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NAMEN: Der doppelte Markus Schär

Beide heissen Markus Schär, beschäftigten sich mit Historischem und schreiben über den Thurgau. Der pensionierte Elgger Pfarrer und der Weinfelder Journalist werden seit Jahrzehnten verwechselt. Jetzt sind sie sich zum ersten Mal begegnet.
Christof Lampart
Pfarrer Markus Schär empfängt seinen Weinfelder Namensvetter in Elgg. (Bild: Andrea Stalder)

Pfarrer Markus Schär empfängt seinen Weinfelder Namensvetter in Elgg. (Bild: Andrea Stalder)

Christof Lampart

thurgau

@thurgauerzeitung.ch

Als der ehemalige «Weltwoche»-Bundeshausredaktor vor wenigen Wochen eine Dankes-E-Mail des Direktors des landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrums Arenenberg erhielt, wusste der Markus Schär aus Weinfelden, dass «da wieder einmal eine Verwechslung mit meinem Namensvetter vorliegen muss». Dem war tatsächlich so.

Der ehemalige Elgger Pfarrer und Lokalhistoriker («Ich bin wöchentlich im Staatsarchiv in Zürich») hatte die Geschichte der eidgenössischen Forschungsanstalt für Agrarwirtschaft und Landtechnik in Tänikon aufgearbeitet und in der «Thurgauer Zeitung» publiziert, derweil der Jüngere dafür wieder einmal die Lorbeeren erntete.

Zu den gegenseitigen öffentlichen Verwechslungen und Zuschreibungen kam es erstmals anfangs der 1980er-Jahre, als der Jungjournalist und -politiker gegen das Establishment anschrieb, derweil der Geistliche regelmässig Texte über Gott und Geschichte in der «Thurgauer Zeitung» veröffentlichte. Also just in dem Medium, bei dem, der jüngere Schär aufgrund seiner gesellschaftskritischen Haltung und spitzer Feder in der Chefetage nicht gut gelitten war. «Da gab es dann schon die eine oder andere Nachfrage von Kollegen, wenn sie wieder einmal dachten, der Text sei von mir. Aber Beschimpfungen musste ich wegen meines Namensvetters nie einstecken; im Gegenteil», erinnert sich der Weinfelder.

Scharfe Kritik vom Schwager

Nicht so glimpflich lief es beim Elgger Pfarrer ab. «Erst vor kurzem hat sich mein Schwager, ein Bauer, über einen landwirtschaftskritischen Artikel von Ihnen, Herr Schär, aufgeregt. Da musste ich mir einiges anhören, bis ich ihm erklären konnte, dass dies nicht mein Text sei», sagt der Ältere und schmunzelt. Böse ist er dem jüngeren Namensvetter deswegen nicht: «Warum denn? Ich finde Ihre Texte gut und habe somit auch kein Problem damit.» Dass der Ältere die gehässigen Reaktionen so gelassen nimmt, freut wiederum den Journalisten – auch wenn er es nicht für selbstverständlich hält, denn «mir ist völlig klar, dass Sie in den 1990er-Jahren einiges an Kritik aushalten mussten, die eigentlich für mich gedacht war», so der Jüngere.

Aufgeregt sei er vor diesem Treffen schon gewesen, erklärt der Senior. Und zwar so sehr, «dass ich diese Nacht ganz schlecht geschlafen habe». Mit dem Schlummer hat der um 18 Jahre jüngere zwar noch kein Problem, aber auch für ihn war dieses erste Treffen von Angesicht zu Angesicht «etwas ganz Spezielles». Gleichwohl war es nicht der erste Kontakt der beiden. «Wir hatten schon einmal einen schriftlichen Austausch», erklärt der Jüngere – und sein Gegenüber nickt zustimmend.

Wenig überraschend handelte es sich dabei auch um einen Text. «Wir hatten beide, ohne voneinander zu wissen, über den Bischofszeller Pfarrer Bartholomäus Anhorn der Jüngere (1616 bis 1700) geforscht und geschrieben», sagt der jüngere Schär. Der Pfarrer, der von 1616 bis 1700 lebte, war Thema seiner Dissertation mit dem Titel «Seelennöte der Untertanen: Selbstmord, Melancholie und Religion im Alten Zürich 1500–1800».

Auch im Band «Thurgauer Köpfe», den der Historische Verein 1996 herausgab, beschäftigte sich Schär der Jüngere mit Bartholomäus Anhorn dem Jüngeren. «Und so war ich sehr erstaunt, als jemand erwähnte, ohne mich als Quelle zu nennen», erinnert sich der Journalist daran, dass der Erstkontakt nicht allzu freundlich ausfiel.

Interesse für den «Nachbarn» gehegt

Und was hat den Pfarrer dazu getrieben, sich mit dem ob seiner ziemlich satirischen Schriften bekannten Geistlichen zu beschäftigen? «Anhorn war ja ein Berufskollege und geografisch praktisch ein Nachbar von mir, da er nach seiner Bischofszeller Zeit in Elsau tätig war. Da dachte ich mir: über ihn würde ich gerne mehr wissen und meine Erkenntnisse auch der Öffentlichkeit mitteilen.» Als der Artikel in der «Thurgauer Zeitung» erschien, kam es zum bereits erwähnten Kontakt. Doch die Gemeinsamkeiten der beiden Schärs erschöpften sich damit nicht, publizierten doch beide im Chronos-Verlag, der Jüngere die bereits erwähnte und mittlerweile vergriffene Dissertation, der Ältere die Ortsgeschichte «Zünikon – Ein Dorf im Wandel der Zeit».

Und wie sieht es mit dem Bild aus, dass sich die beiden im Vorfeld voneinander gemacht haben? «Die Realität, die ich hier angetroffen habe, entspricht ziemlich meiner Vorstellung. Was ich aber mal loswerden möchte, ist Folgendes: Wir müssen uns beide nicht für das schämen, was der andere geschrieben hat», so der Jüngere.

Dies freut den Pfarrer: «Es ist gut, dass Sie das sagen. Wir hatten halt verschiedene Sichtweisen auf ein und dasselbe Thema». Dass der «prominente Journalist und promovierte Historiker» ihn lobe, freue ihn «ganz ausserordentlich». Er hoffe, so merkt der Geistliche bei der Verabschiedung an, dass er seinem Namensvetter wieder einmal begegnen werde.

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