Mobil trotz schwerer Behinderung

Die Fahrzeuge des Vereins Behindertenbus Frauenfeld transportieren jährlich über 3000 behinderte Menschen und fahren dabei bis nach Norditalien oder Leukerbad. Heute feiert der Verein sein 30jähriges Bestehen.

Evi Biedermann
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Fahrer Ueli Ernst zeigt, wie die Laderampe des Behindertenbusses funktioniert. (Bild: Evi Biedermann)

Fahrer Ueli Ernst zeigt, wie die Laderampe des Behindertenbusses funktioniert. (Bild: Evi Biedermann)

FRAUENFELD. Ein paar Handgriffe, ein Knopfdruck, und schon hebt sich die Plattform mit dem fixierten Rollstuhl nach oben. Im Fahrzeug selber dann braucht's etwas mehr, bis alles festgemacht und gesichert ist und der Behinderte trotz Sicherheitsgurten bequem in seinem Rollstuhl sitzt. Ein letzter prüfender Blick von Fahrer Ueli Ernst, und los geht die Fahrt. Ins Hallenbad, zur Therapie, zu Verwandten oder ein Ausflug: Die Busse und Fahrer des Vereins Behindertenbus Frauenfeld (VBBF) bringen Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung nicht mit einem normalen Auto oder mit dem öffentlichen Verkehr reisen können, von A nach B. «Voraussetzung ist, dass diese Personen im westlichen Teil des Kantons Thurgau wohnen», erklärt Betriebsleiter Felix Wirth.

Exakt heute Freitag feiert der Verein sein 30-Jahr-Jubiläum. Ins Leben gerufen und während zwölf Jahren präsidiert hat ihn der vor ein paar Jahren verstorbene Jean-Jacques Bolli. Der jetzige Präsident ist Fredi Himmelberger aus Hüttwilen.

Ehrenamtliche Fahrer

Heute besitzt der VBBF drei Spezialbusse und beschäftigt rund 20 pensionierte, ehrenamtliche Fahrer. So ist es möglich, kostengünstig zu fahren. Da keine Subventionen fliessen, ist der Verein auf Spenden und Mitgliederbeiträge angewiesen. Einzig das Büro der Einsatzzentrale im Alterszentrum Park und die Garagen werden von der Stadt Frauenfeld zur Verfügung gestellt.

Der Service werde sehr geschätzt und gebraucht, sagt Felix Wirth. «Wir sind in der ganzen Schweiz unterwegs.» So sei es denn auch schon mal zu Fahrten nach Norditalien, Davos und Leukerbad gekommen. Normalerweise aber bewegen sich die Busse im Raum Frauenfeld, Untersee, Weinfelden und Sirnach. Bemerkenswert ist, dass die Kunden nur die Strecke bezahlen, die sie mitfahren, nicht aber allfällige Leerfahrten zurück nach Frauenfeld.

Zu Tränen gerührt

Heiri Stutz ist seit der ersten Stunde Fahrer und mit seinen 75 Jahren der älteste. Bald ist Schluss, denn die Altersgrenze liegt bei 75. «Ich habe viel Schönes erlebt», erzählt er. Momente, wo ihm Dankbarkeit entgegengebracht wurde, oder Szenen, die er als stiller Beobachter miterlebte. Er erinnert sich an den Bauer, der einen Hirnschlag überlebt hatte. Stutz durfte ihn nach längerer Rehabilitationszeit zurück auf seinen Hof führen. «Alle waren da und riefen: Der Chef ist da! Was mich zu Tränen gerührt hat.» Heiri Stutz ist Fahrer geworden, weil er früher stets einen Bogen um Behinderte machte. «Dieses Hemmnis wollte ich überwinden.»

Heinz Bosshard ist seit drei Monaten Fahrer und der Neuling im Team. Er fühle sich sehr gut aufgehoben, sagt er. «Das gibt mir viel Sicherheit.» Alle zwei Monate treffen sich die Männer, tauschen Erfahrungen aus und besprechen Organisatorisches. Dabei ist immer auch Ruth Frutiger, die Leiterin der Einsatzzentrale.