Mit Früchten vom eigenen Hof

Erst seit einem halben Jahr brennt Landwirtin Ursi Koch in ihrem Keller Hochprozentiges. Gleich bei ihrer ersten Teilnahme an einem Wettbewerb geht sie als Gruppensiegerin hervor. Die Produktion von Edelbränden sei eine komplexe und entspannende Tätigkeit.

Adrian Grzonka
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Hier wurde der ausgezeichnete «Vieille Prune Barrique» gebrannt: Landwirtin Ursi Koch im Keller ihres Hauses in Braunau. (Bild: Reto Martin)

Hier wurde der ausgezeichnete «Vieille Prune Barrique» gebrannt: Landwirtin Ursi Koch im Keller ihres Hauses in Braunau. (Bild: Reto Martin)

BRAUNAU. Vom Feld in die Brennerei – dieser Weg ist bei Ursi Kochs Schnäpsen besonders kurz: Ob Gravensteiner, Berner Rose, Gelbmöstler, Fellenberg-Zwetschgen, Kirschen, Mirabellen oder Kräuter – die Zutaten für die Edelbrände der Braunauer Landwirtin stammen alle vom eigenen Hof. Insgesamt 200 Hochstämmer und 25 Aren Niederstammkulturen werden dort von ihr und ihrem Mann Werner bewirtschaftet.

Eine riesige Überraschung

Die daraus gewonnenen Mengen an Schnaps sind klein. Dafür ist dieser hochwertig. Auch wenn Ursi Koch noch wenig Erfahrung mit Schnapsbrennen hat. Erst im Dezember 2015 nahm sie ihre neue Brennerei im Keller in Betrieb, diesen Monat schickte sie drei ihrer Schnäpse zur Ostschweizer Edelbrandprämierung nach Flawil – und holte mit ihrem «Vieille Prune Barrique» auf Anhieb den Gruppensieg. Auch ihr Gelbmöstler wurde mit 19 von 20 möglichen Punkten ausgezeichnet.

«Der Gewinn in der Kategorie <Vieille> war für mich eine riesige Überraschung», sagt Koch. Die Teilnahme sei als Standortbestimmung gedacht gewesen: «Die Jury gibt zusätzlich zur Punktzahl eine detaillierte Bewertung ab, die viel über das Produkt aussagt.» Gründe für ihren unmittelbaren Erfolg sieht die Braunauerin mehrere: «Ich verarbeite nur reife und saubere Früchte von meinem Hof.» Zudem achte sie darauf, dass keine unerwünschten Aromen in die Flaschen kommen. «Ich giesse konsequent viel Nach- und Vorlauf weg und verarbeite nur den besten Anteil.» Und etwas Glück gehöre auch dazu, sagt Koch mit einem Schmunzeln: «Bei der Auswahl des besten Produkts entscheiden Nuancen, da hätte die Wahl der zwölf Richter auch auf einen anderen Brand fallen können.»

Extraanfertigung im Keller

Gebrannt werden die edlen Spirituosen im Keller des Bauernhauses der Familie Koch. Die dort neu eingebaute Brennerei sieht aus wie eine überdimensionierte Bauern-Figur im Schach. «Da der Keller niedrig ist, war eine Extraanfertigung nötig.» Die zylinderförmige Rektifikationskolonne sei normalerweise über dem Ofen. «Hier hätte er darüber keinen Platz gehabt.»

Obwohl die Brennerei auf dem neusten technischen Stand sei und das Umrühren der Maische zum Beispiel automatisch erfolge, nehme das Brennen viel Zeit in Anspruch. «Im Sommer fehlt mir dafür die Zeit, da gibt der Hof zu viel zu tun.» Im Winter geniesse sie die Arbeit im Keller aber: «Das Brennen hat für mich meditativen Charakter.» Beim Feinbrand – dem zweiten Durchlauf nach dem Rohbrand – muss sie während des ganzen Prozesses anwesend sein. Da hat sie, während der Spiritus langsam verdampft ist, auch schon ein Buch gelesen.

Eine alte Anlage geerbt

Den Wunsch, Edelbrände selbst herzustellen, habe sie schon lange gehabt, sagt Koch. «Als der Hof meines Schwiegervaters verkauft wurde, haben wir die alte Brennerei geerbt.» Damit hätten sie alle zwei, drei Jahre für sich einen Schnaps gebrannt. Dies war sehr gefährlich, da bei der alten Brennerei der heisse Alkohol von Hand abgeschöpft werden musste. Mit einer neuen Brennerei-Anlage hat die Braunauerin deshalb schon gut zehn Jahre «geliebäugelt». 2015 haben sie und ihr Mann sich dann zum Kauf durchgerungen – als Werterhaltung des Betriebs. Denn sie besitzen wenig Land und haben einen grossen Teil ihres Nutzlandes gepachtet. «Der Einbau der Brennerei ist auch eine Wertsteigerung und würde den allfälligen Verkauf des Hofs – falls ihn unser Sohn nicht übernehmen würde – erleichtern.»

Trotz ihres Erfolgs mit dem Brennen von Schnäpsen denkt Koch nicht ans grosse Geschäft: «Das Brennen soll Hobby bleiben.»