Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

MUSIK: Der Takt des Zufalls

Seit Mitte August ist die 23-jährige Sarah Belz musikalische Leiterin des Spiels der Kantonspolizei Thurgau. Dass die Bernerin überhaupt in der Ostschweiz gelandet ist, schreibt sie einem romantischen Zufall zu.
Sebastian Keller
Sarah Belz gibt mit dem Taktstock den Ton an. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Sarah Belz gibt mit dem Taktstock den Ton an. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Sebastian Keller

sebastian.keller@thurgauerzeitung.ch

Zufälle sind Wegweiser des Lebens. Das gilt auch für Sarah Belz. Es beginnt bei der Wahl des Instruments. Eigentlich wollte sie Klavierspielen lernen. Doch an einem Tag der offenen Tür der Musikschule findet sie den Klavier­lehrer unsympathisch. Saxofon ist aus einem anderen Zimmer zu hören. Das gefällt ihr. Mit neun Jahren beginnt sie, Altsaxofon-Stunden zu nehmen. «Der warme Klang des Instrumentes hat mir schon immer gefallen.»

Heute ist Sarah Belz 23 Jahre alt – und spielt immer noch Saxofon. Sie sitzt im Musikpavillon Uttwil. Gerade hat sie Pause. Ein Schüttelbecher-Salat und eine Flasche Wasser stehen auf dem Tisch. Nachher kommen zwei Saxo­fon-Schüler, dann das Jugendorchester Uttwil, das sie dirigiert. Die Notenständer und Stühle sind im Halbkreis angeordnet. Der Musikunterricht für die Jugend-Musikschule Arbon-Horn ist seit September eines von Sarah Belz’ Standbeinen. Ein zweites löst einiges Staunen aus. Seit Mitte August dirigiert sie das Spiel der Kantonspolizei Thurgau. Als erste Frau überhaupt, mit 23 Jahren. Sie übernahm von Roland Schneiter, der zehn Jahre den Taktstock in der Hand hielt.

Die Feuertaufe hat die Dirigentin bestanden

Die ersten zwei Auftritte mit dem Ensemble hat die Dirigentin bereits hinter sich. Vor prominentem Publikum. Politikerinnen, Offiziere, Unternehmerinnen. Die Versammlung der Offiziersgesellschaft war ihre Feuertaufe, es folgte die Brevetierung der neuen Kantonspolizisten. «Das war ein tolles Gefühl», sagt Sarah Belz. Sie lacht ihr natürliches ­Lachen. Das tut sie oft. «Ich war relativ entspannt.» Sie spielten verschiedene Stücke. Berührt ­haben sie besonders die Märsche, der Schweizerpsalm und der Thurgauer Marsch. «Ich finde es schön, dass wir diese Stück spielen», sagt sie. In Amerika, wo sie mit ihrer Familie ein halbes Jahr gelebt hatte, werde patriotische Musik «an jeder Hundsverlochete» gespielt. Dass sie nun ein Polizeispiel dirigiert, findet sie selber lustig. «Als kleines Mädchen wollte ich Polizistin werden.» Dazu kam es nicht. Doch führt sie nun das Polizeispiel mit dem Taktstock – und eine Uniform darf sie trotzdem tragen. Für das nächste Jahreskonzert will sie ihre Vorstellungen einbringen. «Etwas Jazziges», sagt sie. Mit dem Virus «Jazz» wurde sie in den USA infiziert. Ein glücklicher Infekt. Sie fährt sich mit den Fingern durch die langen Haare. Es scheint ungewohnt für sie zu sein, weder Instrument noch Taktstock in den Händen zu halten.

Sie wechselt spielend den Dialekt

Sarah Belz ist als Tochter von Basler Eltern in Bern aufgewachsen. Zu Beginn des Gespräches spricht sie ein abgeschwächtes Baseldeutsch. «Das passt irgendwie besser in den Thurgau», sagt sie. Sie kann aber auch anders: «Mer cheu o uf Bärndütsch», sagt sie. Als ob sie einen Knopf gedrückt hätte, spricht sie lupenreines Berndeutsch. Im Kindergarten, so erzählt sie, sei sie wegen ihres Dialekts gehänselt worden. «Meine Mutter erzählte mir, ich hätte ein Jahr gar nicht geredet.» Wahrscheinlich habe sie in dieser Zeit Berndeutsch aufgesogen.

Musik spielte in ihrem Leben immer eine Rolle. Zu Hause lief oft klassische Musik. Der Grossvater war Sänger, die Tante Violi­nistin. Am Gymnasium Münchenbuchsee besuchte sie das Talentförderungsprogramm Musik. Nach dem «Gymer» begann sie mit dem Jazz-Studium an der Hochschule der Künste in Bern. Seit Sommer hat sie den Bachelor in der Tasche, nun ist sie am Masterstudium. Daneben studiert sie Direktion. Sie holt sich das theoretische und praktische Rüstzeug fürs Dirigieren. Während ihrer Ausbildung kristallisierte sich heraus, was sie wollte: unterrichten. «Ich bin nicht die Performerin.» Auf der Bühne stehe sie zwar gerne, aber nicht als Solokünstlerin. Nun gibt die 23-Jährige ihr Wissen an Musikschüler weiter. «Ich versuche, die Schüler mit meiner Motivation zu begeistern», sagt Sarah Belz und strahlt. Bald kommen die zwei Saxofon-Schüler.

Dass ihr Weg sie überhaupt in den Thurgau führte, bezeichnet sie als Zufall. Als Aushilfe spielte sie bei einem Auftritt einer Band in Weinfelden mit. Eines der Bandmitglieder ist der beste Kollege ihres heutigen Freundes Fabian. Weil es spät wurde, bot Fabian der ganzen Band Unterschlupf an. «Ich vergass mein Jäckli bei ihm», sagt Sarah Belz. Fabian ­bestand darauf, es ihr nach Bern zu bringen. Und so begann die Liebesgeschichte zwischen der Dirigentin und dem Instrumentenbauer. Demnächst ziehen sie zusammen. Zufall.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.