Militärische Bildung fürs Berufsleben

Die in der Armee erworbene Führungserfahrung soll im Zivilleben stärker wahrgenommen werden. Um dafür zu werben, reiste Armeechef André Blattmann nach Schaffhausen.

Daniel Jung
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Im Gespräch: Rico Randegger, Präsident OG SH, Regierungsrat Christian Amsler, Armeechef André Blattmann und Thomas Weibel, SKO-Präsident. (Bild: Bruno Bührer)

Im Gespräch: Rico Randegger, Präsident OG SH, Regierungsrat Christian Amsler, Armeechef André Blattmann und Thomas Weibel, SKO-Präsident. (Bild: Bruno Bührer)

SCHAFFHAUSEN. «Wir bereiten Leute auf das Bewältigen von Krisen vor», sagte André Blattmann, Chef der Armee, im Haus zur Wirtschaft in Schaffhausen. Blattmann war mit dem Armeehelikopter für wenige Stunden in die Munotstadt geflogen. «Wer eine Kaderausbildung in der Armee durchlaufen hat, kann sich danach mit den Inhalten befassen, weil er eine klare Methodik zur Problemlösung erlernt hat», sagte Blattmann. In der Armee werde in klaren Strukturen und Verantwortlichkeiten organisiert, und die Kommunikation laufe nach wohldefinierten Vorgaben ab, etwa dem Fünfpunktebefehl. Diese Fähigkeiten, die in der militärischen Ausbildung auch immer praktisch und unter schwierigen Bedingungen eingeübt werden, seien auch im Berufsleben äusserst wertvoll. «Wer bei uns war, hat Werte mitbekommen», sagte Blattmann.

Die militärische Kaderposition war früher in der Schweizer Berufswelt ein Muss: Die Führungskräfte in den Banken und grossen Industriefirmen waren sich durch das Netzwerk der Armee bekannt und vertrauten auf die im Militär erworbenen Führungskenntnisse. Die Bedeutung der militärischen Ausbildung für das Berufsleben ist in den letzten Jahrzehnten im Zuge der Internationalisierung aber gesunken.

Fachausweis für Offiziere

Durch eine Zusammenarbeit mit einer zivilen Managementorganisation möchten die Offiziersgesellschaften der Kantone Thurgau und Schaffhausen nun die Anerkennung der Offiziersschule in der Berufswelt stärken. «Schaffhausen und der Thurgau sind wichtige Pfeiler für uns, hier können wir auf die Miliz zählen», sagte Blattmann. Konkret stellt die Schweizer Kader Organisation (SKO) ein mehrstufiges Zertifikat «Führung» aus, das an den bestehenden «Fachausweis Führungsfachmann/-frau» angelehnt ist. Somit sollen die Armeeausbildung und -erfahrung in Zukunft für eine Position in der unteren und mittleren Führung etwa von Dienstleistungsunternehmen qualifizieren. Zusätzlich kann die Armee bald auch ECTS-Punkte verteilen, die an ein Hochschulstudium angerechnet werden können. Die SKO ist ein branchenneutraler Verband für Führungskräfte mit über 12 200 Mitgliedern, wie SKO-Präsident und Nationalrat Thomas Weibel erklärte. In der Romandie unterhält der Verband seit 2009 ein entsprechendes Projekt, das auf Seiten der Offiziere viel Zuspruch erhalten hat. «Viele der interessierten Offiziere sind erfahrene Leute um die vierzig, die vor allem das Netzwerk der SKO schätzen», sagte deren Geschäftsleiter Urs Meier.

Kostbare Erfahrungen

«Das ist eine sehr begrüssenswerte Initiative», lobte der Schaffhauser Regierungsrat Christian Amsler. Wenn er angelsächsischen Firmenchefs das Schweizer Milizsystem darlege, stosse er stets auf viel Verständnis und Goodwill. Die Möglichkeit, schon als junger Erwachsener im Militär dreissig Leute bei einem Marsch im Regen zu leiten, sei eine kostbare Führungserfahrung. «Es ist wichtig, im heutigen Zeitalter des unverbindlichen Spasses und der Ich-AG denjenigen Leuten etwas zurückzugeben, die sich für die Sicherheit des Landes einsetzen», sagte Amsler.