MÜLLHEIM: «Familie kommt durcheinander»

Lehrerkündigungen und ein gestrichener freier Nachmittag: Die Schulleiterin der Primarschule stand an der Schulgemeinde am Mittwochabend in der Kritik. Wenigstens präsentierten sich die Finanzen positiv.

Andreas Taverner
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Ort des Geschehens: das Primarschulhaus Wiel in Müllheim. (Bild: Stefan Schaufelberger)

Ort des Geschehens: das Primarschulhaus Wiel in Müllheim. (Bild: Stefan Schaufelberger)

Andreas Taverner

frauenfeld@thurgauerzeitung.ch

Das letzte Traktandum der Primarschulgemeinde, «Verschiedenes und Umfrage», hat grad erst begonnen, da gehen die Wogen hoch. Es melden sich mehrere Schulbürger. Sie prangern zwei Missstände an. Bis zu diesem Zeitpunkt sind die Traktanden flüssig durchgegangen. 105 Schulbürger sind gekommen. Wo nötig, erläutert und erklärt die Behörde. Zuvor hat im Singsaal des Schulhauses Wiel schon die Gemeindeversammlung der Sekundarschule stattgefunden.

Der erste Kritikpunkt betrifft die Schulleitung und ihre Führung sowie die vielen Abgänge von Lehrern. «Wir haben das Gefühl, der Laden brennt, und es ist dringend», sagt eine besorgte Votantin. Weitere Wortmeldungen äussern sich besorgt um die Qualität der Schule. Wie Recherchen von Eltern ergaben, sind acht bis zehn Kündigungen innert kurzer Zeit laut Anne Varenne, Präsidentin von Bildung Thurgau, keine normale Fluktuation an einer Schule. Dem widerspricht Schulleiterin Béatrice Küpfer. Sie findet, dass dies eine normale Entwicklung ist. Auch gibt sie zu bedenken, dass auf die Lehrpersonen diverse Veränderungen zukommen. «Ausserdem hat nicht jede Schule die gleichen Entwicklungsziele», sagt sie. «Wussten Sie etwa, dass wir eine Begabtenförderung aufgleisen?» Mit einem Votum stellt sich der abtretende Schulpräsident Uli Jucker hinter seine Schulleiterin. Der zweite Umstand, an dem sich viele Eltern stören, ist, dass der freie Donnerstagnachmittag abgeschafft werden soll. Dies löst eine längere, teils recht emotionale Debatte zwischen Eltern, Schulleiterin und Behörde aus.

Nicht zu vereinbaren mit Beruf

«Das Familienleben kommt durcheinander», bemerkt eine besorgte Mutter. Bisher konnte der Donnerstagnachmittag genutzt werden, um mit der Familie etwas zu unternehmen, wenn der Mittwoch zum Beispiel mit einem Hobby oder Lernen belegt war. Ein Vater wendet ein, dass es nun immer schwieriger wird, Beruf und Familie zu vereinen. Schulleiterin Küpfer hält entgegen, dies komme den Kindern zugute, die Fördermassnahmen benötigten. Als bezüglich Stundenplan nachgefragt wird, erklärt Küpfer, dass sie keine interne Informationen herausgeben darf. Weiter verweist sie auf einen Quartalsbrief, wo diese Änderung angekündigt wurde. Alt Gemeinderat Heinz Fehlmann stellt verhärtete Fronten fest. Er schliesst mit der Bitte an die Schulbehörde, die Anliegen ernst zu nehmen. Schulpräsident Jucker versichert, dass bis Ende der Woche eine schriftliche Antwort komme.

Erfreuliches gibt es bezüglich Finanzen zu berichten. So kann Oliver Schmid eine erfreuliche Jahresrechnung präsentieren. Mit rund 386'000 Franken Gewinn schloss die Primarschulgemeinde das vergangene Jahr deutlich besser ab als erwartet. Ausgaben von 3,5 Millionen stehen Einnahmen von gut 3,9 Millionen Franken gegenüber. Ein Grund sind die überraschend hohen Steuereinnahmen von rund 170'000 Franken. Um für zukünftige Bauvorhaben etwas Geld anzusparen, wird der Steuerfuss wie bisher bei 60 Prozent belassen.