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Napoleon als schlechtes Vorbild

Regionale Befindlichkeiten ablegen, Kleinräumigkeit überwinden: Nur so würden die Ostschweizer Fachhochschulen den Anschluss schaffen, ist die IHK St. Gallen-Appenzell überzeugt.
Regula Weik

Der St. Galler Bildungschef Stefan Kölliker erhält bei der Frage um die Zukunft der Fachhochschulen in der Ostschweiz Rückendeckung von der Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell (IHK). Für diese ist klar: Es soll künftig noch einen Rektor, eine Trägerschaft und eine Fachhochschule Ostschweiz mit drei Standorten geben. Regierungsrat Kölliker hat mehrfach durchblicken lassen, dass ihm dies ebenfalls am liebsten wäre.

Doch entschieden ist noch gar nichts. Zunächst muss der Bildungschef eine Auslegeordnung machen. Diesen Auftrag hat ihm das Kantonsparlament gegeben; Kölliker muss mehrere Varianten der künftigen Organisation und Struktur der Fachhochschulen in der Ostschweiz prüfen, deren Vor- und Nachteile auflisten – und diese dem Parlament vorlegen. Nächsten Sommer soll es so weit sein.

Einige Fragen sind dennoch bereits geklärt: Die Umstrukturierung tut not – wegen der veränderten Schweizer Gesetzgebung. Graubünden probt mit der HTW Chur den Alleingang. Und: FHS St. Gallen und HSR Rapperswil könnten ebenfalls je eine Akkreditierung beim Bund beantragen. Nicht so die NTB Buchs; die Schule ist zu klein und mit nur einem Fachbereich zu einspurig.

Andere Fachhochschulen legen stärker zu

Die IHK hält von «zersplitternden» Überlegungen rein gar nichts. Alleingänge und regionale Befindlichkeiten müssten beiseite gelegt werden, wenn die Fachhochschulen in der Ostschweiz konkurrenzfähig bleiben wollten. IHK-Direktor Kurt Weigelt schüttelt nur den Kopf, wenn er von Ideen hört, eine technische Fachhochschule Linth mit Hauptsitz in Rapperswil und Filiale in Buchs zu bilden sowie Wirtschaftswissenschaften, soziale Arbeit und Gesundheit in einer Fachhochschule Säntis zu konzentrieren. «Damit orientiert man sich an einem Modell, an dem bereits Napoleon gescheitert ist.» Im Gegensatz zu anderen Fachhochschulregionen der Schweiz – etwa Zürich – sei es der Ostschweiz bislang nicht gelungen, die «auf regionale Befindlichkeiten ausgerichtete Kleinräumigkeit zu überwinden», so Weigelt.

Die Industrie- und Handelskammer hat auch die Zahl der Studierenden an den Schweizer Fachhochschulen unter die Lupe genommen – und dabei festgestellt: Ihre Zahl entwickelt sich in der Ostschweiz weniger dynamisch als in der übrigen Schweiz. «In absoluten Zahlen entwickeln sich zwar auch die Fachhochschulen in der Ostschweiz positiv. Relativ gesehen verlieren sie aber Marktanteile an die übrige Schweiz.» Insbesondere an die Fachhochschulen in Zürich. Für Weigelt gibt es nur einen Weg, dieser Entwicklung entgegenzutreten: «Entweder wir finden als Ostschweiz einen gemeinsamen Weg in die Zukunft oder wir verlieren weiterhin.» Im Wissen um die kantonalen Befindlichkeiten in der Region fügt er an: «Dieser Notwendigkeit darf auch die Tatsache nicht im Wege stehen, dass die drei Schulstandorte im Kanton St. Gallen liegen.»

Angebote und Arbeitsmarkt klaffen auseinander

Die IHK hat bei ihrer Analyse der Fachhochschulen in der Ostschweiz auch festgestellt: Die Ausbildungsangebote stimmen nur ungenügend mit dem regionalen Arbeitsmarkt überein. Weigelt sagt sec: «Wir bilden nicht dort aus, wo regional der grösste Bedarf ist.» Aus Sicht der Unternehmen sei dies der grösste Nachteil der heutigen Schulen. So verfüge die HSR Rapperswil über eine hervorragende Informatikausbildung; die Ostschweizer IT-Branche konzentriere sich jedoch auf die Region St. Gallen-Bodensee. Im Einzugsgebiet der FHS St. Gallen arbeiten laut Statistiken des Bundes 3500 Personen in Informatikunternehmen. Nicht mitgezählt sind Mitarbeitende in Informatikabteilungen von Industrie- und Dienstleistungsunternehmen, etwa Banken oder Versicherungen. Werden diese mitberücksichtigt, schnellt die Zahl der IT-Beschäftigten allein in der Region St. Gallen-Bodensee auf 15 000 – «eine der stärksten IT-Regionen der Schweiz», wie Weigelt festhält, «doch dies spiegelt sich keineswegs im Ausbildungsangebot der FHS St. Gallen».

Forderung nach Informatikausbildung

Der IHK-Direktor fordert nicht zum ersten Mal eine Informatikausbildung in St. Gallen. Diese soll nach Weigelts Vorstellung unter der Leitung von Rapperswil aufgebaut und durchgeführt werden – «Rapperswil eröffnet quasi einen zweiten Informatik-Standort in St. Gallen». So würden die Kompetenzzentren der einzelnen Fachhochschulen gestärkt, gleichzeitig Doppelspurigkeiten abgebaut und neue gar nicht erst aufgebaut.

Der letzte grosse Schritt der Ostschweizer Fachhochschulen: Der Umzug der FHS St. Gallen in den Neubau. (Bild: Hanspeter Schiess)

Der letzte grosse Schritt der Ostschweizer Fachhochschulen: Der Umzug der FHS St. Gallen in den Neubau. (Bild: Hanspeter Schiess)

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