MÜNCHWILEN: Die Konkurrenz war zu gross

Die Genossenschaft für Personalvermittlung teilt ihre Auflösung per Ende März mit. Der Vorstand begründet den Entscheid damit, dass sich der Markt seit der Gründung stark verändert habe.

Roman Scherrer
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Noch prangt das GPV-Logo am Eingang des Hauses an der Wilerstrasse 1 in Münchwilen. (Bild: Roman Scherrer)

Noch prangt das GPV-Logo am Eingang des Hauses an der Wilerstrasse 1 in Münchwilen. (Bild: Roman Scherrer)

Roman Scherrer

roman.scherrer@thurgauerzeitung.ch

«Es war letzten Endes ein Vernunftsentscheid», sagt Guido Grütter. Der Münchwiler Gemeindepräsident ist auch Präsident der Genossenschaft für Personalvermittlung (GPV). In einer Medienmitteilung teilt er im Namen des GPV-Vorstands die Auflösung der Genossenschaft per Ende März mit.

In den 90er-Jahren haben unter anderem Hinterthurgauer Gemeinden die genossenschaftliche Personalvermittlung gegründet – noch bevor es die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) gab (siehe Kasten). Nun ist nach über 20 Jahren Schluss. Über die Auflösung der GPV war man sich im Vorstand und unter den Genossenschaftern einig. Die Konkurrenz in der Arbeitsvermittlungs-Branche ist zu gross geworden. Die Situation auf dem Markt «lässt die GPV zunehmend in eine wirtschaftliche Schieflage geraten», heisst es in der Mitteilung.

Auflösung war schon länger Thema

Dies und die wenig erfolgsversprechende Zukunftsprognose hätten dazu geführt, dass aus den Reihen der Genossenschafter zunehmend die Frage gestellt wurde, ob es sinnvoll ist, die GPV weiter zu führen. «Eine mögliche Auflösung war während mehrerer Jahre ein Diskussionsthema», sagt Guido Grütter.

So haben die Geschäftsführung und der Vorstand in den vergangenen Jahren verschiedene Ideen entwickelt, um neue Geschäftsmöglichkeiten zu erschliessen. Eine davon war, sich auf die Personalvermittlung im Bereich Gebäudereinigung oder Haushaltshilfe zu konzentrieren. «In diesen Bereichen gibt es aber beispielsweise die Spitex oder Hauswartungsfirmen, welche ebenfalls Personalvermittlung betreiben. Wir hätten uns da in ein starkes Konkurrenzfeld begeben», so Grütter. Die Genossenschaft stand zwar laut dem Präsidenten nicht unmittelbar vor einem Konkurs. «Er wäre allerdings absehbar gewesen.» Mit der Auflösung habe man nun die Konsequenzen aus der Gesamtsituation gezogen. «Manchmal ist die Zeit reif für solche Entscheidungen», meint Guido Grütter. «Trotzdem ist es natürlich schade, dass man nach 20 Jahren einen solchen Betrieb auflösen muss. Uns allen im Vorstand ist dieser Schritt nicht leicht gefallen.» Nicht zuletzt weil man mit der Geschäftsführerin und deren Mitarbeiterin zwei Personen entlassen habe müssen. «Das ist schliesslich das genaue Gegenteil vom Zweck einer Personalvermittlung», sagt Grütter.Die GVP-Geschäftsführerin Susanne Gobbo leitet die Geschicke der Personalvermittlung seit deren Gründung. «Die Argumente für die Auflösung kann ich nachvollziehen», sagt sie. «Früher hatten wir sehr viel mehr Firmen als Auftraggeber. Und vor zwei Jahren haben wir unseren Hauptkunden verloren.» Durch diesen Verlust sei es nicht mehr möglich gewesen, kostendeckend zu arbeiten.

Vermittlerinnen auf Arbeitssuche

Derzeit sind Gobbo und ihre Mitarbeiterin damit beschäftigt, temporäre Arbeitnehmer an andere Vermittlungsbüros zu übergeben und Anschlusslösungen für die Unternehmen zu suchen, welche bisher einen Vertrag mit der GVP hatten. Die Arbeiten, welche die Auflösung mit sich bringt, werden noch bis in den April andauern. «Es wird eine geordnete Auflösung geben, wie es ein anderes Geschäft auch machen würde», sagt Gobbo.

Nachdem die Geschäftsführerin während der vergangenen gut 20 Jahre mehrere Hundert Stellen vermittelt hatte, ist sie nun selbst auf Arbeitssuche. «Meine Mitarbeiterin und ich bewerben uns derzeit auf eine neue Stelle. Wir hoffen nun ebenfalls auf eine Anschlusslösung.»