NACHGEFRAGT

«Man wird mich in Zukunft noch öfter hören» Der CVP-Politiker Christian Lohr wurde im Herbst auf einen Schlag schweizweit bekannt: als einziger Nationalrat im Rollstuhl. Die grosse Publicity sei eine Folge seiner Behinderung, sagt Lohr.

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«Man wird mich in Zukunft noch öfter hören»

Der CVP-Politiker Christian Lohr wurde im Herbst auf einen Schlag schweizweit bekannt: als einziger Nationalrat im Rollstuhl. Die grosse Publicity sei eine Folge seiner Behinderung, sagt Lohr. Von nun an sollen ihn die Leute aber auch inhaltlich stärker wahrnehmen.

Herr Lohr, in dieser Session haben Sie zum erstenmal vor dem Nationalrat gesprochen. Wie war das für Sie?

Ich durfte die CVP-Fraktion in der Eintretensdebatte zum Präventionsgesetz vertreten. Das habe ich sehr gerne gemacht. Man wird mich in Zukunft noch öfter reden hören (lacht).

Sie haben nicht am Rednerpult gesprochen, sondern weiter vorne vor den Ratsbänken.

Das war mit den Parlamentsdiensten so abgemacht und hat sehr gut geklappt. Es war auch spannend zu sehen, wie die Leute reagieren.

Wie haben die Leute reagiert?

Es ist ja immer sehr lärmig im Saal. Als ich zu reden begonnen habe, hatte ich aber fast das Gefühl, dass es ein bisschen leiser geworden ist. Nationalratspräsident Hansjörg Walter hat allerdings auch darauf hingewiesen, dass ich da unten rede.

Welche Bilanz ziehen Sie für sich nach der zweiten Session?

Die Arbeit im Nationalrat ist hochspannend. In der zweiten Session waren mir die Abläufe bekannt, das hat mir erlaubt, mich vertieft mit den Sachverhalten auseinanderzusetzen. Auch die Kommissionsarbeit hat nun begonnen.

Welchen Eindruck haben Sie davon?

In der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit habe ist festgestellt, dass der Thurgau mit seiner Gesundheitspolitik in vielen Belangen eine Vorreiterrolle hat. Das macht mich stolz. Überrascht hat mich hingegen, dass die Nationalräte viele Zusatzberichte bei der Verwaltung bestellen, wenn sie bei einer Frage anstehen. Da wundert es nicht mehr, weshalb es so lange dauert, bis ein Entscheid gefällt wird.

Konnten Sie als Neuling in Bern schnell Kontakte knüpfen?

Das ist vermutlich ein Vorteil meiner Behinderung: Ich war schon bekannt, als ich nach Bern kam. Es wurde ja auch viel über mich geschrieben. Ausserdem konnte ich schon in meinem Jahr als Grossratspräsident ein überraschend grosses Kontaktnetz herstellen. (win)

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