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MOTOCROSS-GRAND-PRIX: Motocross-Grand-Prix: Rennen ab 2019 erfordern eine Baubewilligung

Thurgauer Umweltverbände konnten mit dem Regierungsrat eine Einigung bezüglich der Motocross-WM-Rennen erzielen. Nach dem MXGP im August 2018 bedürfen auch provisorische Bauten ausserhalb der Bauzone einer Baubewilligung. Als Kompromiss verzichten die Umweltverbände auf eine Beschwerde gegen die Sonderbewilligung des Regierungsrates für die bevorstehenden Motocross-WM-Rennen.
Samuel Koch
Start zum Rennen der MX2-Kategorie auf der Anlage "Schweizer Zucker" in Niederwil im August 2017. (Bild: Andrea Stalder)

Start zum Rennen der MX2-Kategorie auf der Anlage "Schweizer Zucker" in Niederwil im August 2017. (Bild: Andrea Stalder)

Das Licht an der Ampel leuchtet grün auf, jedoch nur noch bis im August 2018. Dann wechselt die Farbe auf Rot. Denn die Umweltverbände VCS Sektion Thurgau, Pro Natura und WWF haben bei der Thurgauer Regierung erwirkt, dass WM-Rennen des Motocross-Grand-Prix (MXGP) of Switzerland im Thurgau nach der diesjährigen Austragung im kommenden August nur noch in Frage kommen, wenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen eingehalten werden. "Das bedeutet, dass der Regierungsrat bei unveränderter Ausgangslage keine Veranstaltungsbewilligung für ein weiteres Motocross-Rennen mehr sprechen wird", sagen die Vertreter der Umweltverbände, Peter Wildberger (VCS) und Toni Kappeler (Pro Natura), an einer Medienorientierung am Montagvormittag im Hotel Blumenstein in Frauenfeld.

Demnach bestätigte Regierungsrätin Cornelia Komposch, Vorsteherin des Departements für Justiz und Sicherheit (DJS), den Umweltverbänden schriftlich, dass für ähnliche Rennen ab dem Jahr 2019 ein gesetzeskonformes Bewilligungsverfahren durchgeführt werde. "Das war unsere Bedingung, dass wir keine Beschwerde gegen die Bewilligung für die Rennen vom 18. und 19. August 2018 eingereicht haben", sagt Toni Kappeler. Wildberger und er zeigten sich erleichtert, dass sie auf einen gerichtlichen Weg vors kantonale Verwaltungsgericht verzichten konnten.

Ende Februar erteilte das DJS den Veranstaltern des MXGP grünes Licht, obwohl sich die Umweltverbände mit Rückendeckung von Anwohnern des Parcours in Niederwil gegen den Anlass zur Wehr setzen.2016 und 2017 strömten jeweils bis zu 30'000 Zuschauer zu den Motocross-WM-Rennen.

Keine Verhinderer

Gegenstand des Zankapfels: Die Motocross-Anlage "Schweizer Zucker" in Niederwil östlich der Zuckerfabrik Frauenfeld befindet sich grösstenteils auf Landwirtschaftsland - also ausserhalb der Bauzone. 2016 lehnte die Gemeinde Gachnang ein Baugesuch des MXGP-Veranstalters ab. Denn für die über ein Dutzend Sprünge und die Zuschauer waren einerseits Erdbewegungen und andererseits Tribünenbauten vonnöten. "In dieser Grössenordnung braucht es eine Baubewilligung", sagt Peter Wildberger. Es gehe den Umweltverbänden weder ums Motocross noch darum, Volksfeste zu verhindern, "sondern wir wollen, dass die rechtlichen Grundlagen eingehalten werden", ergänzt Toni Kappeler.

So schreibe etwa das Raumplanungsgesetz des Bundes vor, dass in der Landwirtschaftszone nur Bauten und Anlagen möglich sind, die zur landwirtschaftlichen Bewirtschaftung oder für den produzierenden Gartenbau nötig sind. "Es kann doch keine Gleichbehandlung sein, wenn Bauern für den Bau von Hochbeeten gleichzeitig Baubewilligungen benötigen", sagt Kappeler. Diese Regeln hätten nicht die Umweltverbände erfunden, sondern sei ein Schweizer Gesetz, das eingehalten werden müsse.

