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MISSHANDLUNG: Tierquälerei wird zum Politikum

Jetzt kommt der Fall des Tierquälers Ulrich K. aus Hefenhofen auf die politische Agenda – am Montag nimmt eine Task-Force die Arbeit auf. Hans-Ulrich Huber vom Schweizer Tierschutz versteht den «Thurgauer Eiertanz» nicht.
Larissa Flammer, Christof Krapf
Abgemagertes Pferd im Stall von Pferdezüchter Ulrich K. (Bild: PD)

Abgemagertes Pferd im Stall von Pferdezüchter Ulrich K. (Bild: PD)

Larissa Flammer, Christof Krapf

thurgau@thurgauerzeitung.ch

Die publik gewordenen Bilder der vernachlässigten und zum Teil zu Tode gekommenen Pferde auf dem Hof von Ulrich K. in Hefenhofen (Ausgabe vom Freitag) sind authentisch und aktuell. Dies bestätigte der stellvertretende Thurgauer Generalstaatsanwalt am Freitag. Daraufhin entschied der Thurgauer Regierungsrat Walter Schönholzer, «unverzüglich eine Task-Force einzuberufen». Das Gremium tritt gemäss Mitteilung der Staatskanzlei des Kantons am Montag erstmals zusammen und erarbeitet die rechtlichen Entscheidungsgrundlagen sowie das weitere Vorgehen. Vertreten sind neben Regierungsrat Schönholzer das Veterinäramt, die Kantonspolizei, die Generalstaatsanwaltschaft und das Landwirtschaftsamt. Die Öffentlichkeit soll «zeitnah» wieder informiert werden.

Die erneuten Fälle von Tierquälerei auf dem Hof des vorbestraften Ulrich K. haben in der Öffentlichkeit ein breites Echo ausgelöst. So hat unter anderem die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) mit den zuständigen Behörden Kontakt aufgenommen, um die Frage zu klären, wieso sich die Tiere noch immer in der Obhut von Ulrich K. befinden. In einem offenen Brief an Regierungsrat Schönholzer schreiben TIR und weitere Mitunterzeichner: «Hiermit fordern wir Sie dazu auf, umgehend die notwendigen Massnahmen einzuleiten.» Das Tierschutzgesetz sehe vor, dass Tiere vorsorglich oder definitiv beschlagnahmt werden können.

Dieses Argument führt auch SVP-Kantonsrat und Rechtsanwalt Hermann Lei ins Feld. «Es ist nicht richtig, dass erst eine strafrechtliche, rechtskräftige Verurteilung abgewartet werden muss», sagt er gegenüber unserer Zeitung. Wenn nichts passiere, werde er «politischen und sehr wahrscheinlich auch juristischen Druck machen».

Nationaler Tierschützer schüttelt den Kopf

Hans-Ulrich Huber, Geschäftsführer des Schweizer Tierschutzes STS, versteht nicht, «warum die Thurgauer Behörden im Fall Ulrich K. nicht sofort handeln». Im Schweizer Tierschutzgesetz seien die verschiedensten Fragen beantwortet: Wie gross muss das Becken eines Asiatischen Flussdelfins sein? Wie viel Auslauf benötigen Kängurus? Wie schlachtet man ein Rind artgerecht? «Der Detaillierungsgrad des Gesetzes ist hoch», sagt Huber. Mit Blick auf die Bilder von den Zuständen auf dem Hof von K. sagt er: «Ein Experte sieht auf Anhieb, dass der Fütterungszustand der Pferde ungenügend ist.» Huber nimmt den harsch kritisierten Thurgauer Kantonstierarzt in Schutz: «Paul Witzig hat sich in diesem Fall bemüht. Versagt hat die Verwaltung, weil sie dem Anwalt des Pferdezüchters 2014 keine Akteneinsicht gewährte. Der Kantonstierarzt steht nun wie ein Hampelmann da.»

Aus Sicht des STS-Geschäftsführers gibt es die Möglichkeit, K. die Tiere per sofort wegzunehmen. «Solche Sofortmassnahmen wurden im Thurgau so wie in anderen Kantonen schon in der Vergangenheit getroffen.» Der STS hat dem Kanton Thurgau bereits mit einem Schreiben angeboten, bei der Unterbringung der betroffenen Pferde zu helfen. «Ich verstehe daher den Eiertanz der Thurgauer nicht», sagt Huber. Werde nicht gehandelt, «werden wir massiven Druck aufsetzen».

Demonstration auf SBB-Areal in Frauenfeld

Tierschützer rufen heute Samstag zu einer Kundgebung gegen Pferdezüchter Ulrich K. auf. Erwin Kessler, Präsident des Vereins gegen Tierfabriken Schweiz, will um 13 Uhr auf dem Bahnhofplatz Frauenfeld «gegen die Passivität der Behörden und für die Rettung der Pferde» demonstrieren. Kessler schreibt in einem E-Mail an die Stadt Frauenfeld: «Da die Zeit nicht reicht für ein ordentliches Bewilligungsverfahren, informiere ich Sie auf diesem Weg und gebe Ihnen Gelegenheit, Ihre Wünsche anzubringen.» Werner Spiri, Leiter des Amts für Sicherheit der Stadt Frauenfeld, weiss von der geplanten Kundgebung. Abklärungen hätten ergeben, dass die Demonstration auf dem Areal der SBB stattfinden soll. «Damit ist nicht die Stadt für eine Bewilligung zuständig», sagt Spiri.

Die SBB stehen im Austausch mit der Kantonspolizei Thurgau, wie Mediensprecher Oli Dischoe auf Anfrage sagt. Auch die Stadt Frauenfeld hat mit der Kantonspolizei Kontakt aufgenommen. Sprecher Andy Theler teilte gestern mit, die Kapo werde die Lage analysieren und aufgrund dessen entscheiden, ob Polizisten zur Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit vor Ort sein werden. «Das kann im Rahmen der normalen Patrouillentätigkeit stattfinden», sagt Theler. Über weitere Massnahmen werde situativ entschieden.

Die Stadt Frauenfeld weiss nicht, wie viele Demonstrationsteilnehmer erwartet werden. Auch Kessler schreibt in seiner Ankündigung von einer unbekannten Anzahl Teilnehmer. Der Aufruf auf der Facebookseite des Vereins wurde bis gestern Abend über 600-mal geteilt und erreichte mehrere 100000 Personen. Viele bekundeten ihren Willen, an der Demonstration teilzunehmen.

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