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MYSTERIÖS: Geheimnis um...

Kennen Sie das Haus Heiligberg in Steckborn? Haben Sie die Liebesgeschichte hinter der Entstehung von Frauenfeld gehört? Die Geschichte des Thurgaus lebt von Legenden, Unbekanntem und Sagen. Eine kleine Auswahl.
Sabrina Bächi

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Sabrina Bächi

sabrina.baechi

@thurgauerzeitung.ch

...die toten Pfahlbauer

Über die Pfahlbauer und ihre Lebensweise hat die Forschung schon einiges zu Tage gebracht. Sie selbst jedoch sind bis heute unauffindbar. «Wir haben im Thurgau noch kein einziges Skelett eines Menschen aus der Jungsteinzeit gefunden», sagt Kantonsarchäologe Hansjörg Brem. Einziger direkter Hinweis bisher: ein Milchzahnfragment. Indirekte Hinweise auf die Pfahlbauer gibt es hingegen: Kotreste. Darin haben die Thurgauer Archäologen gar Eier von Darmparasiten gefunden und Reste der Pflanze Wurmfarn. «Die Pfahlbauer wussten also, was sie gegen den Wurmbefall tun konnten», sagt Brem. Dass sie Bauchweh hatten, ist naturwissenschaftlich unbestritten geklärt. Wie und wo sie beerdigt sind, wie sie gesprochen haben, ob sie blond waren, wie sie sich liebten – diese Geheimnisse haben die Pfahlbauer im wahrsten Sinne des Wortes mit ins Grab genommen – in die Gräber, die bis heute nicht gefunden wurden.

...das Bruderloch

Eine Höhle, deren Entstehung und Zweck bis heute im Dunkeln liegt: Das Bruderloch. Die Höhle besteht aus einem langen Gang und mehreren Kammern. Eindeutig erwiesen ist nur, dass sie künstlich, also menschgemacht, ist. «Ein Rätsel, das wir wahrscheinlich nie lösen», sagt Brem. Um das Bruderloch rankt sich auch eine Sage: Einst sollen Heinzelmännchen dort gelebt haben. Die Heinzelmännchen versorgten die Dorfbewohner von Schönholzerswilen mit bestem Essen und Getränken auf goldenen Tellern und in goldenen Bechern. Eines Tages stahl ein Knecht das goldene Geschirr, seither wurden die Heinzelmännchen nie wieder gesehen. Bis ins 19. Jahrhundert feierten die Menschen aus Schönholzerswilen im Frühling ein Fest beim Bruderloch. Welchen Zweck die Höhle hatte, ist und bleibt jedoch ungeklärt.

...mutiges Thurgauer Mädchen

Mutig tritt sie vor die Wachen und fordert Einlass. Sie hat einen Brief in der Hand – das Friedensangebot der Schweizer nach der Schlacht bei Schwaderloh 1499. Für den König sei dieser bestimmt. Die Wachen vor den Toren von Konstanz sind belustigt und wollen das kleine Mädchen einschüchtern. Vielleicht ihm sogar ein paar nützliche Informationen entlocken. Doch das Mädchen ist nicht auf den Mund gefallen. Macht sich sogar über die feigen Schwaben lustig. Ein Ratsherr aus Nürnberg belauschte das Gespräch und ist so fasziniert von dem mutigen Wesen des Thurgauer Mädchens, dass er später das Gehörte niederschreibt. Wie sie heisst und woher sie kam, das bleibt bis heute ein Geheimnis. Noch heute ist dieses Mädchen in Schwaderloh präsent: Das «Schwaderloh-Mädchen» ist in der blauen Thurgauer Werktagstracht jedes Jahr am Schwaderloh-Schiessen dabei. Es ist Ehrendame, Glücksfee und übergibt die Preise.

