Minus 45 Grad statt Sommerhitze

Heute wird's bis zu 36 Grad heiss. Da ist zu beneiden, wer bei der Wick AG im Juch Fleisch verarbeitet oder bei der Giovanelli Fruchtimport AG im Erzenholz Früchte sortiert. Denn das sind die kühlsten Arbeitsorte in Frauenfeld.

Mathias Frei
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Neun Grad Celsius bei Fleischverarbeiter Wick: Bei solchen Temperaturen macht die Arbeit Ulli Fesenmeier, Lucia Mendez und Martin Binna umso mehr Spass.

Neun Grad Celsius bei Fleischverarbeiter Wick: Bei solchen Temperaturen macht die Arbeit Ulli Fesenmeier, Lucia Mendez und Martin Binna umso mehr Spass.

FRAUENFELD. «Als ob einem ein Hammer auf den Kopf fällt»: So fühlt es sich in diesen Tagen an, wenn man eben noch im Schockgefrierraum zu tun hatte und dann ins Freie geht. Kurt Wick erzählt das. Ihm gehört die Fleischverarbeitungsfirma Wick im Juchgebiet, wo er 35 Leute beschäftigt. Und die müssen sich warm anziehen. Denn die Fleischverarbeitung findet bei maximal zwölf Grad statt. Die Tiefkühlräume sind minus 25 Grad kalt. Und dann gibt es noch den Schockgefrierraum mit minus 45 Grad Celsius.

Kälte spürt man beim Atmen

«Innert zwölf Stunden ist das Fleisch im Schockgefrierer durchgefroren», erklärt Wick. Und obwohl seine Mitarbeiter Thermo-Arbeitskleider bekommen: Allzu lange hält es keiner aus bei solchen Temperaturen. Zehn Paletten raus, zehn Paletten rein, Türe zu. Die trockene Kälte spürt man schon beim ersten Atemzug.

«Je höher die Temperaturen, desto schneller geht die Keimbildung vonstatten», sagt Wick. Auf die Qualitätssicherung werde grossen Wert gelegt. Denn die Ansprüche an die Produkte stiegen ständig. Die Wurstproduktion findet zum Beispiel bei maximal sechs Grad statt. Hitzköpfe, die schnell ins Schwitzen kommen, sind deshalb bei Wick nicht gefragt. «Wir brauchen ausgeglichene Mitarbeiter.» Und angesichts der Temperaturen wäre es gesundheitlich nicht ratsam, wenn man bei der Arbeit schwitzte. Aber ins Frieren kommen soll natürlich auch keiner. «Wir sind ein leistungsorientiertes Unternehmen, bei uns macht man definitiv nicht Wellness-Ferien», sagt Wick. Dafür können sich seine Mitarbeiter in den Pausen auch kostenlos mit Früchten und Getränken eindecken. «Und im Sommer geben wir auch Glace ab.» Wobei er selber ja eher ein wenig der «Gförli» sei. «Ich musste immer im Winter ins Militär und habe gefroren. Das wirkt wohl noch heute nach», meint Wick.

Mit Schal bei den Mangos

Bei der Giovanelli Fruchtimport AG im Erzenholz ist es nicht anders. «Der Chef hat immer noch eine Schicht mehr an», sagt Einkäuferin Patrizia Fuchs über Sergio Giovanelli, der mit seinem Bruder Romeo sowie Patrick Nusslé das Unternehmen führt. Er sei schon eher der Sommertyp, habe es gerne warm, meint dazu Sergio Giovanelli. Das gehe gut einher mit den exotischen Früchten, die importiert würden. Einkäuferin Fuchs ist aber nicht weniger «Gfrörli». Die bei acht Grad gelagerten Mangos begutachtet sie mit Schal und Fingerhandschuhen. 20 der 75 Giovanelli-Mitarbeiter arbeiten in der «kühlen Zone». Das heisst: tagein, tagaus maximal 14 Grad. Bei ihrer Arbeitskleidung gilt das Zwiebelprinzip: Ist man länger in der Kühle, zieht man eine Schicht mehr an.

Insgesamt gibt es bei der Giovanelli Fruchtimport AG 28 verschiedene Kühlzellen mit Temperaturen zwischen einem und 20 Grad. Am kühlsten brauchen Pilze und Gemüse. Je nach Produkt ist die Luftfeuchtigkeit verschieden hoch. «Kälte ist wichtig für die Haltbarkeit eines Produkts», sagt Giovanelli. Es geht darum, die Kühlkette vom Produzent bis in den Laden nicht zu unterbrechen. «Zu kühl dürfen wir die Ware aber auch nicht lagern, sonst nimmt sie Schaden.» Zudem wird durch Zusatz von CO2 oder Entzug des reifefördernden Ethylen haltbar gemacht.

Wassermelonen kühlen ab

Im Gegensatz zur Wick AG, wo die Tiefkühlbereiche im Stile von handelsüblichen Tiefkühlfächern mit Kühlmittel funktionieren, wird in Erzenholz die Luft heruntergekühlt. Und worauf Sergio Giovanelli besonders stolz ist: Die dafür verwendete Energie wird vollumfänglich von der Photovoltaikanlage auf dem Firmendach produziert. Und damit die Mitarbeiter kühlen Kopf bewahren, gibt es Wasserstationen und es werden Früchte verteilt. «Heute zum Beispiel Wassermelonen», sagt Giovanelli.

Acht Grad Celsius bei Früchteimporteur Giovanelli: Einkäuferin Patrizia Fuchs begutachtet die Mangos. (Bilder: Mathias Frei)

Acht Grad Celsius bei Früchteimporteur Giovanelli: Einkäuferin Patrizia Fuchs begutachtet die Mangos. (Bilder: Mathias Frei)

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