Munteres Rauschen im Blätterwald

FRAUENFELD. Die meisten Thurgauer Gemeinden geben ein eigenes Mitteilungsblatt heraus. Mit amtlichen Mitteilungen, Vereinsberichten und lokalen Inseraten helfen sie bei der Orientierung im Alltag und vermitteln ein Gemeinschaftsgefühl.

Thomas Wunderlin
Drucken
Teilen
Die Mitteilungsblätter bieten einen Einblick in den Alltag der Gemeinden und werden genau gelesen. (Bild: Reto Martin)

Die Mitteilungsblätter bieten einen Einblick in den Alltag der Gemeinden und werden genau gelesen. (Bild: Reto Martin)

«Brennholz gestohlen!», meldet die Matzinger «Dorfpost». Der Verkehrs- und Verschönerungsverein beklagt den Verlust von zwei Ster Brennholz, die bei der Feuerstelle beim Rehliweiher lagerten. Der Gemeinderat Pfyn informiert im «Info», dass er die bestehenden Richtplangebiete von 7,1 auf rund 4,8 Hektaren reduzieren muss. In den «Infos zwischen Thur und Wellenberg» teilt der Gemeinderat den Einwohnern von Felben-Wellhausen mit, dass er einen Vertrag mit der Energieplattform AG zum weiteren günstigen Stromeinkauf abgeschlossen hat. Die Präsidentin des Hand- und Mundharmonika-Clubs Roggwil lädt mit einigen poetisch gemeinten Zeilen in «Roggwil aktuell» zum Herbstkonzert ein.

Die Mitteilungsblätter der Gemeinden bieten einen unterhaltsamen Einblick ins bunte Leben im Kanton. Die meisten der achtzig Gemeinden sind der Meinung, dass ein eigenes Publikationsorgan notwendig ist. Nebst den privaten Gratiszeitungen füllen auch diese Blätter eine Lücke, die durch die Pressekonzentration entstanden ist. So lancierte Frauenfeld seine vierteljährlich erscheinende Einwohnerzeitung «frauenfeld.ch» 2001, nachdem die Zahl der täglich erscheinenden Tageszeitungen von zwei auf eine geschrumpft war.

Manche erscheinen wöchentlich wie der Romanshorner «Seeblick» oder alle drei Wochen wie «Roggwil aktuell».

Regionalisierter Wahlkampf

Sie flattern gratis in Papierform in alle Briefkästen der jeweiligen Gemeinde, obwohl die Internetkommunikation heute an Bedeutung gewonnen hat. Sie können aber meist auch auf der Homepage der Gemeindeverwaltung heruntergeladen werden. Nicht nur Vereine und Gewerbler, auch die Parteien nützen sie im jetzigen Wahlkampf. Im «Felix», der von einer Genossenschaft unter Beteiligung der Stadt Arbon herausgegeben wird, hat ein Hinterthurgauer Kandidat sogar ein Inserat publiziert, in dem er sich für den Oberthurgau stark macht.

Dass die «Tegelbachzytig» für Gemeinschaftsgefühl sorgt, bestätigt der Gachnanger Gemeindepräsident Matthias Müller: «Sie kommt sehr gut an.» Abonnenten habe sie sogar in Kanada. Erstmals erschienen ist die «Tegelbachzytig» 1998 bei der Gründung der Gemeinde. Die Ortsgemeinden Islikon und Gachnang hatten zuvor eigene Blätter. Müller verweist auch auf die vielen Berichte von Vereinen und Privaten: «Wir erhalten viel mehr als wir reintun können.» Aufgrund des grossen Andrangs erscheint die «Tegelbachzytig» seit diesem Jahr fünf- statt viermal wie zuvor. Müller muss nun ein Editorial mehr schreiben, was ihm nicht immer leicht fällt. Aktuelle Bezüge sind schwierig, da der Text einen Monat vor dem Erscheinen fertig sein muss.

Weinfelden ohne eigenes Blatt

Ob Weinfelden ein eigenes Mitteilungsblatt braucht, «darüber wird immer wieder diskutiert», sagt Gemeindepräsident Max Vögeli. Bisher sei man immer zum Schluss gekommen: «Solange wir eine Redaktion der Thurgauer Zeitung in Weinfelden haben, machen wir es nicht.» Ein grosser Vorteil der Tageszeitung sei, dass sie eben täglich erscheine. Die Gemeinde Weinfelden gibt selber nur ein- bis maximal zweimal pro Jahr eine Infozeitung vor grösseren Gemeindeabstimmungen heraus. Zuletzt war das beim Feuerwehrzentrum der Fall. Dazu kommt ein Newsletter per Mail, der alle 14 Tage erscheint und 400 Abonnenten zählt.

Aktuelle Nachrichten