MÜLLHEIM: Das Ende der Thuja-Allee naht

Der Weg für ein Erschliessungsprojekt im Gebiet Oberdorf-Storenberg ist frei. Zwar haben Petitionäre genug Unterschriften für eine ausserordentliche Gemeindeversammlung beisammen, dafür aber zu lang gebraucht.

Samuel Koch
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Die Tage für die umstrittene Thuja-Allee am Friedhofweg sind gezählt. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Die Tage für die umstrittene Thuja-Allee am Friedhofweg sind gezählt. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Samuel Koch

samuel.koch@thurgauerzeitung.ch

Genug ist nicht immer genug. Das hat die Unterschriftensammlung des Komitees zur Erhaltung der Baumallee am Friedhofweg in Müllheim gezeigt. Zwar sind die 150 Unterschriften für eine ausserordentliche Gemeindeversammlung gemäss Gemeindeordnung zusammengekommen. Die Frist von drei Monaten, wie im kantonalen Stimm- und Wahlgesetz festgehalten, konnte jedoch vom Komitte nicht eingehalten werden. Weil die Sammlung vom Oktober 2014 bis zum November 2016 dauerte, lehnt der Müllheimer Gemeinderat das Begehren des Komitees ab. Es setzt sich dafür ein, dass die noch bestehende Thuja-Allee zwischen Kreuzlingerstrasse und Storenberg zum Friedhof erhalten bleibt. Diese soll für ein Erschliessungsprojekt der Gemeinde in Höhe von 1,463 Millionen Franken weichen (unsere Zeitung berichtete).

Beim Komitee stösst der Entscheid auf Unverständnis. «Wir finden es schade, dass einem Wunsch aus der Gemeinde trotz viel Zuspruch kein Gehör geschenkt wird», sagt Daniel Münger, der sich unter anderem mit Schriftstellerin Zsuzsanna Gahse, dem früheren Kantonsrat Andreas Engeler (Grüne) und Toni Waeffler für die zirka 80 Jahre alte Thuja-Allee stark macht. Solche Anliegen würden beim Gemeinderat jeweils wenig Kredit geniessen. Münger zieht Analogien zum Outlet-Center, das trotz Widerstand aus der Bevölkerung auf gemeindeüberschreitendem Gebiet Müllheim–Wigoltingen zu stehen kommen soll.

Icomos stuft Thuja als erhaltenswert ein

Klar ist für Münger, dass die juristischen Möglichkeiten mit der verstrichenen Frist ausgeschöpft seien. Dennoch möchte sich das Komitee weiter für eine Sensibilisierung einsetzen. «Der Gemeinderat opfert etwas Wunderschönes und etwas Wichtiges dazu», meint Münger. Denn Icomos, der internationale Rat für Denkmäler und historische Stätten und eine Untergruppe der Unesco, stuft die Thuja-Allee als erhaltenswert ein. Zudem erhält das Komitee Unterstützung vom schweizweit bekannten Baumschützer Michel Brunner, der die Thuja ebenfalls vor einer Rodung schützen will.

Beim Gemeinderat hat man diese Bemühungen zur Kenntnis genommen, wie Gemeindepräsident Urs Forster auf Anfrage sagt. Trotzdem sei jetzt die Bahn frei für den Bau der Erschliessungsanlagen auf Basis des Gestaltungsplanes von 2006. «Jetzt ist alles rechtskräftig», sagt Forster. So müsse die Thuja-Allee am Friedhofweg einer Strasse mit einer Reihe einheimischer Bäume weichen. «Wir setzen mit der Erschliessung den Gestaltungsplan um, der vom Regierungsrat erlassen wurde», sagt Forster. Dieser sei behördenverbindlich und dank des Ja der Gemeindeversammlung vom vergangenen Dezember zum Erschliessungskredit auch von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt. In naher Zukunft laufe die Arbeitsvergabe an.

Auch wenn die Tage für die Thuja-Allee definitiv gezählt zu sein scheinen, zeigt sich das Komitee zuversichtlich, dass doch noch eine Lösung gefunden werden kann.