Nase hoch und Vollgas mit 900 PS

Lautes Brummen und Knattern. Man hört es schon von weitem. Die Vorderräder heben langsam vom Boden ab, schwarzer Rauch steigt auf in den klaren blauen Himmel. Der Schiedsrichter wedelt mit seiner roten Fahne und der Fahrer muss betrübt aufgeben.

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Ein Fiat in der Sportklasse bis 2,5 Tonnen. Wegen der schweren Last fährt er nur auf der Hinterachse. (Bild: Reto Martin)

Ein Fiat in der Sportklasse bis 2,5 Tonnen. Wegen der schweren Last fährt er nur auf der Hinterachse. (Bild: Reto Martin)

Lautes Brummen und Knattern. Man hört es schon von weitem. Die Vorderräder heben langsam vom Boden ab, schwarzer Rauch steigt auf in den klaren blauen Himmel. Der Schiedsrichter wedelt mit seiner roten Fahne und der Fahrer muss betrübt aufgeben. Beim Tractor Pulling im Iselisberg traten Traktorbegeisterte aus der ganzen Schweiz gegeneinander an. In den drei Kategorien Standard, Sport und Supersport geht es darum, den stärksten Traktor, kombiniert mit dem geschicktesten Fahrer, zu bestimmen.

Kraftmaschinen

Das Publikum ist bunt gemischt. Mit Sonnenhüten, Campingstühlen und Sonnenschirmen im Gepäck machen sich die Schaulustigen auf den Weg zum Traktorenspektakel und drängen sich um die Fahrbahn, auf welcher sich die Traktoren beweisen müssen. Dabei gilt durchaus nicht, dass der grössere gewinnt. Manch ein kleiner, unscheinbarer Traktor schafft es, mit dem schweren Wagen eine ansehnliche Strecke, welche eine leichte Steigung aufweist, zurückzulegen. Dies unter den strengen Augen des Schiedsrichters, der mit seiner roten oder grünen Fahne am Ende über die Gültigkeit des Zuges entscheidet. Zwischen den einzelnen Traktoren plätten zwei mit Walzen ausgestattete Traktoren die Fahrbahn, die nach solchen Gewichten meist etwas lädiert aussieht. Der eine oder andere Traktor kommt allerdings auch zu Schaden.

Laut Marco Huwiler, der in der Standardkategorie am Wettkampf teilnimmt, gibt es allerdings ein paar Tricks, wie ein Traktor den Kräften standhalten kann: «Füllt man die Pneus vollständig mit Wasser, haften sie besser auf dem manchmal schlammigen Boden, und durch das Gewicht es angehängten Wagens drückt es die Reifen auch nicht zusammen, wie es mit Luft schnell geschieht.»

Alles frisiert

Marco Huwilers Vater, Chosli Huwiler, nimmt bereits seit 16 Jahren an Tractor Pullings teil. «Bei meinem Traktor ist alles getuned, was man, ohne die Vorschriften des Wettkampfs zu missachten, nur tunen kann», sagt er stolz. Er macht daher auch in der Kategorie Supersport mit. Sein Traktor brachte ursprünglich gerade einmal 90 PS zustande. «Heute hat mein Traktor eine Leistung von 900 PS. Eine Verzehnfachung seiner Kraft. Und das nur durch Tuning. Das ist doch faszinierend!» So faszinierend, dass er, neben seinem Sohn, auch seine Tochter für den Sport begeistern konnte. Alle drei tragen stolz ein T-Shirt mit der Aufschrift «Pulling Team Angel», da Choslis Traktor Angel heisst. Das «Pulling Team» ist aus dem bernischen Atliswil mit einem grossen Anhänger nach Iselisberg gefahren. Über das Wochenende campierten sie auf dem Wettkampfgelände, zusammen mit den meisten Teilnehmern. Die Campingstimmung ist daher auch für die Zuschauer ansteckend.

Ländliche Atmosphäre

«Ich kenne mich nicht so gut mit Traktoren aus, aber die Stimmung und die Traktoren hier gefallen mir», sagt die Zuschauerin Elsbeth Keller aus Rickenbach. Sie nutzte den sonnigen Tag, um mit ihrem Mann auf dem Velo zum Tractor Pulling zu radeln. Das Ereignis scheint durchaus nicht einzig für Traktorbegeisterte zu sein, obwohl die Stände direkt neben der Fahrbahn, an denen man Spielzeugtraktoren und traktorenbedruckte Kinderkleidung kaufen kann, darauf schliessen lassen. Wobei einen die einen oder anderen Männer jetzt korrigieren würden, denn das sind Sammlerstücke, keine Spielzeuge. Hier sieht man auch Familien, die ihre Kinder mit Ohrenschützen und zur Beschäftigung mit Glaces ausstatteten, Freunde der Fahrer oder aber auch Zuschauer, die zufällig auf den Event beim Sonntagsausflug stiessen.

Zum Glück hat es eine Beiz

«Ich komme vom Kanton Zug, um einen Freund, der heute am Wettkampf teilnimmt, zu unterstützen», sagt Roger Elsener aus Cham. Ihm gefallen die lärmenden Maschinen und die ländliche Atmosphäre. Dennoch muss auch er zugeben: «Nach dem zehnten Traktor hat man das Ganze langsam gesehen.»

Glücklicherweise gibt es neben Traktoren und Minitraktoren aller Art auch eine Beiz, die neben Bratwürsten auch Schatten und reichlich Bier bietet. Bei der sengenden Sonne und dem doch nicht ganz so abwechslungsreichen Sport ist dies eine willkommene Abwechslung zum Rattern der Traktoren.