Kappeler moniert auch die Antwort des Regierungsrates auf eine Einfache Anfrage mit dem Titel "Motocross staatlich gefördert!", die er im Herbst eingereicht hatte."In seiner Antwort widerspricht der Regierungsrat dem kantonalen Planungs- und Baugesetz (PBG)", sagt er. Gemäss Paragraph 98 des PBG bedürfen alle Bauten und Anlagen einer Bewilligung, die provisorisch erstellt würden oder eingreifende Terrainveränderungen zur Folge hätten. "Das ist beim MXGP sicher in beiden Fällen gegeben", sagt Kappeler. Ebenso schrieb das kantonale Amt für Raumentwicklung im Jahr 2016, dass die Bauvorhaben für den MXGP "in der Landwirtschaftszone nicht zonenkonform" seien. "Alle in der kantonalen Verwaltung wussten schon immer, dass eine blosse polizeiliche Bewilligung für einen motorsportlichen Anlass nicht genügt", rügt Kappeler die Kantonsregierung. Erst die Androhung einer Beschwerde habe Regierungsrätin Cornelia Komposch zu ihrem Schreiben von Anfang März bewogen, dass nach 2018 kein MXGP ohne Baubewilligungsverfahren mehr möglich sei.

Verweis auf Kulturlandschutz-Abstimmung

Als Motiv für ihre Gegenwehr geben die Umweltverbände auch die Schönheit des landwirtschaftlich geprägten Kantons an. "Im Februar 2017 haben die Thurgauer mit 80 Prozent Mehrheit zugestimmt, dass in unserer Kantonsverfassung der Kulturlandschutz zusätzlich verankert wird", sagt Peter Wildberger. Daher würde er es als seine Aufgabe ansehen, diesen Kulturlandschutz ernst zu nehmen. Dass die Regierung in seiner Antwort auf den Vorstoss von Toni Kappeler den Umweltverbänden unterstellte, mit der Opposition gegen die Durchführung andere Anlässe wie Tractorpullings oder andere Motocross-Rennen wie etwa in Amriswil zu verunmöglichen, sei unfair.

MXGP Sonntag 2017 (Bild: Andrea Stalder)
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MXGP Samstag (Bild: Andrea Stalder)
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Frauenfeld TG - MXGP Impressionen vom Samstag Mittag. Im Fahrerlager - Paddock. (Bild: Andrea Stalder)
MXGP Samstag (Bild: Andrea Stalder)
MXGP Samstag (Bild: Andrea Stalder)
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Frauenfeld TG - MXGP Impressionen vom Samstag Mittag. Im Fahrerlager - Paddock. (Bild: Andrea Stalder)
MXGP Samstag (Bild: Andrea Stalder)
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Motocross-GP in Frauenfeld

Wildberger stellt der Regierung die Frage, weshalb sie die Umweltverbände bei den Bewilligungen für die zwei bisherigen MXGP habe im Regen stehen lassen. "Der Regierungsrat setzt sich dem Verdacht aus, dass es ihm doch nicht ganz so ernst war, die gesetzeswidrigen Bewilligungen zu stoppen und dass er eine Türe offen lassen wollte", sagt Wildberger.

Die Umweltverbände würden sich kompromissbereit zeigen, dass im Thurgau weiterhin Volksfeste und sportliche Veranstaltungen möglich sind. "Die Eingriffe in die landwirtschaftliche Nutzfläche dürfen jedoch ein gewisses Mass nicht überschreiten", sagt Wildberger. Nächste Woche werden er und Toni Kappeler jedenfalls mit den Vertretern vom Departement für Justiz und Sicherheit (DJS) und vom Departement für Bau und Umwelt (DBU) sowie den beiden zuständigen Regierungsrätinnen Cornelia Komposch und Carmen Haag zusammensitzen. "Denkbar ist ein Leitfaden für Bauten ausserhalb der Bauzone, wie es ihn etwa im Kanton Zürich gibt", sagt Kappeler. Darin soll eine sogenannte Intensitätsschwelle Fragen beantworten, ob eine Veranstaltung in Zukunft möglich oder unmöglich ist.

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