Mit kleinen Schritten ans Ziel

Im Heilpädagogischen Zentrum Frauenfeld hat jeder Schüler seinen eigenen Stundenplan. Zum 25-Jahr-Jubiläum des Schulhauses veranstaltet das Zentrum kommenden Samstag ein Sommerfest, um sich der Öffentlichkeit zu zeigen.

Thomas Geiser
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Eine Unterstufenklasse des Heilpädagogischen Zentrums Frauenfeld beim Unterricht mit Assistentin Nadja Spieler. (Bild: Donato Caspari)

Eine Unterstufenklasse des Heilpädagogischen Zentrums Frauenfeld beim Unterricht mit Assistentin Nadja Spieler. (Bild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. «Hallo Frau Drese, du musst schauen kommen, wie ich die Wurst schneiden kann.» Ein Kindergärtner ruft das der Schulleiterin zu und schneidet den bereits halbierten Cervelat mit einem Messer in kleine Stücke. Die Schulleiterin des Heilpädagogischen Zentrums (HPZ) Frauenfeld, Claudia Drese, ist bei ihren Schülerinnen und Schüler bestens bekannt. Sie führt das HPZ seit zwei Jahren, welches unmittelbar neben dem Schulhaus Oberwiesen liegt. Die Institution fördert Kinder und Jugendliche aus der Region, die eine geistige Behinderung oder autistische Störungen haben. Rund 80 Heilpädagogen und Unterrichtsassistenten betreuen die 104 Schüler des Zentrums.

Individuelle Förderung

Jedes Kind, das im HPZ zur Schule geht, verfügt über einen eigenen Stundenplan. Die Schüler lernen nebst Lesen, Schreiben und Rechnen auch viele Dinge aus dem täglichen Leben. Dazu gehören beispielsweise Kochen und Werken, aber auch vermeintlich unkomplizierte Dinge, wie den Fahrplan zu lesen oder sich selbst anzuziehen. Das Ziel dieser Förderung ist, dass die Kinder später ihren Alltag selbständig bewältigen können.

«Ein Mädchen der Unterstufe bringt mir jeden Morgen voller Stolz die Post. Sie brauchte lange, bis sie wirklich verstanden hat, dass sie den Schlüssel im Briefkastenschloss drehen muss. Aber jetzt kann sie es», sagt Schulleiterin Drese erfreut. Es sind keine schnellen Schritte, die ihre Schüler machen, doch wenn sie die Entwicklung über die gesamte Zeit anschaut, sei es unglaublich toll, zu sehen, was diese erreicht haben. Das denkt auch Franziska Amsler, die bereits seit fünfzehn Jahren im HPZ als Unterrichtsassistentin arbeitet. Die frühere Kindergärtnerin sagt: «Es ist immer wieder eine Herausforderung, auf die einzelnen Kinder einzugehen, doch die Arbeit mit ihnen bereitet mir solch grosse Freude. Sie geben einem unglaublich viel zurück. Ich würde meinen Beruf nicht tauschen wollen.»

Gut ausgebildetes Personal

Da jedes Kind völlig andere Bedingungen hat und sich unterschiedlich entwickelt, fordert ihre Betreuung ein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen und grosses Wissen im Umgang mit auftretenden Problemen und deren Lösung. Daher verfügt jede Klasse über einen Klassenlehrer, der bereits als Lehrer Berufserfahrung sammeln konnte und nachher ein Studium der Heilpädagogik mit dem Master abgeschlossen hat. Des weiteren sind Unterrichtsassistenzen im Einsatz, die hauptsächlich aus der Pflege kommen. Der Klassenlehrer bildet zusammen mit einigen Unterrichtsassistenzen ein Team zur Förderung der Schüler.

HPZ lädt zum Sommerfest

Anlässlich des 25. Geburtstags ihres Schulhauses veranstaltet das HPZ Frauenfeld am 2. Juli ein grosses Sommerfest. «Wir möchten die ganze Frauenfelder Bevölkerung herzlich einladen, zu unserem Fest zu kommen. Es liegt mir am Herzen, der Öffentlichkeit zu zeigen, was wir im HPZ machen und was für tolle Arbeit unsere Mitarbeitenden leisten», so Schulleiterin Claudia Drese. Nebst dem Auftritt des Schülerchors und eines Beatboxers hat die Schule einen echten Bagger organisiert, mit dem die Besucher des Sommerfests ein wenig baggern dürfen. Für die Verpflegung ist eine Festwirtschaft eingerichtet.

Das Sommerfest findet am Samstag, 2. Juli, von 11 bis 15 Uhr auf dem Schulgelände des HPZ an der Häberlinstrasse 46 in Frauenfeld statt.