Mit 166 km/h durch Münchwilen

MÜNCHWILEN. Der Münchwiler Gemeinderat liess an verschiedenen Orten im Dorf Geschwindigkeitsmessungen durchführen. Dabei zeichnete das Gerät zahlreiche Exzesse auf. Sorgen bereitet der Behörde aber auch der Durchschnitt.

Simon Dudle
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Auf der Hofenstrasse gilt Tempo 50. Die Gemeinde Münchwilen mass hier mehrere Autos mit über 100 km/h, der Schnellste fuhr gar 166. (Bild: Olaf Kühne)

Auf der Hofenstrasse gilt Tempo 50. Die Gemeinde Münchwilen mass hier mehrere Autos mit über 100 km/h, der Schnellste fuhr gar 166. (Bild: Olaf Kühne)

«Man muss gar nicht nach Entschuldigungen suchen. Es gibt sie nicht», sagt Münchwilens Gemeindepräsident Guido Grütter. Mit 166 Stundenkilometern ist ein Autolenker über die Hofenstrasse geblocht – 116 schneller als erlaubt. Auch mehrere Messungen mit Werten von über 100 Stundenkilometern sind dokumentiert. Registriert wurde dies nicht von einem Radargerät der Kantonspolizei, sondern vom Messgerät «Speedy». Dieses wurde vom Gemeinderat aufgestellt, macht aber keine Fotos und dient – eigentlich – der Prävention.

Über die Hälfte zu schnell

«Es besteht keine Möglichkeit, die Person ausfindig zu machen», sagt Daniel Meili, Sprecher der Kantonspolizei Thurgau. Er ergänzt: «Es handelt sich um ein Raserdelikt. Dieses würde an die Staatsanwaltschaft und das Strassenverkehrsamt rapportiert, welche die Strafen und Massnahmen festlegten.»

Guido Grütter

Guido Grütter

Doch nicht nur auf der Hofenstrasse wird in Münchwilen markant zu schnell gefahren. Auch bei Messungen in den neuen Tempo-30-Zonen an der Mezikoner- und der Weinfelderstrasse wird die erlaubte Geschwindigkeit wiederholt deutlich überschritten. Mehrere Messungen zwischen 70 und 80 Stundenkilometern wurden registriert.

«Mehr als jeder zweite ist zu schnell unterwegs», sagt Gemeindepräsident Grütter. Diese Feststellung ist ernüchternd, weil in den vergangenen drei Jahren 120 000 Franken in die Entschleunigung des Dorfes investiert worden sind – auch in jenen beiden Regionen. Dies geht auf einen Beschluss der Stimmbürger zurück, die sich 2013 an der Gemeindeversammlung dafür ausgesprochen hatten, neun Gebiete in Münchwilen und St. Margarethen zu Tempo-30-Zonen zu machen. Dies ist mittlerweile umgesetzt.

Gegen Hindernisse in der Strasse

Der Gemeinderat hat nun bei der Kantonspolizei beantragt, dass auf der Hofenstrasse Kontrollen durchgeführt werden. Für weitere Massnahmen sei es aber noch zu früh. Zuerst sollen im laufenden Jahr weitere Messungen an anderen Standorten durchgeführt werden. Fördern diese ähnlich ernüchternde Erkenntnisse zutage, dann wäre von Gesetzes wegen zu reagieren, und Hindernisse in der Strasse müssten einen langsameren Fahrstil erzwingen. Doch genau dagegen wehrt sich Grütter. «Das hätte nur den Stop-And-Go-Effekt zur Folge, und man würde einfach dort schneller fahren, wo es gerade geht», sagt Grütter. «Tempoüberschreitungen sind ein Trend. Leider gibt es keinen Grund zur Annahme, dass die Messwerte 2016 deutlich tiefer sein werden als die von 2015.»

Unangenehme Erkenntnis

Darum ist zu befürchten, dass ab 2017 weitere verkehrsberuhigende Massnahmen budgetiert werden müssen. Dies ist auch darum unangenehm, weil in Münchwilen wegen der angespannten finanziellen Situation ein Investitionsstop beschlossen worden ist. Zudem müsste man im Bezirkshauptort zum Schluss kommen, 120 000 Franken in den Sand gesetzt zu haben.

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