Motionäre vermissen den Willen

FRAUENFELD. Mittels Motion wollen die Gemeinderäte Stefan Geiges (CVP), Michael Hodel (EVP) und Andreas Elliker (SVP) erreichen, dass der Stadtrat ein Einbahnsystem für die Innenstadt prüft. Man müsse jetzt endlich handeln, fordern die Motionäre.

Markus Zahnd
Drucken
Teilen
Die Gemeinderäte Andreas Elliker, Stefan Geiges und Michael Hodel wollen die Innenstadt mit einem Einbahnsystem entlasten. (Bild: Markus Zahnd)

Die Gemeinderäte Andreas Elliker, Stefan Geiges und Michael Hodel wollen die Innenstadt mit einem Einbahnsystem entlasten. (Bild: Markus Zahnd)

«Geplant ist genug, jetzt muss umgesetzt werden», sagt CVP-Gemeinderat Stefan Geiges. Seine Kritik trifft den Stadtrat. Denn Geiges hat bereits im Juni 2008 eine Motion eingereicht mit dem Ziel, dass ein Einbahnsystem zur Entlastung der Innenstadt geprüft wird. Doch damals schrieb der Stadtrat, das Anliegen komme «verfrüht». Man wolle zuerst den Verkehrsrichtplan fertigstellen und abwarten, ob allenfalls eine Entlastungsstrasse gebaut wird. Der Stadtrat sicherte Geiges aber zu, eine Einbahnlösung «detailliert und vertieft zu prüfen». Daraufhin erklärte der Gemeinderat die Motion als nicht erheblich.

Mittlerweile besteht der Verkehrsrichtplan, und eine Entlastungsstrasse ist nicht in Sicht, da sie vom Bund in der Priorität zurückgestuft wurde. Daher hat sich Geiges entschlossen, mit Michael Hodel (EVP) und Andreas Elliker (SVP) das Anliegen wieder vorzubringen. «Der Stadtrat hat nicht gehalten, was er versprochen hat. Denn mir ist nicht bekannt, dass ein flächendeckendes Einbahnsystem für die Innenstadt geprüft wurde», sagt Geiges. Die Gemeinderäte fordern vom Stadtrat, «mit dem Kanton ein rasch umsetzbares und wirksames Einbahn-Verkehrssystem zwischen dem Lindenspitz und dem Talbachplatz zu prüfen, dem Gemeinderat vorzulegen und dann umzusetzen». 13 Gemeinderäte haben die Motion mitunterzeichnet, vornehmlich von der Ratslinken.

Ein Kreisel am Lindenspitz?

Geiges, Hodel und Elliker schlagen ein flächendeckendes Einbahnsystem in der Innenstadt vor. Der Verkehr würde dabei von West nach Ost vom Talbachplatz über die Zürcherstrasse und Promenadenstrasse bis zum Lindenspitz geführt; von Ost nach West ab dem Lindenspitz über die Bahnhofstrasse bis zum Talbachplatz. Auch Querstrassen sollen zur Einbahn werden. Dabei soll darauf Rücksicht genommen werden, dass es kreuzungsfreie Einmündungen gibt. Der Vorschlag geht erheblich weiter als der vom Stadtrat beim Kanton beantragte Versuch einer Einbahn in der Vorstadt.

Auswirkungen hätte diese Variante auch auf den Lindenspitz. In einer Interpellation hatte Elliker gefordert, diesen wieder zu öffnen. Die Stadt hat das erneut geprüft und kam dann zum Schluss, dass der Lindenspitz stadteinwärts geschlossen bleiben soll. «Es gab aber Varianten, die den Verkehrsfluss verbessern würden», sagt Elliker. Daher wollen die Motionäre, dass der Lindenspitz geöffnet und auf der Kreuzung Zürcherstrasse/Oberkirchstrasse ein Kreisel gebaut wird. Der Verkehrsfluss ist eines der Hauptargumente, das die Motionäre nennen. «Einbahnsysteme verflüssigen den Verkehr. Zudem gewinnen Fussgänger und Velofahrer an Sicherheit», sagt Hodel.

In anderen Städten würden die Einbahnsysteme hervorragend funktionieren, sagen die drei Gemeinderäte. Als gutes Beispiel nennt Elliker Davos. Dort sei die Einbahnzone rund zwei Kilometer lang und deshalb mit dem Vorschlag zu vergleichen. «Ein Bekannter aus Davos sagte mir, dass vieles einfacher wurde, seit sie dort ein Einbahnsystem hätten», sagt Elliker, und fügt an: «Man muss halt auch wollen.» Diesen Willen vermissen die Motionäre im Stadtrat.

«Wir lassen nicht locker»

Ihnen sei aber bewusst, dass ein Einbahnsystem auch Nachteile hat, da für einige Verkehrsteilnehmer längere Wege anfallen würden. Mit den Betroffenen müsste man das Gespräch suchen, sagt Geiges. Und Hodel ergänzt: «Ein derartige Veränderung ist auch Gewöhnungssache.» Für Geiges, Hodel und Elliker steht deshalb fest: «Wir lassen erst locker, wenn eine Lösung realisiert wurde.» Geplant ist aus ihrer Sicht genug, nun brauche es Mut und Weitsicht.

Aktuelle Nachrichten