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NATÜRLICHE URSACHE: Alle dachten, es sei Diesel: Erdöl aus der Tiefe hat den Rhein im Thurgau vor zwei Jahren verschmutzt

Die Verschmutzung des Rheins im Februar vor zwei Jahren ist natürlichen Ursprungs. Die Tiefenbohrung auf dem Gemüsebaubetrieb Grob stiess auch auf Erdöl, hat ein Labor in Kairo bestätigt.
Stefan Hilzinger
Die Ölsperre bei der Rhywiis nach der Verschmutzung. (Bild: Reto Martin (Diessenhofen, 22.Februar 2016))

Die Ölsperre bei der Rhywiis nach der Verschmutzung. (Bild: Reto Martin (Diessenhofen, 22.Februar 2016))

Stefan Hilzinger

stefan.hilzinger@thurgauerzeitung.ch

Alle dachten, es sei Diesel. Im Februar vor zwei Jahren verursachte ölverschmutztes Thermalwasser auf dem Rhein bei Diessenhofen eine Havarie. «Eine Gewässerverschmutzung von nie gekanntem Ausmass», urteilte der damalige Diessenhofer Stadtpräsident Walter Sommer. Ein schillernder Teppich trieb auf dem Rhein. Die Ölwehr errichtete Sperren und pumpte das verschmutzte Wasser ab. Seit kurzem ist klar: Natürliches, in der Tiefe vorkommendes Erdöl war die Ursache der Verunreinigung. Das in den Rhein eingeleitete Wasser stammte aus dem Gemüsebaubetrieb Grob in Schlattingen, der seine Gewächshäuser künftig geothermisch beheizen will. In diesem Frühjahr will der Betrieb nun den Pumpversuch in Angriff nehmen (unserer Zeitung berichtete, siehe Zweittext).

Sabotage als Ursache vermutet

Nach der Havarie im Februar 2016 wurden die Wasserpumpen auf dem Gemüsebautrieb Grob bis auf Weiteres abgestellt, um den Ursachen der Verschmutzung auf den Grund zu gehen. Hansjörg Grob, Seniorchef des Betriebs, vermutete Sabotage als Ursache und erstattete Anzeige gegen Unbekannt. Die Herkunft des Öls könne er sich nicht anders erklären, als dass es jemand in einem unbewachten Moment ins Bohrloch geschüttet haben muss, sagt er im März 2016 vor den Medien. «Die ersten beiden Laboruntersuchungen des aufgefangenen ölhaltigen Wassers hier in der Schweiz zeigten in der Tat, dass es sich um Diesel handeln muss», sagt der Frauenfelder Geologe Roland Wyss, Leiter der Begleitgruppe, die der Kanton für das Geothermieprojekt im Sommer 2017 eingesetzt hat. «Die in der Substanz vorhandenen Kohlenwasserstoffe entsprachen der Zusammensetzung von Diesel», sagt Wyss. Niemand habe damals an natürliches Erdöl gedacht.

Zum Erstaunen der Beteiligten sei im Februar 2017 Wasser aus dem Bohrloch ausgetreten, obwohl die Pumpen nicht liefen. Die Fachleute sprechen von artesisch austretendem Thermalwasser. Und dieses Wasser zeigte wieder ölige Verunreinigung. In Vorbereitung seiner Arbeit in der Begleitgruppe besuchte Wyss den Betrieb und wurde von Grob zu Rate gezogen. Daraufhin sandte Wyss Proben an ein spezialisiertes Labor in Kairo, mit dem er beruflich schon tun hatte. «Ich schickte ihnen eine Probe Diesel von der Tankstelle und eine Probe der öligen Substanz aus dem Bohrloch.» Und tatsächlich: Diese Probe wies ein deutlich anderes Muster an Kohlenwasserstoffen auf als der raffinierte Diesel.

Vor hundert Millionen Jahren entstanden

Die detaillierten Analysen in Ägypten sagten auch aus, aus welchem Muttergestein das Erdöl stammt und wie alt das Vorkommen ist. «Vor hundert Millionen Jahren waren die Verhältnisse in der Region günstig. Die geologischen Kräfte haben die abgelagerte organische Substanz in Erdöl umgewandelt», sagt Wyss. Das meiste damals gebildete Öl sei in der Folge auf natürliche Art und Weise an die Oberfläche gelangt. In einzelnen Taschen im schwammartigen Gestein gebe es aber nun offensichtlich noch Kleinstvorkommen des Erdöls, welche das Geothermieprojekt jetzt ans Tageslicht befördert hat.

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