Nachgefragt

«Bei diesem System stimmt etwas nicht» Der Kanton Glarus sucht nach neuen Wegen im Gesundheitswesen und prüft eine kantonale Einheitskasse. Unterstützung erhielt die Idee überraschenderweise vom Thurgauer Gesundheitsdirektor Bernhard Koch, der eine regionale Kasse befürwortet.

Drucken
Teilen
Bernhard Koch (Bild: Reto Martin)

Bernhard Koch (Bild: Reto Martin)

«Bei diesem System stimmt etwas nicht»

Der Kanton Glarus sucht nach neuen Wegen im Gesundheitswesen und prüft eine kantonale Einheitskasse. Unterstützung erhielt die Idee überraschenderweise vom Thurgauer Gesundheitsdirektor Bernhard Koch, der eine regionale Kasse befürwortet.

Herr Koch, was spricht für eine regionale Einheitskasse?

Der Anstoss ging ja vom Kanton Glarus aus, der eine kantonale Kasse prüft. Auch ich glaube, dass eine solche Lösung prüfenswert ist. Allerdings sehe ich eher regionale Krankenkassen. Viele Kantone wären dafür wohl zu klein.

Wie würde das funktionieren?

In den Regionen gäbe es nur noch diese regionale Krankenkasse, nach dem Vorbild der Suva. Ich könnte mir in der Schweiz fünf bis acht solcher Kassen vorstellen.

Das wäre eine Absage an die private Krankenversicherung.

Das stimmt. Was mir zu denken gibt: Man betreibt eine Krankenkasse und gründet dann eine Billigkasse. Die guten Risiken bringt man zur billigen Kasse, die weitere junge Leute anzieht. Folge ist, dass viele zur Billigkasse wechseln. Allein die 1,2 Millionen Wechsel im Jahr führen zu administrativen Kosten von rund 160 Millionen Franken. In den Kassen, wo die Risikogruppen bleiben, hat man dann ganz andere Prämien. Bei diesem System stimmt etwas nicht.

Warum wollen Sie nicht gleich eine bundesweite Einheitskasse?

So weit geht meine Solidarität dann doch nicht. In der Westschweiz herrschen ganz andere Kostenstrukturen. In der Ostschweiz hingegen sind die Kosten ähnlich, bei den Hausärzten wie bei den Spitälern. Mit einer regionalen Kasse können die Regionen, die sparen wollen, profitieren.

Der Einheitskasse hat das Volk aber eine Absage erteilt.

Bei jener Vorlage wären aber die Prämien einkommensabhängig geworden. Sie ist wohl auch deshalb gescheitert und so etwas unterstütze ich auf keinen Fall.

Was sagen denn die Gesundheitsdirektoren der anderen Ostschweizer Kantone dazu?

In der Gesundheitsdirektorenkonferenz Ost haben wir das informell diskutiert. Heidi Hanselmann aus St. Gallen zum Beispiel befürwortet die Idee. Ich glaube, man muss in der Gesundheitspolitik neue Wege prüfen. Natürlich müsste man die Idee zuerst in einer Studie abklären. (ken)

Aktuelle Nachrichten