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Minderjährige Eritreer flüchten allein

Letztes Jahr sind doppelt so viele allein reisende minderjährige Asylbewerber in die Schweiz gekommen als im Jahr zuvor. In der Empfangsstelle Kreuzlingen werden sie von Vertretern des Hilfswerks Heks begleitet.
Thomas Wunderlin

KREUZLINGEN. Im Empfangszentrum Kreuzlingen tauchen immer häufiger allein reisende Minderjährige auf, meist aus Eritrea. Sie fallen in eine Flüchtlingskategorie mit einer eigenen Abkürzung: UMA – unbegleitete minderjährige Asylsuchende. Vertreter des Hilfswerks Heks begleiten sie zur Anhörung beim Staatssekretariat für Migration in Kreuzlingen, die mehrere Stunden dauern kann. Sie erklären ihren Schützlingen das Asylverfahren und erläutern ihnen wichtige Verfahrensschritte.

Besondere Betreuung

Bei der Betreuung dieser speziellen Gruppe von Flüchtlingen arbeiten diverse Behörden zusammen, unter anderem sind die Asylbehörden und die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde dabei. «Eine wichtige Frage ist immer, wo die unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden untergebracht werden, denn sie haben einen besonderen Betreuungsbedarf», sagt Tilla Jacomet, die Verantwortliche für die Heks-Rechtsberatungsstellen St. Gallen/Appenzell und Thurgau.

Der Kanton Thurgau hat kein spezielles Betreuungszentrum wie der Kanton St. Gallen, der die UMA im Thurhof in Oberbüren zusammenführt.

Geklärt werden müssen laut Jacomet auch weitere Fragen: «Wer geht wo in die Schule? Wer geht mit dem unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden zum Kinderarzt?» Und schliesslich: «Wer erklärt ihm den negativen Asylentscheid?» Als Hilfswerk-Vertreterin sieht Jacomet ihre Aufgabe darin, zu einem fairen Verfahren beizutragen. Es ist nicht ihr Ziel, möglichst viele Asylbewerber in der Schweiz zu behalten. Wobei es nach ihrem Wissen auch möglich ist, dass minderjährige – ebenso wie erwachsene – Eritreer einen positiven Asylentscheid erhalten: «Das ist nicht abhängig vom Alter.» Die Wehrpflicht in Eritrea an sich gilt in der Schweiz nicht als Asylgrund, hingegen kann laut Jacomet die «unverhältnismässige Bestrafung der Wehrdienstverweigerung» als solcher anerkannt werden.

Die jüngsten unbegleiteten Minderjährigen sind nach ihrer Einschätzung zehn oder elf Jahre alt. Wie die Jugendlichen die lebensgefährliche Reise in die Schweiz geschafft haben, ist selbst den Vertrauenspersonen des Heks häufig unbekannt, sagt Jacomet: «Auf jeden Fall sind sie allein im Asylverfahren; wo die Verwandten sind, wissen wir nicht.»

Laut der Arbeitsgruppe für Asylsuchende Thurgau (Agathu), die sich auf das Staatssekretariat für Migration bezieht, ersuchten letztes Jahr 795 Flüchtlingskinder um Aufnahme in der Schweiz. Weitaus am meisten unbegleitete Minderjährige kommen aus Eritrea, nämlich 521. Über 80 Prozent sind zwischen 15 und 18 Jahren alt und männlich. Gruppen von je rund 50 minderjährigen Alleinreisenden kamen aus Afghanistan, Somalia und Syrien. Im Kanton Thurgau sind zurzeit 22 unbegleitete minderjährige Asylsuchende untergebracht.

Verminderte Sozialhilfe

Nach Angaben von Agathu bleiben Kinder und Jugendliche, die auf ihrer Flucht in die Schweiz gelangt sind, in der Regel auch hier. Frühzeitige und kontinuierliche Integrationsmassnahmen verminderten die Gefahr, dass sie nach Erreichen der Volljährigkeit über längere Zeit Sozialhilfe beanspruchen. Flüchtlingskinder und Jugendlichen benötigten andere Wohnformen als Erwachsene, nämlich eine familiäre Umgebung.

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