MOSTTRÖPFLI: Mach’s wie Hausi

Christian Kamm
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Was wäre der Hausi ohne den Turi? Die «Glückspost»-Leser wissen die Antwort bereits, nämlich nichts. Oder jedenfalls: viel weniger. Sicher kein Millionär und wohl kaum Olympia­sieger. Deshalb sollen jetzt auch die TZ-Leser die Geschichte erfahren, die den Hans «Hausi» Leutenegger und den Arthur «Turi» Eugster seit bald 60 Jahren schicksalhaft zusammenhält.

Denn als Hausi 1959 drauf und dran war, seine Lehrabschlussprüfung als Bauschlosser zu versauen, weil ihm im Eifer des Gefechts der als Meisterstück vorgesehene Schlüssel misslang, da schlug die Stunde von Freund und Mitprüfling Turi. Es war Rettung in letzter Sekunde. Denn immerhin spielte der verhinderte Meisterschlosser Hausi schon mit dem Gedanken, vor der Blamage eines verpatzten Lehrabschlusses aus dem heimischen Bichelsee in die Fremdenlegion zu flüchten. Nur noch weg. Doch dann schmiedete ihm Turi still und heimlich einen anderen Schlüssel.

Den Rest kann man erahnen. Hausi hat die Prüfung bestanden. Der Bschiss blieb ohne Folgen. Stattdessen folgten Olympiasieg, Schauspielerkarriere und Millionen. Die Freundschaft mit Turi hat übrigens die ganzen sechs Jahrzehnte gehalten. Sicher: Die Moral von der Geschichte ist einigermassen fragwürdig. Und sogar geneigt, den Glauben an das hochgelobte duale schweizerische Bildungssystem zu erschüttern. Dafür ist aber endlich klar, wie das geht mit dem Erfolg. Nämlich: Mach’s wie Hausi. Such dir einen Turi.

Christian Kamm

christian.kamm@thurgauerzeitung.ch