NACHFOLGERIN: Diana Gutjahr: "Ich will im Unternehmen bleiben"

Die 33-jährige Unternehmerin Diana Gutjahr rückt für Hansjörg Walter in den Nationalrat nach. Von dessen Rücktritt hat sie am Montagmorgen erfahren. Die Thurgauer SVP-Politikerin will weiterhin im Unternehmen tätig sein und sich hauptsächlich für das Gewerbe einsetzen.

Larissa Flammer
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Diana Gutjahr rückt für Hansjörg Walter in den Nationalrat nach. (Bild: Mareycke Frehner)

Diana Gutjahr rückt für Hansjörg Walter in den Nationalrat nach. (Bild: Mareycke Frehner)

Als Diana Gutjahr vor gut zwei Jahren die Wahl in den Nationalrat knapp verpasst hatte, strahlte sie trotzdem. Von Enttäuschung keine Spur, es fehlten ja auch nur 1357 Stimmen. Bereits damals wurde vermutet, dass Hansjörg Walter noch während der Legislatur zurücktreten wird und Gutjahr den Sitz erben würde. Die Betriebsökonomin führt mit ihrem Lebenspartner die Ernst Fischer AG in Romanshorn und ist Vizepräsidentin des Thurgauer Gewerbeverbands.

Diana Gutjahr, seit wann konnten Sie sich auf das Nachrücken in den Nationalrat vorbereiten?
Ich habe heute Morgen den Anruf von Hansjörg Walter erhalten in dem er mir mitteilte, dass er per 26. November zurücktreten wird.

Können Sie das neue Amt mit ihrer Arbeit im Familienunternehmen Ernst Fischer AG in Romanshorn in Einklang bringen?
Ich habe mir darüber bereits Gedanken gemacht, als ich mich vor drei Jahren für das Amt als Nationalrätin zur Verfügung gestellt habe. Zusammen mit meinem Lebenspartner habe ich aufgegleist, wie wir die Arbeit in diesem Fall aufteilen könnten. Ich bin also vorbereitet.

Etwas zurücknehmen werden Sie sich aber wohl müssen, oder?
Es wäre blauäugig anzunehmen, dass es so wie bisher weiter gehen wird. Das Amt als Nationalrätin bringt sicher viel mehr Aufwand mit als das Amt als Kantonsrätin. Es muss schliesslich auch der Weg nach Bern miteinberechnet werden.

Sie wollen aber weiterhin im Unternehmen tätig bleiben?
Ja, das ist mir sehr wichtig. Ich will weiterhin mit den Chancen und den Problemen, die auf das Unternehmen zukommen, konfrontiert werden. Das Milizsystem ist ein grosser Vorteil für die Schweiz. Nur so kann die Verbindung zwischen Wirtschaft und Politik hergestellt werden.

Bei welchen Themen werden Sie sich im Nationalrat hauptsächlich einbringen?
Ich werde meine Schwerpunkte aus dem Kantonsrat auch im Nationalrat weiterverfolgen: Das ist sicher der Finanz- und Werkplatz Schweiz, aber auch das duale Bildungssystem. Wir haben im Unternehmen selber 13 Lernende, zu denen ich engen Kontakt habe.

Hansjörg Walter setzte sich neben dem Gewerbe auch stark für die Landwirtschaft ein. Wie sieht es bei Ihnen damit aus?
Ich muss bei jedem Thema jeweils eine Gesamtbeurteilung vornehmen. Die Landwirtschaft ist ja ebenfalls ein wirtschaftliches Thema und für die Schweiz und insbesondere den Thurgau sehr wichtig. Sie versorgt die Bevölkerung mit gesunden und regionalen Lebensmitteln. Ich werde mich auch hier einbringen.

Als Arbeitgeberin setzen Sie sich für die Integration von Flüchtlingen ein. Werden Sie das auch in Bern tun?
Die Integration wird sicher nicht mein Hauptthema sein. Ich sage aber, dass man die Augen nicht vor der vorherrschenden Situation verschliessen kann. Bei meiner Arbeit habe ich versucht, einen Teil zur Integration beizutragen. Es ist aber auch so, dass wer sich nicht einbringen will, nicht hierher gehört. Mein Hauptaugenmerk als Nationalrätin werde ich aber darauf legen, das Gewerbe zu stärken.

Haben Sie sich bereits auf die Wintersession, die am 27. November beginnt, vorbereitet?
Nein, noch nicht. Mein Terminkalender ist bis jetzt noch leer. Ich bin aber sicher, der wird sich schnell füllen.

Dann stehen auch die Gespräche mit dem Fraktionspräsidenten und ihren Nationalrats-Parteikollegen aus dem Thurgau noch an?
Das ist so.

Sie haben nun mit 33 Jahren den Sprung in den Nationalrat geschafft. Haben Sie bereits das Ziel, Ständerätin oder gar Bundesrätin zu werden?
Ich bin der Meinung, man darf im Leben nie etwas ausschliessen. Jetzt konzentriere ich aber ganz darauf, vereidigt zu werden und mich im Nationalrat einzuarbeiten.