MUSIKTALENTE: Professionelles Feedback im Hinterzimmer

Ob es eine der sechs Bands Anfang Dezember ans Finale nach St. Gallen schafft, ist noch offen. Doch abgesehen davon bot die Regionalausscheidung für den Band-X-Ost-Contest in Wil viel Abwechslung.

Christof Lampart
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«Take 5» aus Wallenwil sorgten mit Latin-Rhythmen für einen heissen Start in den Abend. (Bild: Christof Lampart)

«Take 5» aus Wallenwil sorgten mit Latin-Rhythmen für einen heissen Start in den Abend. (Bild: Christof Lampart)

«Mal schauen, was an Feedback kommt – und wie weit wir eigentlich kommen» – dies war für viele Bands, die an der diesjährigen Regionalausscheidung des Band-X-Ost-Contests im Wiler «Gare de Lion» teilnahmen, wohl das ungeschriebene Motto. Viele der Bands nahmen nicht das erste Mal am Wettbewerb teil. Es war also durchaus auch eine aktuelle Standortbestimmung. Immerhin wurden jeder Band nach dem Auftritt von einer professionellen Jury im Hinterzimmer ein Feedback gegeben.

Viele wollen wissen, wie weit sie musikalisch sind

Viele kommen vor allem des­wegen, denn «das ist eine gute Chance, um herauszufinden, was man wie noch an seinem Auftritt verbessern kann», sagt Jasmin Müller, eine der Sängerinnen von «Take 5». Die Wallenwiler Band bringt mit ihren Latin-Rhythmen gleich zu Beginn viel Stimmung in den Laden. Schon im Vorjahr nahm sie an der Ausscheidungsrunde teil – und will jetzt erneut wissen, wie sie in Sachen Musi­kalität, Ausdruck, technisches Können und Bühnenpräsenz auf Publikum und Preisgericht wirkt. «Take 5» kommt auf jeden Fall gut an, denn die rund 100 Personen, die schon zur frühen Stunde zugegen sind, bejubeln den 15-minütigen Auftritt, jene knappe Handvoll Lieder, die an diesem Abend entscheiden, ob man sich mit einem guten Gefühl wieder auf den Heimweg macht oder nicht. Da haben es die Rapper von «Rick-O» schon etwas schwerer. Nicht, dass die Matzinger ihre Fans nicht begeisterten, doch der Sprechgesang war selten zu verstehen. Zwischen dem groovigen Latino-Sound und dem frechen Pop-Rock der Bettwieser Band «Amace» wirken die Jungs musikalisch fast ein wenig verloren – auch wenn sie eine ­tolle Bühnenpräsenz zeigen. «Amace» leiteten mit ihrem melodiösen Pop gekonnt zu jenem Sound über, den man an einem solchen Abend erwartet: rockigen Pop, bei dem man gerne mitgesungen hätte.

Als die Ruhe vor dem Sturm gab sich im Anschluss die Kreuzlingerin Naomi Ella, die in bester Singer-Songwriter-Manier sich selbst am E-Piano begleitete und über Liebe und Nervensägen vernehmen liess. Der Sturm, das waren dann drei Brüder aus Flawil, die als «The Rules» in bester Heavy-Metal-Tradition die 80er-Jahre hochleben liessen. Hauptsache laut und schnell und mit Mähnen, die im Kreis flogen. Nach diesem musikalischen Backslash gab es wieder Experimentelles: Denn «We don’t screw up» aus Uzwil boten als Letzte keineswegs Musik, die als «Kehraus»-Sound einer langsam sich zu Ende neigenden Party passte. Vielmehr entpuppte sich der Anleihen an Ethnosound nehmende Stil als höchst interessant, bot doch die Musik Überraschendes, was ein genaues Zuhören erlaubte, ja verlangte. Eine präsente Band, eine überzeugende Sängerin und am Ende stürmischen Applaus sicherten sich «We don’t screw up» auch den Publikumspreis: ein Aufnahmegerät für den Probenraum.

Christof Lampart

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch