Mit Hochdruck an der Gefahrenkarte

FRAUENFELD. Der Thurgau ist einer der Kantone, die mit der Gefahrenkarte am meisten in Verzug sind. Jetzt geht es vorwärts: Bis Ende Jahr soll die Hälfte des Kantonsgebiets erfasst sein. Welche Konsequenzen die Gefahrenkarte hat, ist noch unklar.

Christof Widmer
Drucken
Teilen

Frauenfeld. Aadorf und Bichelsee-Balterswil sind die bisher einzigen Thurgauer Gemeinden, die über eine vollständige Gefahrenkarte verfügen. In roter, blauer und gelber Farbe ist dort eingezeichnet, wo und wie stark Gebäude und Menschen durch Hochwasser oder Hangrutsche bedroht sind.

Eigentlich müsste der Kanton dieses Jahr die Gefahrenkarte aber für sein ganzes Gebiet erstellt haben. Diesen Termin hat der Bund gesetzt. Der Thurgau ist einer jener Kantone, die ihn nicht einhalten. Nur der Thurgau und Basel Stadt hatten Anfang Jahr durchs Band weniger als 5 Prozent ihrer Fläche bearbeitet. Bei einigen Gefahrenkategorien hapert es auch noch bei den Kantonen Aargau, Waadt und Genf.

Im Thurgau könnten die Arbeiten erst bis Anfang 2013 abgeschlossen werden, sagt Projektleiter Marco Baumann, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft/Wasserbau im Amt für Umwelt. Grund für die Verzögerung: Lange waren die personellen und finanziellen Ressourcen durch andere Projekte gebunden, etwa den Hochwasserschutz im Thurtal.

«Flächendeckend an der Arbeit»

Bis Ende Jahr wird die Thurgauer Gefahrenkarte immerhin zu 50 Prozent abgeschlossen sein, kündigt Baumann an: «Wir sind flächendeckend an der Arbeit.» Weit fortgeschritten ist die Erfassung der Gefahrenzonen im westlichen Kantonsgebiet.

Konsequenzen vom Bund muss der Thurgau wegen der Verzögerung nicht fürchten. Druck setzt das Bundesamt für Umwelt (Bafu) höchstens indirekt auf. Es veröffentlicht regelmässig, wie weit die einzelnen Kantone mit der Gefahrenkarte sind. «Das hat zur Folge, dass sich die Kantone gegenseitig etwas unter Druck setzten», sagt Roberto Loat von der Sektion Risikomanagement im Bafu.

Auch finanzielle Folgen hat die Verzögerung für den Thurgau keine. Der Bund übernimmt auch über den von ihm gesetzten Termin 2011 die Hälfte der Kosten – also über 3 Millionen Franken – für die Erstellung der Thurgauer Gefahrenkarte, bestätigt das Bafu.

Bauverbote möglich

Mit der Gefahrenkarte allein ist es aber noch lange nicht getan. Bereits läuft im Departement für Bau und Umwelt ein zweites Projekt, das sich mit den rechtlichen Konsequenzen der Karte befasst. Denkbar wäre zum Beispiel ein Bauverbot in bestimmten Gefahrenzonen.

Eine weitere Konsequenz der Gefahrenkarte werden Schutzmassnahmen sein. Das Amt für Umwelt treibt im Lützelmurgtal aufgrund der dort bereits vorliegenden Karte den Hochwasserschutz voran (TZ vom 2. Juli).

Aktuelle Nachrichten