Mit christlichen Werten in der Mitte

FRAUENFELD. Die Evangelische Volkspartei will im Frauenfelder Gemeinderat auch in der kommenden Legislatur das Zünglein an der Waage spielen. Deshalb geht die älteste Volkspartei der Schweiz mit ihren drei Bisherigen in die Wahlen vom 26. April.

Mathias Frei
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Stellen sich für den Gemeinderat zur Wahl: 16 der 25 Kandidierenden auf der EVP-Liste, in der Mitte die Bisherigen Michael Hodel, Christian Wälchli und Michael Hefti. (Bild: pd)

Stellen sich für den Gemeinderat zur Wahl: 16 der 25 Kandidierenden auf der EVP-Liste, in der Mitte die Bisherigen Michael Hodel, Christian Wälchli und Michael Hefti. (Bild: pd)

Bescheidenheit ist eine Zier, heisst es – und eine Tugend, die Politikern bisweilen abhanden kommt. Vor allem vor Wahlen wollen alle gewinnen, auch an den Frauenfelder Gemeinderatswahlen von kommendem Wochenende. Und dann sagt Stefan Eggimann, Ortsparteipräsident der Evangelischen Volkspartei (EVP): «Wünschenswert wäre ein vierter Sitz. Unser realistisches Ziel ist es aber, die drei Sitze zu halten.»

Gerne mehr Frauen

Drei Sitze, die auch in Zukunft von den drei Bisherigen Michael Hefti, Christian Wälchli und Michael Hodel besetzt sein sollen. Daneben stehen weitere vierzehn Männer und acht Frauen auf der Liste, die Eggimann in ihrer Zusammensetzung «grosse Freude bereitet. Aber wir hätten gerne noch mehr Frauen präsentiert auf der Liste.»

Die älteste Volkspartei der Schweiz ist – wer hätte das gewusst? – die Evangelische Volkspartei, gegründet 1919. Die Ortspartei entstand 1955, bei den Gemeinderatswahlen 1958 holte die EVP auf Anhieb sechs Sitze. Zwischen 1965 und 1999 stellte die EVP auch stets einen Stadtrat. Mittlerweile sind es noch drei Stadtparlaments-Mandate. Die EVP hat in den vergangenen Jahren nach Wolfgang Ackerknecht und Roland Wyss eine Blutauffrischung erfahren. Der amtsälteste EVP-Gemeinderat Michael Hefti (seit 2010) aus der Politikerfamilie Hefti, Christian Wälchli, Präsident des Quartiervereins Vorstadt, und Verkehrspolitiker Michael Hodel stehen ihren Vorgängern in Sachen Besonnenheit aber in nichts nach.

Für tragbare Lösungen

«Als Mitte-Partei haben wir oft die Vermittlerposition inne», sagt Eggimann. Die EVP setze sich im Gemeinderat für eine konstruktive Zusammenarbeit ein. Das sei medial vielleicht nicht immer attraktiv. «Aber wir stehen für tragbare Lösungen – im Gegensatz zu Extrempositionen anderer.» Und immer wieder könne die EVP das Zünglein an der Waage spielen. Eggimann verweist auf erfolgreiche Anträge an vergangenen Budgetsitzungen.

Einen Konfessionszwang gibt es bei der EVP nicht. «Auch ein Katholik, der unsere Werte vertritt, ist bei der EVP willkommen», sagt Eggimann. Und diese Werte seien klar christlich geprägt, die Politik dazu eine machbare. Die EVP Frauenfeld stehe im übrigen ziemlich genau in der Mitte zwischen links und rechts, progressiv und konservativ. Angesprochen auf Unterschiede zur Fraktionspartnerin CVP, sagt Eggimann, dass auf lokaler Ebene die politischen Feinjustierungen eher personenabhängig seien als der Parteizugehörigkeit zuzurechnen. Deshalb funktioniere auch die Fraktionsgemeinschaft.

Infrastruktur ist zu erhalten

Die Finanzen sind bei der EVP ein Thema. Eine Steuerfusserhöhung habe für die EVP keine Priorität, sagt Eggimann. Aber wenn beim Sparen eine Schmerzgrenze überschritten sei, müsse man sich Gedanken machen. Auf jeden Fall müsse die bestehende Infrastruktur erhalten werden.

Beim Verkehr setzt die EVP auf den Einbahn-Ring, der von der eigenen Fraktion mitinitiiert wurde. Dies als Entlastung für die ganze Innenstadt. Auch für die Begegnungszone hege man Sympathie, ob sich das Samstags-Fahrverbot bewähre, müsse sich im Versuchsbetrieb zeigen, sagt Eggimann. Belebung brauche Menschen, die auch manchmal mit dem Auto kämen. Was Wachstum betrifft, sagt Eggimann: «Ja, aber nicht um jeden Preis. Qualität steht vor Quantität.» Und zu einem gesundem Wachstum gehört für die EVP ein gesundes lokales Gewerbe.

Bild: MATHIAS FREI

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