Murgspritzer

Macht hoch die Tür Gebe zu: Ich habe den goldigen Herbst genossen, Tage voller Sonne und Wärme bis in den Dezember hinein. Ich konnte mich ins Auto setzen und losfahren. Es musste keine Eisschicht mühselig und mit klammen Fingern von den Scheiben gekratzt werden.

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Macht hoch die Tür

Gebe zu: Ich habe den goldigen Herbst genossen, Tage voller Sonne und Wärme bis in den Dezember hinein. Ich konnte mich ins Auto setzen und losfahren. Es musste keine Eisschicht mühselig und mit klammen Fingern von den Scheiben gekratzt werden. Und auch das Trottoir entlang der Oberstadtstrasse in Frauenfeld blieb eisfrei und konnte gefahrlos beschritten werden. (Man wird sehen, ob es dem städtischen Winterdienst auch dieses Jahr gelingt, dieses Wegstück salzfrei zu halten.)

Doch dann lese ich die Zeitung, und prompt meldet sich das schlechte Gewissen. Das schöne Wetter machte – zusätzlich zum schwächelnden Euro – den hiesigen Sportgeschäften und Kleiderläden einen Strich durch die Rechnung. Der Marroni-Bräter beim Bahnhof hätte bestimmt noch Anfang Dezember lieber Soft-Ice verkauft statt heisse Marroni. Zumindest glaubte man das in seinem Gesicht abzulesen.

Es gibt heute eben nur noch zweierlei Wetter: Entweder es bedroht den Umsatz. Oder es fördert ihn.

Jetzt hat's geschneit, saukalt ist's. Und sofort sind die alljährlichen Panikattacken wieder da: Wo finde ich in letzter Minute noch was Passendes für meine Lieben? Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, ihr lieben Ladenbesitzer! Beat W. Hollenstein