Mit Reitervignette und Güselpolizei in den Wald

DIESSENHOFEN. «Wie viel Freizeit verträgt unsere Natur?» Die CVP Bezirk Frauenfeld hatte am Donnerstagabend zu diesem Thema in den «Adler» nach Diessenhofen eingeladen.

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DIESSENHOFEN. «Wie viel Freizeit verträgt unsere Natur?» Die CVP Bezirk Frauenfeld hatte am Donnerstagabend zu diesem Thema in den «Adler» nach Diessenhofen eingeladen. Mehr als 25 Parteimitglieder lauschten der Diskussion über Güselpolizei oder welcher Kantonsrat sich für eine Waldvignette einsetzen würde, die etwa Reiter mit sich führen müssten – da wagte sich kaum einer weit auf die Äste hinaus.

Zuerst hatte Kreisforstingenieur Ulrich Ulmer ins Thema eingeführt. Seit 1912 ist laut Gesetz das Betreten des Waldes jedem gestattet, auch dürfen alle wildwachsende Beeren und Pilze im ortsüblichen Umfang mitnehmen. «Wir vom Kanton sorgen dafür, dass alle den Wald betreten können», sagte Ulmer. Die Thurgauer Besonderheit ist das Paintballverbot: Seit vier Jahren darf im Thurgauer Wald nicht mit Farbe geschossen werden. Ulmer zeigte den Konflikt auf, der sich abzeichnet: Während Waldbesitzer zunehmend wegen fallender Holzpreise und steigender Kosten rote Zahlen schreiben, drängen mehr Biker, Reiter oder Hundebesitzer in ihrer Freizeit in diesen Wald.

Wer die Wanderwege ruiniert

Stefan Birchler als Geschäftsführer der Thurgauer Wanderwege widmete sich unter anderem dem Problem, dass Biker oder Rösseler Wanderwege ruinieren. Den stärksten Freizeitdruck sieht er aber auf den Velowegen, wo sich E-Biker, Velofahrer auf ihren Alltagstouren und Radrennfahrer in die Quere kommen. Auf Wanderwegen erlebe er wenig Konflikte zwischen Bikern und Wanderern.

Diskussionsleiter und CVP-Mann Andreas Anderegg interessierte sich zuerst für den persönlichen Bezug der Podiumsteilnehmer zum Wald. CVP-Kantonsrat Urban Brütsch aus Diessenhofen erlebt als Präsident der Bürgergemeinde, wie an den Grillplätzen im Wald Brennholz geklaut wird und wie Menschen einfach ihren Güselsack in den Wald schmeissen. SP-Kantonsrat Peter Dransfeld war acht Jahre als Gemeinderat auch für den Wald in Ermatingen zuständig und erlebt als Bergwanderer, wie sich der Wald im Tessin ausbreitet. Rechtsanwältin Anja Scholz von der CVP Gachnang schickt ihren Sohn in die Waldspielgruppe, und die Diessenhofer FDP-Präsidentin Linda Seiler betont, wie wichtig Wanderwege für den Tourismus sind.

Pfand statt Subventionen

An der gesetzlichen Grundlage wollten die Podiumsteilnehmer nichts ändern. Um das Littering zu unterbinden, waren Urban Brütsch und Peter Dransfeld einer Art Güselpolizei nicht völlig abgeneigt. Linda Seiler dagegen hielt das nicht für den richtigen Weg, sie war auch strikt dagegen, Subventionen an Waldbesitzer zu zahlen. Die müssen allerdings dafür aufkommen, wenn etwa Biker oder Reiter Waldwege ruinieren. Brütsch konnte sich vorstellen, Nutzer wie Biker oder Reiter auf bestimmten Strecken zu kanalisieren. Umstritten blieb der Vorschlag, solche Nutzer durch eine Art Vignette für die von ihnen verursachten Schäden zahlen zu lassen. Einhelligen Anklang fand eine Idee aus dem Publikum: Otto Diener aus Eschenz schlug vor, Depot auf Aludosen oder PET-Flaschen zu erheben. Denn die finden sich zuhauf auf Wald- und Flurwegen. (end)