MÜNCHWILEN: Empfehlung mit Brisanz

In der Evangelischen Kirchgemeinde wollen zwei Personen das Präsidium übernehmen. Für die Kirchenvorsteherschaft ist einer Favorit.

Simon Dudle
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Simon Dudle

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch

Das hat es schon lange nicht mehr gegeben: Die evangelischen Kirchbürger von Münchwilen und Eschlikon können auswählen, wer ab Juli neuer Präsident oder neue Präsidentin wird. Zu besetzen ist die Stelle, weil Präsident Peter Gunz seinen Rücktritt eingereicht hat und das Amt Ende Mai abgibt. Er verlässt somit die Kirchenvorsteherschaft (Kivo) zum zweiten Mal innerhalb von rund fünf Jahren. 2012 war die Kivo nach Streitigkeiten geschlossen zurückgetreten.

Die Ersatzwahl findet am Sonntag, 18. Juni, um 11 Uhr in der evangelischen Kirche Eschlikon statt. Gibt es bis zu dieser Versammlung keine weiteren Kandidaturen, steht einerseits Heini Krauer aus Münchwilen zur Wahl. Er ist seit Februar Mitglied der Kirchenvorsteherschaft. Andererseits möchte auch Susanna Koller Brunner aus Eschlikon Präsidentin werden.

Susanna Koller wohnt seit 2004 in der Gemeinde, ist verheiratet und Mutter von Drillingen. 2005 wurde die heute 60-jährige Präsidentin der Volksschulgemeinde Eschlikon. Dieses Teilzeitmandat hat sie noch immer inne, wird es aber Ende Juli an Linus Köppel übergeben. Die Eschlikerin ist seit 2007 auch Ersatzrichterin am Bezirksgericht Münchwilen und seit 2015 im Stiftungsrat der Pensionskasse Thurgau. Zu ihrer Kandidatur schreibt Koller Brunner: «Veränderungsprozesse in einer Organisation können Freude, Motivation, aber auch Unsicherheiten und Ängste auslösen. Diese gilt es, mit offener Haltung und wertschätzender Klarheit zu führen. Unsere Kirchgemeinde soll sich weiterentwickeln, nach innen und aussen.»

Der 67-jährige Heini Krauer ist in St. Margarethen aufgewachsen und machte eine Banklehre in Sirnach. Sein ganzes Berufsleben blieb er in der Branche tätig. Der verheiratete Vater von vier erwachsenen Söhnen wohnt seit mehr als drei Jahrzehnten in Münchwilen. Erst vergangenes Jahr hat er den Master-Studiengang «Religion-Wirtschaft-Politik» der Universitäten Zürich, Basel und Luzern abgeschlossen. «Was ich im Studium gelernt habe, könnte ich als Präsident der Kirchgemeinde einsetzen. Mich reizt an der Aufgabe, dass ich noch mehr Verantwortung übernehmen könnte», sagt Krauer.

Mehrheit der Kivo hätte lieber Krauer

Auch ihm ist bewusst, dass die Vergangenheit der Evangelischen Kirchgemeinde Münchwilen-Eschlikon bewegt war, es bei den Pfarrern und auch in der Kirchenvorsteherschaft immer wieder zu Wechseln und Umstimmigkeiten gekommen ist. «Ich habe Respekt vor dieser Aufgabe. Jedoch möchte ich mithelfen können, die Situation zu beruhigen.» Marlène Högger, Vizepräsidentin der Evangelischen Kirchgemeinde Münchwilen-Eschlikon, sagt zur Ausgangslage. «Es ist schön, dass die Kirchbürger eine Auswahl haben. Beide Kandidaten sind hoch qualifiziert und bringen Führungserfahrung mit.» Ursprünglich hatten sich noch weitere Kandidaten beworben, jedoch das ­Interesse wieder zurückge­zogen.

Einiges an Zündstoff dürfte ein Mehrheitsbeschluss der Kirchenvorsteherschaft beinhalten, der dieser Zeitung zugespielt worden ist. Darin lässt die Kivo verlauten: «Aufgrund unserer Gespräche würden wir als Kivo die Wahl von Heini Krauer vorziehen. Wir halten aber Susanna Koller ebenfalls für eine fähige Kandidatin und wären bereit, im Falle einer Wahl auch mit ihr zusammenzuarbeiten.»