Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Mutig segeln sie hinaus aufs Meer

Menschen mit einer Behinderung setzen gemeinsam mit Menschen ohne Behinderung die Segel. Die Teilnehmer aus dem Thurgau sind mit Neugier und Hingabe auf dem knapp zweiwöchigen Segeltörn in der Ostsee dabei.
Christine Luley
Der Zweimaster «Ide Min» hat Platz für 25 Personen. Knapp zwei Wochen lang ist er das Zuhause der Behinderten auf ihrem Segeltörn in der Ostsee. (Bild: pd/Dave Siddiqui)

Der Zweimaster «Ide Min» hat Platz für 25 Personen. Knapp zwei Wochen lang ist er das Zuhause der Behinderten auf ihrem Segeltörn in der Ostsee. (Bild: pd/Dave Siddiqui)

Letzten Sonntag ging die Reise los: 33 behinderte Menschen und 14 Betreuerpersonen machten sich auf zum knapp zweiwöchigen Segeltörn in der Ostsee. Auch dabei ist Stefanie Gubler. Die junge Frau mit Down-Syndrom lebt im Wohn- und Ausbildungsheim Andante in Steckborn. Sie ist ein bisschen aufgeregt, «Reisefieber», sagt sie. Ihre Reisetasche hat sie selbst gepackt. Gemeinsam mit 47 Teilnehmern vom «Andante» und dem Friedheim in Weinfelden fuhr Stefanie am Sonntag mit dem Bus nach Kiel. «Dort müssen wir alles Gepäck ausladen», erklärt der mitreisende Tobias Schmied, und Christoph Ullman ergänzt: «Aber das kennen wir vom letzten Mal.»

Gemeinsam segeln

Informationsabend am Freitag zuvor: «Wer weiss noch, was wir auf dem Schiff gemacht haben?», will Dave Siddiqui von der Geschäftsleitung des Friedheims Weinfelden wissen. «Segel aufziehen, den Baum halten, steuern, das Segel überziehen, putzen, abwaschen…». Alles ist noch präsent. Die Mehrzahl hat schon an den beiden früheren Reisen teilgenommen. Erinnerungen werden wach. Wie Tobias den Kopf bei einem Sturm am Segel angeschlagen und Christoph die Mütze verloren hat.

Sicherheit ist ein wichtiges Thema. Der begeisterte Segler Dave Siddiqui und der begleitende Heimarzt Fredy Schweizer nehmen einen Teil des Equipments wie Kletterseile und Karabinerhaken mit. So geschützt können die Passagiere auch bei rauher See auf Deck sitzen.

«Nur wenn die Zusammenarbeit funktioniert, kann man die Segel setzen», sagt Siddiqui. «Es gibt keine Aufteilung in Starke und Schwache, wir arbeiten Hand in Hand», ergänzt Projektleiterin Wiveka Schäfli vom «Andante». Alle helfen entsprechend ihrem Können mit. Bereits zum dritten Mal führen die beiden Institutionen gemeinsam den Törn auf den beiden Zweimastsegelschonern «Ide Min» und «Jan Huygen» durch. Tobias fragt nach den Crewmitgliedern Herman und Anna. Stefanie strahlt, sie freut sich, die bekannten Gesichter wiederzusehen.

Ein Schiff bietet rund 25 Personen Platz. Die Reisenden wohnen in der Regel in Viererkabinen. «Man muss gut planen», sagt ein Reiseteilnehmer, «denn es hat wenig Duschen auf dem Schiff.»

Respektvolles Miteinander

Ein wichtiger Mann an Bord ist Jörg Willi. Er kocht gemeinsam mit Dshamilja Stadler und hat die Menus den Möglichkeiten der Schiffsküchen angepasst, ganz nach dem Motto «Einfach, aber gut». Dshamilja lässt für ihre Schützlinge sogar die Diplom-Abschlussfeier sausen. Die Reisenden danken es ihr mit einem ohrenbetäubenden Applaus.

Dave Siddiqui ist stolz auf sein motiviertes Team und die Mannschaft beider Schiffe. Für das grosse, gemeinsame Vorhaben braucht es viel Organisation, Flexibilität und Improvisation. Wie beim letzten Mal, auf einer kleinen dänischen Insel. Damals war der Mast kaputt, die Weiterreise musste warten. Da besuchten die Thurgauer einen Zoo, um die Zeit zu überbrücken.

Trotz der Gemeinschaft plagt in der fremden Umgebung auch mal das Heimweh, oder die Wellen machen seekrank. «Oh ja, das kennen wir», bestätigen Stefanie, Tobias und Christoph. «Es ist einfach anders als zu Hause.» – «Oft hilft dann ein tröstendes Wort, ein Kaugummi und die Erkenntnis, wie viel wir gemeinsam schon erreicht haben», sagt Wiveka Schäfli.

Christoph, Stefanie und Tobias vor dem grossen Abenteuer. (Bild: Christine Luley)

Christoph, Stefanie und Tobias vor dem grossen Abenteuer. (Bild: Christine Luley)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.