Motocross möchte zügeln

Bei Niederwil will eine AG um den Frauenfelder Willy Läderach einen neuen Motocross-Rundkurs bauen. Das Projekt stösst auf Widerstand – nicht nur bei Umweltverbänden.

Stefan Hilzinger
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Willy Läderach Promotor der Motocross-Piste in Niederwil (Archivbild: Nana do Carmo)

Willy Läderach Promotor der Motocross-Piste in Niederwil (Archivbild: Nana do Carmo)

NIEDERWIL. Walter Kalberer ist der Roger Federer des Motocross. Während zwanzig Jahren – von 1967 bis 1987 – beherrschte der gebürtige Bichelseer die Szene. Wenn es sein musste, fuhr er ein Rennen auch mit gebrochenem Bein zu Ende, ist in einschlägigen Internetforen zu lesen.

Viele Erfolge feierte Kalberer, der 2006 überraschend früh verstarb, regelmässig auch am Ostermontag-Motocross in Frauenfeld – auf seiner Heimpiste im Schollenholz. Zeitlebens war er Mitglied des Motor- und Radsportvereins (MRSV) Frauenfeld.

Frisch angesäte Äcker

Nun will der MRSV dem Schollenholz nach 50 Jahren den Rücken kehren und einen neuen Rundkurs bauen. Die Pläne werden Mitte September bekannt. Ins Auge gefasst haben die Promotoren ein acht Hektar grosses Feld unweit der Zuckerfabrik in Niederwil. «Wir sind am alten Standort an unsere Grenzen gestossen», sagt Willy Läderach, die graue Eminenz des Frauenfelder Motorradsports und Mitinitiant der neuen Anlage auf Gebiet der Gemeinde Gachnang.

Eine halbe Millionen Franken soll sie kosten. Die Landbesitzer hat Läderach schon im Boot. «Das Fahrerlager braucht ständig mehr Platz. Es auf frisch angesäten Äckern zu erstellen, ist nicht länger gut», sagt Läderach. Viel besser sei es da, das Gelände der Zuckerfabrik zu nutzen, das unter dem Jahr wenig belegt ist.

Mit ihrem Vorhaben wollen die Motocross-Begeisterten an die guten Zeiten in den 1970er-Jahren anknüpfen, als an Ostern bis zu 25 000 Zuschauer ins Schollenholz pilgerten und Skigrössen wie Bernhard Russi oder Heini Hemmi bei Promirennen über die Erdhügel sprangen.

WM-Läufe im August 2016

Schon im kommenden August sollen im neuen Motodrom erste Weltmeisterschaftsläufe stattfinden. Läderach hat mit Geschäftspartnern dafür eine Aktiengesellschaft gegründet, die MXGP Suisse AG. Verträge mit dem internationalen Veranstalter der Motocross-WM sind unterzeichnet. Ein vielköpfiges OK bereitet den Anlass vor. Künftig soll es zweimal jährlich Rennen geben, einmal an Ostern, einmal im August.

Nicht zonenkonform?

Die Behörden der Gemeinden Frauenfeld und Gachnang haben Sympathie signalisiert. Zurückhaltender zeigten sich die Anwohner an einem Informationsabend Anfang Oktober. Viele befürchten, dass weit mehr als nur zwei Anlässe jährlich stattfinden werden. Schliesslich soll die Anlage ja auch rentieren. Läderach versichert, es bleibe bei den erwähnten zwei.

Während der Auflage des Baugesuchs im Oktober gehen acht Einsprachen ein. Nebst Privaten haben die Umweltverbände Pro Natura und VCS Einsprache erhoben. Sie kritisieren unter anderem, die Anlage sei nicht zonenkonform. Derzeit liegt das Dossier bei den Behörden.

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