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Millionen Stichlinge im Bodensee: Felchen gefährdet

ROMANSHORN. «Die machen alles kaputt», ärgert sich Erwin Fischer. Der Salmsacher Berufsfischer befürchtet, dass er und seine Kollegen künftig erheblich weniger Felchen und Gangfische fangen werden. Millionen Stichlinge bringen die Fischbestände im Bodensee aus der Balance.
Inge Staub
Ein Forscher aus Langenargen hält einen Stichling. Sie landen in grosser Zahl in Netzen von Thurgauer Fischern. (Bild: Fischereiforschungsstelle Langenargen)

Ein Forscher aus Langenargen hält einen Stichling. Sie landen in grosser Zahl in Netzen von Thurgauer Fischern. (Bild: Fischereiforschungsstelle Langenargen)

ROMANSHORN. «Die machen alles kaputt», ärgert sich Erwin Fischer. Der Salmsacher Berufsfischer befürchtet, dass er und seine Kollegen künftig erheblich weniger Felchen und Gangfische fangen werden. Millionen Stichlinge bringen die Fischbestände im Bodensee aus der Balance. Roman Kistler, Leiter der kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltung, sagt dazu: «Riesengrosse Schwärme sind im See zu beobachten.»

Die Stichlinge reduzieren den Felchenbestand, weil sie den Speisefischen die Nahrung wegfressen. Wie diese ernähren sie sich von Wasserflöhen. Zudem frisst der Kleinfisch, der bis zu zehn Zentimeter gross wird, den Laich der Felchen und ihre Jungfische.

Als Erwin Fischer vor einigen Wochen seine Netze einholte, enthielten zwei Netze 301 Stichlinge. Eigentlich können diese Fische, weil sie so klein sind, durch die Maschen schlüpfen. Doch manchmal bleiben sie mit ihren Stacheln in den Netzen hängen. Erwin Fischer musste die Stichlinge von Hand mit dem Messer aus den Netzen schneiden. «Die Netze musste ich wegwerfen. Jede zweite Masche hatte ein Loch.»

Sie stechen durch Handschuhe

«Es ist unglaublich, wie viele Stichlinge derzeit im Bodensee sind», sagt auch Markus Zellweger. Der Fischereiaufseher für den Obersee-Bezirk Arbon legt einmal im Monat ein Probenetz aus. «Ich hatte einmal 250 Stichlinge im Netz. So etwas habe ich nie erlebt», sagt Zellweger. «Es ist sehr unangenehm, diese stachligen Fische zu entfernen. Sie stechen einen durch die Handschuhe hindurch», so Zellweger. Die Stichlinge hätten sich explosionsartig entwickelt. «Wir haben eine sehr aussergewöhnliche Situation», sagt auch Roman Kistler. Der Chef der Jagd- und Fischereiverwaltung kann sich nicht erklären, wie sich die Stichlinge in diesem Ausmass vermehren konnten.

Bereits zeichnet sich ab, dass der Ertrag der Berufsfischer in diesem Jahr schlechter sein wird als im vergangenen. Für die deutschen Fischer liegen vorläufige Schätzungen vor: Sie erwarten weniger als 50 Prozent der Fänge des Vorjahres.

Bereits 80 Prozent aller Fische

Mit der neuen Plage im Bodensee befasst sich die Fischereiforschungsstelle in Langenargen. Ihr Leiter Alexander Brinker bestätigt, dass derzeit «Abermillionen Stichlinge den Bodensee bevölkern». Mehr als 80 Prozent des derzeitigen Fischbestandes im Freiwasser seien Stichlinge. «Die Situation ist dramatisch.» Brinker sagt: «Wir wissen nicht, weshalb wir jetzt diese Schwärme im See haben.» Stichlinge existieren schon seit 100 Jahren im Bodensee. Auch 1970 war ihr Bestand hoch, doch nicht in dem Ausmass wie heute.

Die Forscher aus Langenargen untersuchen nun, wie stark Stichlinge den Laich von Felchen und anderen Fischarten bedrohen.

Die Stichlinge haben zwar natürliche Feinde, Raubfische wie Hechte oder Barsche, und fischfressende Vögel, wie die Haubentaucher, sie sind aber durch Knochenplatten und Stacheln wehrhaft gerüstet. Massenvorkommen von Stichlingen werden oft durch eine hohe Befallsrate mit einem Bandwurm (Schistocephalus solidus) reguliert. Die Langenargener Forscher stellten jedoch fest, dass derzeit nur 40 Prozent der Stichlinge von diesen Parasiten befallen sind. Alexander Brinker kann deshalb keine Entwarnung geben.

Derzeit ist Schonzeit im Bodensee. Diese dauert bis zum 10. Januar. Erwin Fischer und Alexander Brinker gehen davon aus, dass sich bis dahin die Lage nicht sonderlich verändern wird.

Berufsfischer Erwin Fischer mit Tochter Claudia Hug bei der Arbeit. (Archivbild: Reto Martin)

Berufsfischer Erwin Fischer mit Tochter Claudia Hug bei der Arbeit. (Archivbild: Reto Martin)

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