Mit den Augen des Italieners

«Das ist mein Freund Giovanni.» Mein Cousin, der Steckborner Turmspatz, stellt mir seinen Begleiter vor, einen Passero Italiano mit Sonnenbrille. «Er kommt aus Sizilien und möchte wissen, wie man an der Grenze lebt.

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«Das ist mein Freund Giovanni.» Mein Cousin, der Steckborner Turmspatz, stellt mir seinen Begleiter vor, einen Passero Italiano mit Sonnenbrille. «Er kommt aus Sizilien und möchte wissen, wie man an der Grenze lebt.» «Ciao, ich bin der Diessenhofer Siegelturmtschilper, ich werde dir die Gegend zeigen.» Wir flattern zum Rodenberg und schauen übers Land.

«Da unten ist der Rhein, dort drüben ist Deutschland», erkläre ich. «Wir haben das Meer», sagt er, «ma il mare è triste, ein trauriges Meer.» Giovanni sieht farbige Flecken auf dem Wasser, neugierig gleiten wir zum Fluss. Oberhalb des «Schupfens» treiben Schlauchboote den Rhein hinunter. «Povera gente, arme Leute.» Er zeigt auf zwei Süsswasserpiraten, die sich an Schwimmhilfen festhalten.

Langsam nähert sich das Patrouillenboot der Seepolizei. «Endlich kommt Hilfe.» Mein Begleiter atmet auf. Die Polizei hält neben zwei zusammengebundenen Schlauchbooten, sicher werden die unvorsichtigen Freizeitkapitäne vor den Wiffen gewarnt. «Non capisco niente. Ich verstehe das nicht», kopfschüttelnd schaut Giovanni dem Patrouillenboot nach, das flussaufwärts davonfährt. «Bei uns werden die Leute von der Küstenwache gerettet, hier lässt man sie einfach im Stich.» Es scheint, als ob mein Begleiter unser Verhältnis zum Wassersport nicht versteht. Um diesen Irrtum aufzuklären, zeige ich Giovanni die Diessenhofer Badi. Wenig später beobachten wir, wie Leute ihre Schlauchboote an Land bringen.

«Das ist ein sehr schönes Flüchtlingslager», sagt er. «Die Leute bekommen zu essen, vielleicht solltet ihr noch etwas grosszügiger mit den Kleidern sein. Sonst aber geht ihr vorbildlich mit den Bootsflüchtlingen um.»