Mit 25 000 Franken nach Berlin

Die Malerin Karin Schwarzbek ist mit dem hoch dotierten Berliner Kulturstipendium der Thurgauer Wirtschaft ausgezeichnet worden.

Dorothee Kaufmann
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Tägerwilen. Bis zur offiziellen Verkündung des Preisträgers herrschte Spannung. Vor über 100 Gästen aus Kultur, Wirtschaft und Politik wurde das Berlinstipendium der Thurgauer Wirtschaft zum 4. Mal verliehen. Der Geschäftsführer des Stipendiums, Alex Bänninger, eröffnete mit seinem ehrgeizigen Plädoyer für mehr Normalität in gewohnt pointierter Art: Kultur ziele nicht auf das Machbare, sondern auf das Denkbare, das allenfalls Mögliche.

Sie dränge zu den Extremen, verlange nach dem Absoluten, verschmähe den Kompromiss, beanspruche für sich Freiheit und stelle das Überkommene in Frage.

Mit scharfer Zunge kommentierte er den Dünkel des Zürchers und weitete den Blick, den Thurgau einmal als Teil des Grossraums Zürich zu denken. Er appellierte an die Medien, entsprechend ihren Blick zu weiten, und an die Politik, die Ausgaben für Kultur zu verdoppeln, um den Schweizerischen Pro-Kopf-Durchschnitt der

Kulturförderung auch im Thurgau zu erreichen, womit sich Mittelmass in diesem Fall als Segen und Fortschritt erweisen würde.

Völlig überrascht

Als die Generalsekretärin Vincenzo Trivigno in Vertretung von Nationalrat Peter Spuhler, dem Initiator des Stipendiums, die Preisträgerin Karin Schwarzbek bekanntgab, war diese Künstlerin völlig überrascht. In der zweiten Reihe sitzend, rechnete sie überhaupt nicht damit, ausgezeichnet zu werden.

Umso grösser war dann die Freude, als sie verstand, wie ihr geschah: Das Berliner Kulturstipendium umfasst 25 000 Franken, eine mietfreie Wohnung in Berlin, eine Ausstellung in der Berliner Galerie Jordan-Seydoux sowie eine Ausstellung im Kunstmuseum Thurgau. Darüber hinaus wird es eine eigene Publikation geben. All dies sind wichtige Meilensteine auf dem Weg einer Künstlerbiographie, und so wird Karin Schwarzbek dazu verholfen werden, aus der zweiten Reihe hervorzutreten.

Karin Schwarzbek, geboren 1969 und aufgewachsen in Egnach, liess sich in Kreuzlingen zur Primarlehrerin ausbilden, studierte an der HGK Zürich und wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit einem Atelierstipendium nach Wien und Paris. Seit ihrem Parisaufenthalt 2006 hielt die menschliche Figur wieder Einzug in ihre Malerei, wenn auch in sehr reduzierter und uneindeutiger Weise.