...den Bichelsee

Einst soll eine einfache, brave Frau im Hinterthurgau gelebt haben. Ihr Mann starb vor langer Zeit, als Erbe hinterliess er ihr einen prächtigen Eichenwald. In der Nähe des Waldes wohnte in einer alten Burg ein griesgrämiger und habgieriger Ritter. Er hatte es sich in den Kopf gesetzt, den Eichenwald der Witwe abzukaufen. Als er der alten Witwe ein Kaufangebot machte, lehnte sie entschieden ab. Zu wertvoll war ihr das Erbe ihres verstorbenen Mannes. Der Ritter wurde wütend, und die Witwe ahnte Schlimmes. So geschah es: Am Tag danach liess der Ritter ein falsches Schriftstück aufsetzen und machte sich so zum Besitzer des Waldes. Als die Witwe von dem Betrug des Ritters erfuhr, bat sie Gott um Hilfe. Und tatsächlich: In der Nacht darauf zog ein grosses Unwetter über das Tal. Am nächsten Morgen war der Eichenwald der Witwe verschwun

den. An seiner Stelle breitete sich ein weiter, blaugrün schimmernder See aus – der Bichelsee. Einzelne Tannenspitzen waren immer noch zu sehen. Vom Ritter hat man seit dieser Nacht nichts mehr gesehen. Voller Angst floh er während des Unwetters aus der Burg.

...das Haus Heiligberg

Von der Zeit, als die Pest im Thurgau um sich griff und Tausenden Menschen das Leben kostete, erzählt man sich von einer Familie aus Steckborn, die von dem Unheil verschont blieb. Jede Familie hatte in dem kleinen Dorf am Untersee Tote zu beklagen, nur diese eine Familie nicht. Aus Angst davor, doch noch von der Seuche dahingerafft zu werden, verbarrikadierten sie sich in ihrem Haus. Eines Tages klopfte ein Vogel mit seinem Schnabel an die Fensterscheibe. Aus Angst wollten sie ihm zuerst nicht öffnen. Doch der Vogel liess nicht locker. Als sie ihm endlich das Fenster öffneten, erschraken sie. Denn der Vogel fing an zu sprechen: «Trinked Tee vo Bibernell, denn sterbed ehr nöd so schnell», zwitscherte er und flog davon. Die Familie in dem Haus legte ein Gelübde ab: Sie schworen, wenn sie diese Zeit überstehen, würden sie ihr Haus «Heiligberg» nennen. Noch heute steht dieses Haus in Steckborn. Über die Zeit hat sich diese Geschichte über die Schule und Erzählungen gehalten. Noch heute kennen die Steckborner die Sage um das Haus Heiligberg.

...die Burg von Frauenfeld

Es ist, als müsste die Sage aus alter Zeit auch das Herz bewegen und das Wunder spüren lassen, dass Frauenfeld aus der Liebe zweier Menschen entstanden ist: Einst verliebte sich die Tochter aus dem Hause Kyburg in einen armen Ritter. Der Vater wollte die Beziehung nicht gutheissen, also floh das junge Liebespaar. Sie suchten Schutz beim Abt des Klosters Reichenau, der ihnen einen Felsen auf der rechten Seite der Murg schenkte, auf dem sie eine Festung bauen sollten. Die Burg wurde erbaut und langsam wuchs ein Städtchen um die Festung der Liebe. Die Jahre vergingen und dank der Fürsprache des Abtes, fanden sich Tochter und Vater wieder. Zum Andenken an die Liebe und die standhafte Tochter, wurde das Städtchen Frauenfeld genannt. Wie ein Sinnbild steht im Stadtwappen der Kyburger Löwe, den eine Jungfrau an goldener Kette führt – Vaterzorn wurde von der Sanftmut und der Liebe gebändigt.

Hinweis

Liebe Leserin, lieber Leser: Kennen auch Sie Mythen, Sagen und Legenden aus dem Thurgau? Begleiten Sie Thurgauer Märchen durch Ihr Leben oder erinnern Sie sich noch an die schönste Geschichte, die bei Ihnen auf dem Dachboden verstaubt? Schicken Sie uns Ihre Erinnerungen in Wort, Schrift oder Bild an Thur-gauer Zeitung, Schmidgasse 7, 8500 Frauenfeld oder per Mail an thurgau@thurgauerzeitung.ch.

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