Mit Datenanalyse Baufirmen überführt

Jahrelang haben acht Baufirmen ihre Preise abgesprochen: Dies hat die Wettbewerbskommission mit einer statistischen Analyse von Offerten aufgedeckt. Die Firmen werden gebüsst – manche von ihnen prüfen nun rechtliche Schritte.

Patrizia Kuriger, Conradin Knabenhans
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Auch involviert: Die St. Galler Baufirma Walo Bertschinger. (Bild: Benjamin Manser)

Auch involviert: Die St. Galler Baufirma Walo Bertschinger. (Bild: Benjamin Manser)

Sie graben, planieren oder betonieren. Ihre Geschäftspraktiken waren diskreter: Acht Baufirmen aus den Kantonen St. Gallen, Zürich und Schwyz haben bei Bauprojekten im St. Galler Wahlkreis See-Gaster und in den Schwyzer Bezirken March und Höfe unzulässige Preisabsprachen getroffen. Zu diesem Schluss kommt die Wettbewerbskommission (Weko) des Bundes. Über einen Zeitraum von sieben Jahren haben die acht Unternehmen bei mehreren hundert Ausschreibungen die Preise abgesprochen. Laut Weko-Direktor Rafael Corazza geht es um ein Auftragsvolumen von 200 Millionen Franken von öffentlichen und 10 Millionen Franken von privaten Bauherren. Die Busse von 5 Millionen Franken stützt sich auf die Schwere des Verstosses sowie die sehr hohe Zeitdauer von sieben Jahren, über welche die Absprachen getroffen wurden.

Der Fall ist bedeutsam, weil es die erste Untersuchung war, die die Weko im April 2013 aufgrund eines Screenings von Offertprotokollen einleitete. Dazu forderte die Weko die entsprechenden Daten vom Tiefbauamt des Kantons St. Gallen sowie verschiedener Gemeinden an. «Die statistische Analyse der Vergabedaten zeigte eine Situation, die verdächtig schien und auf unerlaubte Wettbewerbsabsprachen hindeutete», sagt Corazza.

Analysiert wurden unter anderem die Streuung der Offertpreise sowie der Abstand vom tiefsten zum zweittiefsten und den übrigen eingereichten Angeboten. Ist die Verteilung chaotisch, scheint der Wettbewerb zu spielen. Liegen die nicht berücksichtigten Angebote hingegen deutlich über dem besten Offertpreis und alle nahe beieinander, ist dies laut Corazza ein Hinweis darauf, dass Kartellabsprachen vorliegen. Gestützt auf die statistischen Hinweise, leitete die Weko eine Untersuchung der involvierten Unternehmen im Wahlkreis See-Gaster ein. Zeugeneinvernahmen und Hausdurchsuchungen lieferten sodann Hinweise, dass die Absprachen über das Linthgebiet hinausgingen und auch Unternehmen aus March und Höfe beteiligt waren.

«Marktabklärung» in Sitzungen

Die Baufirmen trafen sich bis Mitte 2009 regelmässig zu sogenannten «Marktabklärungssitzungen». Sie besprachen Strassen- und Tiefbauprojekte öffentlicher und privater Bauherren. Die Unternehmen bestimmten, wer für welche Ausschreibung den Zuschlag erhalten sollte. Die übrigen Firmen offerierten in der Folge zu höheren Preisen.

Die Submissionsabsprachen hörten Mitte 2009 auf. Das zeige sich in den statistischen Analysen, sagt Corazza. Unter Druck kam das Kartell wohl durch die Untersuchungen, die die Weko im Juni 2009 parallel gegen Baufirmen in den Kantonen Aargau und Zürich eröffnete. Als Folge davon büsste die Weko Ende 2011 insgesamt 17 im Aargau tätige Firmen, darunter den Bauriesen Implenia mit Sitz im zürcherischen Dietlikon mit 591 000 Franken. Die Ermittlungen im Kanton Zürich führten zu Bussen gegen 12 Zürcher Firmen von insgesamt einer halben Million Franken. Grösster Sünder war die Firma Walo Bertschinger mit Hauptsitz in Zürich und Niederlassung in St. Gallen, gebüsst wurde auch die Meilemer Firma Hagedorn AG. Implenia, Walo Bertschinger und Hagedorn waren auch in die Untersuchungen in See-Gaster involviert.

Von der jetzigen Busse der Weko befreit wird nach eigenen Angaben die Implenia. Weil sich die Firma selbst angezeigt hat, muss sie keine Strafe zahlen. «Wir haben von Beginn weg mit den Behörden zusammengearbeitet», sagt Mediensprecher Reto Aregger. Die Implenia habe Massnahmen ergriffen, um Regelverstösse zu verhindern.

Auch die Walo Bertschinger AG toleriere illegale Preisabsprachen nicht, wie es auf Nachfrage heisst. Das Unternehmen äussert sich schriftlich: «Die Walo Bertschinger AG hat seit 2004 eine gültige verpflichtende Weisung, die von allen Profitzenterleitern unterzeichnet wird.» Zu den Vorwürfen will man sich nicht äussern. «Wir werden nun zuerst die Dokumente sichten und erst dann entscheiden, ob eine Beschwerde angemessen ist.»

Sicher eine Busse bezahlen muss die Kaltbrunner Firma De Zanet. Wie hoch diese ausfällt, will der Firmenchef nicht verraten. «Für uns ist das Verfahren beendet. Wir haben uns einvernehmlich mit der Weko geeinigt», sagt Franco De Zanet. Für ihn sei stets klar gewesen, dass man diesen Weg mit der Weko verfolgen wolle. Aber: «Die einvernehmliche Lösung ist kein Schuldeingeständnis.»

«Nicht einverstanden mit der Beurteilung»

Andere Firmen reagieren auf den Weko-Entscheid kritischer. Dazu gehört die Hagedorn AG. Geschäftsführer Roman Kohler gibt sich wortkarg: «Wir sind nicht einverstanden mit der Beurteilung der Weko.»

Die Firmen haben die Möglichkeit, den Entscheid an das Bundesverwaltungsgericht weiterzuziehen. Aufgrund des laufenden Verfahrens will sich Kohler nicht weiter äussern. Er ergänzt jedoch, die Untersuchungen hätten keinen Einfluss auf die jetzige Arbeit.

Die Bernet Bau AG aus Gommiswald, die Toller Unternehmungen in Eschenbach und die Oberholzer AG in Neuhaus waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.