Millionenbetrüger muss in Haft

Landgericht Konstanz verurteilt 70jährigen Mann aus Tägerwilen zu viereinhalb Jahren Haft. Kleinanleger verloren durch ihn mehr als 10 Millionen Franken.

Eva Maria Vaasen
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KONSTANZ. Wegen gewerbsmässigen Betrugs in einer Schadenshöhe von 8,5 Millionen Euro (etwa 10,2 Millionen Franken) hat das Landgericht Konstanz einen 70jährigen Mann aus Tägerwilen zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Durch ein strafminderndes, vollumfängliches Geständnis des Angeklagten konnte der ursprünglich bis Ende März nächsten Jahres geplante Prozess bereits jetzt beendet werden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Als Inhaber eines Immobilienfonds in Form einer Gesellschaft mit Sitz in Konstanz betrog der Angeklagte zwischen 1993 und Anfang 2009 mehr als tausend Kleinanleger, vorwiegend aus Deutschland und der Schweiz.

Mit Bankrott gerechnet

Im Rahmen eines Gesellschaftervertrags bot er Kapitalanlagen mit einer Laufzeit von zehn Jahren und Renditen zwischen 5,5 und 8,54 Prozent an. Das Gericht ging jetzt davon aus, dass der Mann, der damals in einer Villa in Ermatingen lebte, von Anfang an damit gerechnet hatte, dass die Sache schiefgehen könnte. Bereits 1994 stand der Erlös in keinem Verhältnis mehr zu den hohen Vermittler-Provisionen, die jeweils sofort fällig waren. Spätestens 1996 sei das System nicht mehr funktionsfähig gewesen, was dem Angeklagten auch bewusst gewesen sei, stellte das Gericht fest.

Trotzdem habe er weiter Anleger werben lassen. Die eingezahlten Summen habe er für eigene notleidende Projekte und für den Erwerb von Immobilien in Deutschland und der Schweiz verwendet. Auch die sind inzwischen nicht mehr in seinem Besitz oder aber belastet. Den Schaden wird er nur zu einem ganz geringen Teil wiedergutmachen können. Den Anlegern hat er laut Gericht Kapitalkraft vorgegaukelt, indem er andere Firmen gründete, die er wie ein Netz um den Immobilienfonds legte.

Der Staatsanwalt warf dem Mann vor, der im Gesellschaftsvertrag erwähnte Beirat habe nur aus «Marionetten» bestanden, die keine Ahnung vom Geschäft hatten. Denn er habe es ganz bewusst vermieden, Leute einzusetzen, die «ihm auf die Finger geschaut» hätten.

Kleine Leute ruiniert

Eine Mitschuld der Anleger aufgrund von Leichtgläubigkeit oder Gier sah das Gericht nicht. Vielmehr seien die versprochenen Renditen in den Neunzigerjahren realistisch gewesen. Auch habe es sich durchweg um «kleine Leute» gehandelt, die etwa Geld für die Alterssicherung oder für die Ausbildung ihrer Kinder anlegen wollten. Einige sind durch den Verlust ihrer Einlagen ruiniert.

Der 70-Jährige, der sich dem Prozess zunächst durch die Flucht nach Frankreich entzogen hatte, bedauerte sein kriminelles Wirken und zeigte sich von einigen Zeugenaussagen tief beeindruckt: «Seit es mir selbst so schlecht geht, weiss ich, was 10 000 Euro für diese Leute bedeuten.»

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