MÜNCHWILEN: Die digitalen Barrieren verschwinden

Die Gemeinde erstellt bis Ende Jahr eine neue Website. Dabei berücksichtigt sie auch Sehbehinderte: Der Internetauftritt wird barrierefrei.

Olaf Kühne
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Barrieren entlang der Frauenfeld-Wil-Bahn sind in den vergangenen Jahren reihenweise errichtet worden. Die Barrieren für Sehbehinderte will die Gemeinde hingegen bis Ende Jahr beseitigen. (Bild: Nana do Carmo (6. August 2013))

Barrieren entlang der Frauenfeld-Wil-Bahn sind in den vergangenen Jahren reihenweise errichtet worden. Die Barrieren für Sehbehinderte will die Gemeinde hingegen bis Ende Jahr beseitigen. (Bild: Nana do Carmo (6. August 2013))

Olaf Kühne

olaf.kuehne@thurgauerzeitung.ch

Barrieren sind in Münchwilen ein Dauerbrenner. Wie die sprichwörtlichen Pilze sind sie im Bezirkshauptort in den vergangenen Jahren aus dem Boden geschossen. Die vormals ungesicherten Streckenübergänge der Frauenfeld-Wil-Bahn machten diese Barriereflut erforderlich.

Barrieren ganz anderer Art sollen nun aber aus Münchwilen verschwinden. Die Website der Gemeinde ist in die Jahre gekommen, die dahinter stehende Technologie gar hoffnungslos veraltet. Planmässig Ende Jahr soll deshalb eine neue Version des Münchwiler Internetauftrittes online sein. Die Gemeinde wird damit einen grossen Schritt in der Umsetzung des nunmehr 15-jährigen Behinderten­gleichstellungsgesetzes machen. Dieses fordert zwar nur vom Bund explizit, dass dessen Dienstleistungen im Internet auch ­Sehbehinderten zugänglich sein müssen – aber: «Das Gesetz dient uns als Grundlage», sagt Gemeindepräsident Guido Grütter. Konkret gehe es darum, dass die Texte auf der Gemeindewebsite für Seh­behinderte in dynamischen Schriftgrössen auf allen Gerätetypen darstellbar seien, und dassAABB22Geschriebenes für Blinde alsAABB22­gesprochene Texte zugäng­lich werden, ebenso Bilder und ­ge­wisse Funktionalitäten. «Bar­riere­freiheit» heisst das Schlagwort.

Neue Sirnacher Website ist bereits barrierefrei

Ein Schritt, den die Nachbarin, die Gemeinde Sirnach, vor kurzem bereits vollzogen hat. Hier war der Auslöser für die Um­stellung nicht eine veraltete Tech­no­logie. Vielmehr beschlossen die Stimmbürger auf Anfang 2015 die Bildung einer Einheits­gemeinde. Sprich, die vormals eigenstän­digen Internetauftritte von Poli­tischer und Schulgemeinde mussten zusammengeführt werden. Laut dem stellvertretenden Gemeindeschreiber und Projekt­leiter für die neue Website, Fabio Bottega, dauerte die Umsetzung rund ein Jahr. «Wir haben natürlich nicht nur daran gearbeitet, das lief neben dem Tagesgeschäft», sagt Bottega. «Die Umstellung war aber ein guter Anlass, die Website auch gleich behindertengerecht zu machen.» Von der neuen Münchwiler Website sollen indes nicht nur Behinderte profitieren. So seien, erklärt Gemeindepräsident Grütter weiter, auch die Technik für die Er­stellung des Newsletters sowie das System zur Erfassung der Inhalte, das sogenannte CMS, uralt. ­«Damit verplempern unsere Ver­waltungsmitarbeiter oft unnötig Zeit», sagt er.

Weiter will der Gemeinderat, dass aus der Website ein «digi­taler Dorfplatz» entsteht. Grütter erklärt, dass gewisse Artikel kommentiert werden können, und dass die Bevölkerung in einem da­für vorgesehenen Bereich eigene Texte publizieren kann. «Die Kommentare müssen natürlich moderiert werden», sagt Grütter. «Wir denken aber, dass sich der erforderliche Aufwand in Grenzen hält.»

Und schliesslich wird die neue Website eine digitale Anzeigenwand bieten. «So ähnlich, wie wir das schon von Migros und Coop kennen», sagt der Gemeinde­präsident. «Nicht nur rein kommerzielle Angebote in den Ru­briken ‹ich suche› und ‹ich biete› werden hier Platz finden.»

Das Einzige, was sich am Münchwiler Internetauftritt nicht ändern dürfte, ist der Umstand, dass man sich die Internet­adresse mit der Namensschwester teilen muss; mit der Gemeinde Münchwilen im aargauischen Bezirk Laufenburg.