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Mit dem Rollstuhl zum VIP-Gast

Spezielle WCs und eine eigene Tribüne: Das steht Rollstuhlfahrern am Open Air Frauenfeld schon länger zur Verfügung. Nun sammeln die Festivalmacher und die Stiftung Cerebral Geld, damit es nächstes Jahr auch barrierefreie Duschen gibt.
Mathias Frei
Blick in ein rollstuhlgängiges Chemie-WC der Stiftung Cerebral, wie es auch am Open Air Frauenfeld steht. (Bild: pd)

Blick in ein rollstuhlgängiges Chemie-WC der Stiftung Cerebral, wie es auch am Open Air Frauenfeld steht. (Bild: pd)

FRAUENFELD. Per Du sein mit 50Cent, Macklemore oder anderen Hip-Hop-Grössen am Open Air Frauenfeld: Das könnte Rollstuhlfahrern auf der Grossen Allmend passieren. Denn sie dürfen den Backstage-Eingang benützen, wie Open-Air-Geschäftsleiter René Götz erklärt. Das ist aber eigentlich nur die Zugabe. Denn für Menschen im Rollstuhl sind andere Dinge an einem Musikfestival viel wichtiger. Und die Frauenfelder Veranstalter tun sich in diesem Bereich schon seit mehreren Jahren hervor. «Was die Barrierefreiheit an Open-Air-Veranstaltungen betrifft, ist Frauenfeld ein Vorzeigefestival», sagt Michael Harr. Er ist Geschäftsleiter der Stiftung Cerebral (siehe Kasten).

Schlamm ist ganz schwierig

Oft stellten die sanitären Anlagen die grössten Herausforderungen dar für Rollstuhlfahrer, sagt Harr. Ein WC zum Beispiel muss schwellenlos befahrbar sein. Dazu braucht es gewisse Platzverhältnisse und Halterungen, dass sich ein Rollstuhlfahrer auch selbständig auf die Toilette heben kann. Was eigentlich fast immer fehle, sei ein Wickeltisch, sagt Harr. Denn grad bei cerebral Bewegungsbehinderten komme Inkontinenz oft vor. Eine weitere Problematik stellten die Sichtverhältnisse dar. Und nicht zuletzt gilt ein Augenmerk den Bodenverhältnissen. «Auf schlammigem Untergrund wird's im Rollstuhl schwierig.»

Am Open Air Frauenfeld geht's auf der befestigten Strasse, auf der die Stars einfahren, also aufs Gelände – direkt an der 20plätzigen Rollstuhltribüne vorbei. Diese befindet sich links vor der Hauptbühne, erhöht und deshalb mit optimaler Sicht. Grad hinter der Tribüne ist das Rollstuhl-WC. Beide Anlagen werden von einem Security betreut. Denn Zutritt haben nur Rollstuhlfahrer mit ihrer Begleitperson. Die Rollstuhl-WCs werden wie alle Chemie-WCs von der Firma Toi Toi betrieben. Die Stiftung Cerebral hat 30 solche Anlagen finanziert und stellt sie nun schweizweit Veranstaltern zur Verfügung.

Ticketkäufer können spenden

Die Frauenfelder Open-Air-Veranstalterfirma First Event AG macht also schon einiges für Rollstuhlfahrer. Nun soll dieses Engagement weiter ausgebaut werden, sagt Open-Air-Geschäftsleiter Götz. Denn etwas Wichtiges, das in Frauenfeld noch fehlt, ist eine mobile, rollstuhlgängige Dusche. Die Stiftung Cerebral lässt derzeit die schweizweit ersten vier mobilen Duschwagen bauen. Ab Herbst sollen diese isolierten, absenkbaren Container auf Rädern, die eine extrabreite Tür haben, verfügbar sein. Im Innern hat es eine Dusche, einen Wickeltisch mit Lavabo, ein WC und vor allem genügend Platz. Es gibt auch Licht und eine Steckdose. Ein Duschwagen kostet 35 000 Franken. Mit zwei Aktionen wollen die Open-Air-Frauenfeld-Veranstalter der Stiftung eine der vier Duschen finanzieren.

Zum einen können Besucher beim Online-Ticketing des Open Airs über die Funktion «Donate & Ticket» zwei Franken pro Billett spenden. Die Möglichkeit bestehe erst seit kurzem. Aber schon bei über tausend verkauften Tickets sei der Donate-Button gedrückt worden, sagt Götz. Zum anderen verkaufen Open Air und Stiftung eine eigens dafür designte Sigg-Bottle in einer limitierten Auflage. Der Erlös fliesst in das Duschenprojekt. «Wenn am Ende noch Geld fehlt für den ersten Duschwagen, beteiligen wir uns natürlich auch noch an diesem sinnvollen Projekt», sagt Open-Air-Geschäftsleiter Götz. «Und nächstes Jahr haben wir dann auch erstmals eine barrierefreie Dusche.»

Götz denkt aber schon weiter. Ein nächster Schritt für ihn ist ein kleiner, komplett rollstuhlgängiger Zeltplatz-Bereich auf dem Gelände. So könnten Rollstuhlfahrer auch über Nacht Open-Air-Stimmung auf der Pferderennbahn schnuppern.

Michael Harr Geschäftsleiter Stiftung Cerebral (Bild: pd)

Michael Harr Geschäftsleiter Stiftung Cerebral (Bild: pd)

René Götz Geschäftsleiter Open Air Frauenfeld (Bild: pd)

René Götz Geschäftsleiter Open Air Frauenfeld (Bild: pd)

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