Mit Sagen die Welt erklären

Es geht um Ritter, Scharlatane, Ungeheuer und die Entstehung des Bichelsees. Für die Gäste der Bibliothek Böcklihaus war der sagenhafte Abend mit Barbara Studer ein Eintauchen.

Ruth Bossert
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Peter Baumann und Barbara Studer tragen die Sagen vor. (Bild: Ruth Bossert)

Peter Baumann und Barbara Studer tragen die Sagen vor. (Bild: Ruth Bossert)

ESCHLIKON. «Sie war ein altes, zufriedenes Mütterlein, lebte im stillen waldigen Tal im hinteren Thurgau und weder Hasen, Rehe noch der Kuckuck ergriffen die Flucht, wenn sie in ihrem Waldstück arbeitete.» So begann die Sage von der Entstehung des Bichelsees, die Barbara Studer als Auftakt für ihren Sagenabend wählte. Mit dieser Sage von Dino Larese, dem bekannten Thurgauer Autor, landete sie bei den rund 60 Anwesenden einen Volltreffer.

Die Besucher fühlten sich ab dem ersten Moment in die Geschichte mit einbezogen und lauschten gebannt der magischen Überlieferung, wie der Bichelsee entstanden sein soll. Denn, so erzählte die Autorin, die in Obwalden aufwuchs und seit einigen Jahren im Hinterthurgau lebt, will eine Sage immer auch eine Aussage machen, etwas erklären, weshalb etwas so ist wie es ist und wie Berge, Seen und Täler entstanden sein könnten.

Erzählungen, welche sich Menschen immer wieder erzählt haben, wurden erst spät aufgeschrieben und deshalb stecke auch immer ein ganz kleiner Kern Wahrheit darin.

Früher lebten die Menschen in und durch die Geschichten, die man sich erzählte und den Nachkommen überlieferte. Ausgeschmückt mit mystischen Begebenheiten, aussergewöhnlichen Ereignissen und unglaublichen Zufällen führten die Geschichten zum Miterleben von sagenhaften, rätselhaften und manchmal auch übernatürlichen Wesen und Mächten.

So wollten viele Sagen auch ungeheuerliche Phänomene erklären, und so kamen auch bei Barbara Studer, die als Texterin und Autorin arbeitet, viele Ungeheuer, Zwerge, Riesen und Heinzelmännchen vor, die viel Wundersames vollbrachten oder aber viel Elend und Furcht den Menschen zufügten. Neben den alten Sagen widmet sich die erfolgreiche Autorin auch den modernen Sagen und erzählte einige von ihren selber geschriebenen schrägen und oft rätselhaften Geschichten. Haben alte, meist ländliche Sagen noch einen gewissen Anspruch auf Wahrheit, sei das bei den modernen Sagen anders.

So schildert sie die Autofahrt von Anna mit dem Camper durch einen Tunnel. Plötzlich weiss die Protagonistin nicht mehr, ob sie sich nun in ihrer eigenen Geschichte befindet oder der fiktiven, an die sie sich eben erinnerte.

Auch beim Baumpaar, in das sich Anna ein bisschen verliebte, war vieles fiktiv, unrealistisch und komisch, doch als der Waldarbeiter mit einem Steckling vor ihr stand, war es real und der Mann von der guten Sorte. Die musikalische Umrahmung mit ebenso mystischen wie erdigen Melodien von Peter Baumann mit geraden und gebogenen Röhren und von Markus Aepli mit seinen gespannten Saiten war sehr passend und gab dem vergnüglichen Abend eine ganz besondere Note.