Mit Gress aufs richtige Zugpferd gesetzt

Ausbildungsfachleute und Prominente motivierten am Thurgauer Lehrlingstag den Berufsnachwuchs. Fussballexperte Gilbert Gress kommt beim jungen Publikum mit persönlichen Anekdoten und Fussballwissen an. Nicht profitieren konnten die Lehrlinge von Lidl.

Silvan Meile
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Ein Unternehmer-Talk vor versammelten Lehrlingen: Gastrounternehmer Rolf Hiltl, Fussballexperte Gilbert Gress, Reto Dünnenberger von Rent a Rentner, Lidl-Lehrlingsverantwortlicher Marco Monego und Moderator Reto Scherrer. (Bild: Silvan Meile)

Ein Unternehmer-Talk vor versammelten Lehrlingen: Gastrounternehmer Rolf Hiltl, Fussballexperte Gilbert Gress, Reto Dünnenberger von Rent a Rentner, Lidl-Lehrlingsverantwortlicher Marco Monego und Moderator Reto Scherrer. (Bild: Silvan Meile)

WEINFELDEN. Für Gilbert Gress ist jede Frage ein Steilpass, um sie auf die Welt des Fussballs herunterzubrechen. Der Mann mit den quer über den Kopf gekämmten weissen Haaren und der altmodischen Brille referierte am Montag vor 600 Lehrlingen in Weinfelden. Und er kam an. Gress erntete Applaus, als er Weltfussballer Lionel Messi kritisiert, und für seine Anekdoten aus seiner Heimat Strassburg gab es Gelächter. Gress kam so in Fahrt, dass er den Moderator des Weinfelder Lehrlingstags, Reto Scherrer, mit SRF-Fussballkommentator Rainer Maria Salzgeber verwechselte. Scherrer nahm diesen Ausrutscher sportlich und bezeichnete Gress als «lebende Fussballlegende».

«Gilbert Gress ist ein Zugpferd», sagt Gregor Wegmüller erfreut. Der Geschäftsführer der Messen Weinfelden konnte den Fussballexperten als einen von fünf Referenten für den Thurgauer Lehrlingstag gewinnen.

Aufs richtige Zugpferd gesetzt

Der 72jährige Fussballexperte gab den Lernenden eins mit auf den Weg: «Für Erfolg braucht es Leidenschaft», sagt er. So habe er es von einem kleinen Mitarbeiter eines Transportunternehmens trotz diagnostizierten Herzfehlers – was sich später als falsch herausgestellt habe – zu einem Profifussballer gebracht. Auch der Einsatz als 19-Jähriger im Krieg in Algerien habe den Franzosen nicht an seinem Vorhaben abgehalten. «Passion» nennt Gress seinen Schlüssel zum Erfolg. Und für jene im Saal, die es noch nicht wussten, erklärte Gilbert Gress, dass seine Profikarriere in seiner Heimat, bei Racing Strasbourg, begann.

Messeleiter Gregor Wegmüller scheint mit dem unterhaltsamen und redseligen Fussballexperten Gilbert Gress aufs richtige Zugpferd gesetzt zu haben. «Für viele Auszubildende ist der Lehrlingstag eine Belohnung des Lehrmeisters», sagt Wegmüller. Diese übernehmen auch in den meisten Fällen den Eintrittspreis von über 50 Franken.

Lidl-Lehrlinge mussten arbeiten

Jan Böhni aus Dussnang zeigte sich beeindruckt von der grossen Lebenserfahrung und der Leidenschaft von Gress. «Dass die Referenten persönliche Erfahrungen preisgeben, ist bereichernd», sagt der Lehrling. Er lernt Säger in der Sägerei Brühwiler in Wiezikon. Böhni wurde von seiner Lehrlingsbetreuerin und Geschäftsführerin Maria Brühwiler an den Lehrlingstag begleitet. Sie besuche jährlich mit einem Lehrling den Thurgauer Lehrlingstag, erzählt Brühwiler. «So ein Tag gehört auch zu einer Ausbildung, das ist eine Bereicherung», sagt sie. Gemeinsam würden sie sich mit den Themen und Ratschlägen der Referenten auseinandersetzen und diese mit in den Arbeitsalltag nehmen. Nebst Fussballexperte Gress referierten am Lehrlingstag in Weinfelden gestern nachmittag auch Rapper Stress, Rolf Hiltl von der gleichnamigen vegetarischen Restaurantkette, Reto Dünnenberger von Rent a Rentner und Lidls Ausbildungsverantwortlicher Marco Monego. Sie appellierten vor den Lehrlingen an Motivation und Eigenverantwortung.

Nicht gehört haben dies die Lidl-Lehrlinge. Sie mussten gemäss Monego am Lehrlingstag arbeiten. «Jemand muss ja», so der Ausbildungsverantwortliche und Referent.