«Mir macht das Amt Freude»

Der 63jährige Landarzt und Politprofi Hansjörg Lang lenkt seit diesem Sommer die Geschicke von Mammern. In der kleinen Gemeinde kann er direkt und schnell etwas bewegen.

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Weiss die Strippen zu ziehen: Hansjörg Lang übernahm als neuer Gemeindeammann gleich drei grosse Bauprojekte. (Bild: Coralie Wenger)

Weiss die Strippen zu ziehen: Hansjörg Lang übernahm als neuer Gemeindeammann gleich drei grosse Bauprojekte. (Bild: Coralie Wenger)

Zu Beginn Ihrer Amtsperiode kriselte es in der Schule. Wie sieht die Zukunft der Schule Mammern aus?

Hansjörg Lang: Die Schulkommission hat gemerkt, dass die Basisstufe eine gute Schulform für eine kleine Gemeinde wie Mammern ist. Dann hat sie auch für die dritte bis sechste Klasse das Mehrklassensystem eingeführt. Der langjährige Lehrer war damit nicht einverstanden und hat Knall auf Fall gekündigt, und die Kollegin ist ihm gefolgt. Es wurden zwei neue, gute Lehrer eingestellt, doch einer der beiden kam mit seinem pädagogischen Ansatz nicht an. Den haben einige Eltern nicht akzeptiert. Es war ganz schwierig, zum Teil wollten die Eltern ihre Kinder an anderen Schulen anmelden. Inzwischen ist ein neuer, junger Lehrer angestellt, und die Eltern und die Kinder sind zufrieden. Jetzt ist die Geschichte vom Tisch.

Bei einer Krise kommt eine kleine Gemeinde schnell an die Grenzen. Zudem hängt Mammerns Eigenständigkeit eng von der Klinik Schloss Mammern ab.

Lang: Das ist schon so, das gilt vor allem für die Finanzen. Punkto Eigenständigkeit sind zwei Dinge wichtig: Erstens müssen die Finanzen stimmen, und zweitens muss es personell stimmen. Jetzt haben wir ganz gute junge Leute im Gemeinderat. Die Schulpräsidentin hat wirklich super Arbeit geleistet in der schwierigen Situation, sie ist einfach ein Talent.

Wenn Sie mit Ihrem Eschenzer Kollegen Franz Ullmann auf die Jagd gehen, wird dann nicht über eine Gemeindefusion nachgedacht?

Lang: Ziel ist, dass Mammern selbständig bleibt. Sowohl die Finanzen als auch das Personelle sind in Ordnung, es gibt gar keinen Grund zu fusionieren. Wenn man es aber müsste, dann wäre Eschenz der erste Partner, an den wir denken würden. Eschenz ist wie Mammern ländlich geprägt und nicht so gross wie die andere Nachbargemeinde Steckborn. In einem Städtli ist die Mentalität der Bevölkerung eine andere, das sieht man auch in Stein am Rhein. Am Dorf herrscht absolute Demokratie, da guckt man auf die Leistung und ob jemand sympathisch ist.

Nun haben Sie das erste Amtsjahr hinter sich. Streben Sie immer noch zwei Amtsperioden an?

Lang: Das ist mein Horizont, vorausgesetzt, ich bleibe gesund. Mir macht das Amt Freude. Wenn ein Beschluss im Gemeinderat gefasst wird, dann läuft eins zu eins etwas. Es lässt sich mit wenig Zeit sehr viel erreichen. Die Kantonspolitik brauchte dagegen sehr viel mehr Zeit.

Über 25 Jahre lang engagierten Sie sich als Kantonsrat. Wie kommt das Mammern nun zugute?

Lang: Ein Beispiel ist die Wiese bei der Badi. Die Gemeinde hat einen Kaufvertrag mit dem Besitzer abgeschlossen, so dass wir das Land innerhalb der nächsten zehn Jahre kaufen können. Ich habe gewusst, dass der Kanton Geld gibt, wenn Gewässer für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben. Aus diesem Kässeli hat der Kanton uns 120 000 Franken zugesprochen.

Wird deshalb mit dem Kauf der Wiese abgewartet?

Lang: Der neue Landungssteg kostet 1,5 Millionen und die Schulerweiterung 1 Million. Wir werden uns hoch verschulden. Da ist es gut, wenn wir die Badiwiese später kaufen. Andererseits kommen wieder Einnahmen auf uns zu, denn wir wollen das Land bei der Pension Beerli verkaufen, das wir als Reserve für ein Gemeindehaus gedacht hatten. Das Land brauchen wir nicht mehr. Über den Verkauf stimmen wir im Februar an der Budgetgemeinde ab.

In Mammern läuft zurzeit viel, es werden drei grosse Projekte verwirklicht. Ist man im Plan?

Lang: Beim Schulbau musste einzig die Aufrichte wegen des Sturms verschoben werden. Finanziell bewegen wir uns im Kostenvorschlag. Der Bau des neuen Landungsstegs hat eine Woche Verspätung, wobei wir einen Spielraum von vier Wochen eingeplant haben.

Auch die Genossenschaft Chretzer baut. Gibt es noch Wohnungen?

Lang: Ja, es hat noch. Ich glaube sieben von elf Wohnungen sind vergeben. Wir sind auch froh, dass wir mit der Gemeindeverwaltung in den Chretzer umziehen.

Mammern hat zwar Bauland, aber wird nicht bebaut. Ändert sich das?

Lang: Da gibt es brandneue Informationen. Die Torggelwiese wird verkauft und überbaut. Es liegt aber noch kein Baugesuch auf, das Architekturbüro Häberlin aus Müllheim hat gerade dem Gemeinderat ein Projekt vorgestellt. Es sollen 14 Wohneinheiten verteilt auf vier Mehrfamilienhäuser entstehen. Es sind zwei Geschosse geplant plus Attikawohnungen. Wir sind glücklich, dass wir wieder Eigentumswohnungen anbieten können, was jahrelang nicht ging. An der Versammlung im Februar wird orientiert.

Was passiert mit der Parzelle 419. Ist sie inzwischen erschlossen? Sie sind als Anstösser persönlich betroffen.

Lang: Inzwischen hat Claudia Staber aus Steckborn diese Parzelle von Armin Lang gekauft. Hans Ribi senior, Mona Bichsel Ribi, mein Sohn und ich sind Anstösser. Wir alle haben unsere Privatstrasse zur Erschliessung freigegeben. Jetzt ist alles gut gelöst: Es wird nur eine Wohneinheit auf der Parzelle gebaut.

Interview: Gudrun Enders