Mowag ist bis 2022 ausgelastet

Die Thurgauer Rüstungsfirma Mowag profitiert von Aufträgen aus dem In- und Ausland. Die Schweizer Rüstungsindustrie sei unabdingbar für die Armee, war das Fazit eines Podiums. Der heimische Markt sei aber zu klein.

Christof Widmer
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Diskutierten über die Schweizer Rüstungsindustrie: Fabian Ochsner, Peter Regli, Verena Herzog, Peter Forster, Hermann Hess und Urs Engeli. (Bild: Donato Caspari)

Diskutierten über die Schweizer Rüstungsindustrie: Fabian Ochsner, Peter Regli, Verena Herzog, Peter Forster, Hermann Hess und Urs Engeli. (Bild: Donato Caspari)

EGNACH. Dass sich Russland die ukrainische Krim militärisch einverleibt und in der Ostukraine einen Krieg angezettelt hat, verfehlt seine Wirkung auf den Rest Europas nicht. Zahlreiche Staaten stocken die Budgets für ihre Streitkräfte wieder auf. Das spürt auch die Schweizer Rüstungsindustrie. Die Kreuzlinger Mowag hat einen Grossauftrag aus Dänemark an Land gezogen. Über 200 Radschützenpanzer vom Typ Piranha 5 kann das Unternehmen ins skandinavische Land verkaufen.

Für diesen Grossauftrag habe sich Mowag gegen starke, teils staatlich unterstützte Konkurrenz durchsetzen können, sagt Verkaufsleiter Urs Engeli am Montagabend an einer Podiumsdiskussion zur Rüstungsindustrie. «Wir sind mit diesem Auftrag bis 2022 ausgelastet.»

Noch nicht ganz im Trockenen

Profitieren kann die Thurgauer Rüstungsfirma auch von der Schweizer Armee. Der Bundesrat will mit dem zusätzlichen Rüstungsprogramm 2015+ durch die Mowag 2220 Duro-Fahrzeuge modernisieren lassen. Das Auftragsvolumen beträgt 550 Millionen Franken. Das Geschäft muss noch vom Parlament bewilligt werden – wie auch in Dänemark der Piranha-Vertrag.

Für die Werterhaltung der Duros hat Mowag aber einen Trumpf in der Hand: 170 Firmen in 21 Kantonen könnten mit Folgeaufträgen rechnen, sagte Engeli. «Das wäre eine Riesensache.» SVP-Nationalrätin Verena Herzog gab sich auf dem Podium zuversichtlich, dass die eidgenössischen Räte dem Projekt zustimmen. «Es geht auch um Arbeitsplätze.» Allein Mowag beschäftigt in Kreuzlingen 600 Mitarbeiter, darunter 37 Lehrlinge.

Weiter arbeitet die Mowag zusammen mit der bundeseigenen Ruag an einem neuen Piranha-Mörser-System. Bei der Armee in der Schublade liegt laut Engeli zudem ein Projekt zur Ablösung des Radschützenpanzers 93.

Am von der SVP und der FDP organisierten Podium nahmen neben Engeli und Herzog auch Peter Regli, ehemaliger Chef des Schweizer Nachrichtendienstes, Fabian Ochsner, Vizedirektor der Rheinmetall Air Defence (ehemals Oerlikon Contraves) sowie FDP-Kantonsrat und Nationalratskandidat Hermann Hess teil. Die Leitung hatte Peter Forster, ehemaliger Chefredaktor der Thurgauer Zeitung und heutiger Chefredaktor der Zeitschrift Schweizer Soldat.

«Nicht mit Rot-Grün ins Bett»

Ob das Nein des Schweizer Volks zum Gripen darauf hindeute, dass Rüstungsgeschäfte künftig einen schwereren Stand hätten, wollte Forster von Regli wissen. «Das Problem ist, dass die Bürgerlichen nicht zusammenstehen», antwortete dieser auch mit Blick auf die im Juni mit Hilfe der SVP im Nationalrat versenkte Weiterentwicklung der Armee. «Man darf nicht mit Rot-Grün ins Bett steigen, wenn es um die Sicherheit geht», sagte Regli. Herzog verteidigte die Haltung der SVP: Ihr Ziel sei ein höheres Budget für die Armee, was in der Vorlage des Bundesrats nicht enthalten sei.

Hermann Hess stört sich daran, dass die Weiterentwicklung der Armee mit einem finanziellen Betrag definiert wird, statt über die Aufgabenstellung. Regli pflichtete bei und nahm auch den vorgesehenen Mannschaftsbestand von 100 000 Mann aufs Korn: «Das ist absolut verantwortungslos.» So könne die Armee ihren Verfassungsauftrag nicht erfüllen.

Waffensysteme selber warten

So oder so – die Armee ist nach Meinung aller Podiumsteilnehmer angewiesen auf eine leistungsfähige einheimische Rüstungsindustrie. Zwar kann die heimische Industrie nicht alle Waffensysteme selber herstellen. Aber sie garantiere, dass alle beschafften Systeme im Inland gewartet werden können, sagte Mowag-Vertreter Engeli.

Der heimische Markt ist für die Rüstungsindustrie nicht gross genug. Darum ist sie auf Exporte angewiesen. «Für uns ist wichtig, dass wir gleich lange Spiesse haben wie die Konkurrenten», sagte Rheinmetall-Vertreter Ochsner mit Blick auf die Ausfuhrbewilligungen des Bundesrats. Die Begleitung der Waffenexportgesuche durch das Staatssekretariat für Wirtschaft sei gut, sobald sie in den Bundesrat kämen, werde es aber kritisch. Zuvor hatten Hess und Herzog in anderem Zusammenhang eine Mitte-Rechts-Mehrheit im Bundesrat gefordert – konkret: je zwei Sitze für SVP und FDP.

Sowohl Mowag wie auch Rheinmetall Air Defence sind in ausländischem Besitz. Das sei ihnen schon zum Vorwurf gemacht worden, sagte Moderator Forster. «Uns gäbe es nicht mehr ohne Rheinmetall», sagte darauf Fabian Ochsner. Die deutschen Besitzer seien kein Risiko. Rheinmetall Air Defence sei eine Aktiengesellschaft nach Schweizer Recht und beschäftige überwiegend Schweizer. «Mowag ist operativ und finanziell autonom», sagte auch Engeli.