hat der Bund einen Aktionsplan Bio­diversität herausgegeben, der als Kernelement fordert, eine ökologische Infrastruktur aufzubauen. Gemeint sind einerseits Naturobjekte – Schutzgebiete, Moore, Laichgebiete und so weiter –, die im besten Fall über den ganzen Kanton verteilt sind. Andererseits gehören zur Infrastruktur sogenannte Korridore, welche die Naturobjekte verbinden. «Der Thurgau ist hier auf dem richtigen Weg», sagt Matthias Künzler. Denn das bald 20-jährige Thurgauer LEK gibt genau eine solche Infrastruktur vor.

Gespräche zu neuem ­Wildübergang laufen

Als wichtigstes Stichwort nennt der ­Abteilungsleiter die Vernetzung: «Es ist sogar eine Vernetzung im doppelten Sinn.» Einerseits vernetzen die Korridore die Naturschutzgebiete, damit Tieren und Pflanzen die Wanderung, die Ausbreitung und damit die Erhaltung und Steigerung der Artenvielfalt ermöglicht wird. Andererseits vernetzen sich die verschiedenen Partner und arbeiten zusammen: Amt für Raumentwicklung, Tiefbauamt, Forstamt, Jagd- und Fischereiverwaltung, Landwirte, Gemeinden und Private.

In den Korridoren kommt es immer wieder vor, dass Barrieren die Vernetzung verhindern. «Wasserkraftwerke ohne Fischtreppen zum Beispiel oder Strassen ohne Froschtunnel», sagt Künzler. In amtsübergreifender Zusammenarbeit versuchen seine Abteilung und die jeweiligen Verantwortlichen, diese Barrieren bei sowieso anstehenden Arbeiten zu beseitigen. Bereits mehr als 20 konnten bisher entfernt werden. «Es laufen zurzeit auch Gespräche für einen Wildübergang über die A1», sagt Matthias Künzler.

Vernetzungskorridore verlaufen oft entlang von Gewässern, wie der Abteilungsleiter erklärt. Doch der grösste Teil der Korridore sind Kulturland, weshalb die Landwirte sehr wichtige Partner bei der Erhaltung der Artenvielfalt sind. Bauern erhalten für sogenannte Biodiversitätsförderflächen Direktzahlungen. Liegen diese Förderflächen in einem Vernetzungskorridor, zahlen Bund und Kanton Zusatzbeiträge. Das gleiche Prinzip gilt für Blumenwiesen. «Der Kanton bezahlt den Landwirten einen Beitrag an das Saatgut, wenn die Blumenwiese in einem Korridor liegt.» Das Thurgauer Blumenwiesenprojekt feiert in diesem Jahr das 10-Jahr-Jubiläum. Die Gesamtfläche liegt seit Projektbeginn bereits bei 222 Hektaren. Künzler sagt: «Blumenwiesen sehen schön aus und sind sehr wertvoller Lebensraum für Insekten.»

Erste Daten zur Artenvielfalt ­stimmen positiv

Seit 2009 überwacht der Kanton Thurgau die Biodiversität systematisch. «Wir untersuchen drei Artengruppen: Tagfalter – also Schmetterlinge –, Brutvögel und Pflanzen.» Für das sogenannte Biodiversitätsmonitoring wurden über den ganzen Kanton verteilt Flächen von je einem Quadratkilometer festgelegt. «Diese sind systematisch über den ganzen Thurgau verteilt und stellen den Durchschnittskanton dar», sagt Künzler. Jedes Jahr laufen Leute nach ganz klar vorgegebenen Regeln durch einen Teil der Flächen und zählen, wie viele verschiedene Arten sie dabei sehen und hören. Jetzt, nach zehn Jahren, wurde an jedem Ort zweimal gezählt, und erste Ergebnisse über die Entwicklung liegen vor. Die ­Anzahl Pflanzen- und Tagfalterarten blieb stabil, die Anzahl Brutvogelarten ist sogar leicht gestiegen. Die Daten werden noch genauer untersucht. Dieses Jahr will die Thurgauer Naturforschende Gesellschaft eine Publikation dazu herausgeben. «Wir sehen aber bereits, dass sich die Artenvielfalt innerhalb der Vernetzungskorridore besser entwickelt hat als ausserhalb», sagt Künzler.

Obwohl der Thurgau auf gutem Weg ist und mit dem LEK für den Erhalt der Artenvielfalt eine gute Grundlage hat, darf er sich darauf nicht ausruhen. «Beim Thema Baugebiete sind wir zum Beispiel gefordert, dort gibt es Hinweise, dass die Artenanzahl abnimmt.» Doch viele Gemeinden würden Engagement zeigen, etwa beim Unterhalt von Strassen- oder Bahnböschungen auf die Biodiversität zu achten. Der Abteilungsleiter sagt: «Meine Hoffnung ist, dass bei jeder Handlung an die Artenvielfalt ­gedacht wird.»

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