MÜNCHWILEN: Neue Wohnungen für die Krebse

Der erste Teil der Chräbsbach-Renaturierung ist abgeschlossen. Zum Gelingen des Projekts haben auch zwei Schulklassen mit einer nächtlichen Aktion beigetragen.

Roman Scherrer
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Das Bachufer des Chräbsbachs ist an der renaturierten Stelle noch nicht begrünt. (Bild: PD)

Das Bachufer des Chräbsbachs ist an der renaturierten Stelle noch nicht begrünt. (Bild: PD)

Roman Scherrer

roman.scherrer@thurgauerzeitung.ch

Es sieht aus wie im Nationalpark oder, als wäre eine grosse Hochwasserwelle durchgerauscht und hätte alles Grün weggefegt. So beschreibt der Leiter des Amts für Bau und Umwelt Münchwilen, Gregor Kretz, in den Münchwiler Gemeindenachrichten den frisch renaturierten Abschnitt des Chräbsbachs.

Mitte November konnte – zwischen Weinfelder- und Mezikonerstrasse – die erste Etappe der Bach-Renaturierung samt Hochwasserschutzmassnahmen abgeschlossen werden. Rund 500'000 Franken hat sie gekostet. Das wichtigste Resultat des Teilprojekts dürfte das verbreiterte Bachbett sein. Es ist nun breit genug, um ein Hochwasser aufnehmen zu können.

Hochwasser flutete Keller

Tatsächlich ist es nicht allzu lange her, als der Chräbsbach seinen Anwohnern das letzte Mal Sorgen bereitete. Bei einem Unwetter im Juni 2015 trat der Bach über die Ufer. Auf der einen Seite brach das Wasser auf eine Wiese aus, auf der anderen Seite flutete es mehrere Keller und eine Tiefgarage von angrenzenden Liegenschaften. Diese Szenen dürften nun der Vergangenheit angehören. Denn neben der Verbreiterung des Bachbetts hat man an der Mezikonerstrasse die Chräbsbachbrücke verbreitert und die Strasse in Fliessrichtung links abgesenkt. So kann das Wasser dort bei einem Hochwasser von grösserem Ausmass über die Strasse geleitet und wieder ins Bachbett geführt werden.

Von den Sanierungsarbeiten am Bach waren die Anwohner direkt betroffen. «In den Gärten mussten zum Beispiel Schaukeln, Zäune und Büsche entfernt oder versetzt werden», sagt Gregor Kretz. Im Vorfeld hat die Gemeinde die Anwohner über die geplanten Massnahmen informiert. Kretz lobt die Gesprächsbereitschaft der Betroffenen. «Nun sind – so glaube ich – alle froh wie es herausgekommen ist. Natürlich sieht das Bachufer zurzeit noch eher trostlos aus. Bald wird es aber wieder grün sein.»

Bei Nacht den Bach durchkämmt

Der Chräbsbach hat seinen Namen nicht von ungefähr. Das Gewässer ist tatsächlich die Heimat von Krebsen. Bevor die Bauarbeiten starten konnten, mussten die Krustentiere in Sicherheit gebracht werden. Zu diesem Zweck hat die Gemeinde bei der Schule angefragt, ob das Interesse bestehe, mit den Schülern ein entspre- chendes naturnahes Projekt durchzuführen. Die Schule begrüsste diese Idee. So kam es, dass Ende August zwei Münchwiler Schulklassen bei Nacht – ausgestattet mit Taschenlampen, Netzen und Eimern – den Bach durchkämmten und die Krebse einsammelten. «Das Projekt war eine wirklich tolle Sache. Die Schüler hatten Spass daran. Und sowohl wir von der Gemeinde als auch die Schule waren dankbar, dass wir das zusammen durchführen konnten», sagt Gregor Kretz. Die ganze Aktion hat der Fischereiaufseher Marius Küttel geleitet.

Rund 300 Meter weiter oberhalb wurden die Krebse dann wieder im Bach ausgesetzt. Von dort wandern sie nun Stück für Stück zur renaturierten Stelle zurück, wo sie ihre neuen «Wohnungen» vorfinden werden. Denn bei den Bauarbeiten wurden für sie und die Fische extra sogenannte Nischen erstellt.

Letzte Etappe im Jahr 2019

Jetzt stehen noch zwei weitere Etappen der Renaturierung am Chräbsbach an. 2018 werden vor allem die ersten 100 Meter auf der anderen Seite der Mezikonerstrasse saniert. Zudem sind bis zur Murg-Einmündung einige kleinere Eingriffe für den Hochwasserschutz nötig. «Im Siedlungsbereich wird die Bautätigkeit aber am grössten sein», sagt Gregor Kretz. Die Gemeinde wird die Anwohner vor Baubeginn noch detailliert über die Massnahmen informieren.

Im Jahr 2019 steht die letzte Etappe an. Diese wird den Abschnitt oberhalb der Weinfel-derstrasse betreffen.

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