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MILITÄRDIENST: Thurgauerinnen wollen in die Armee

In der Armee müssen Frauen exakt dasselbe leisten wie Männer. Trotzdem oder gerade deshalb wächst deren Interesse am freiwilligen Militärdienst. Zu Besuch am kantonalen Orientierungstag in Frauenfeld.
Ursula Ammann
Wie putzt man die Schuhe richtig: Junge Thurgauerinnen und Thurgauer gewinnen einen Eindruck des Militäralltages. (Bild: Andrea Stalder)

Wie putzt man die Schuhe richtig: Junge Thurgauerinnen und Thurgauer gewinnen einen Eindruck des Militäralltages. (Bild: Andrea Stalder)

Ursula Ammann

thurgau@thurgauerzeitung.ch

Ausgerüstet mit Kugelschreibern und Infobroschüren sitzen die Jugendlichen auf ihren Stühlen. Dabei sind sie so mucksmäuschenstill, als stünden sie bereits irgendwo auf der Wache. Doch soweit ist es noch nicht. An diesem Morgen geht es darum zu erfahren, was einen im Militärdienst erwartet – und was man davon erwarten darf. Auch Frauen sind zum kantonalen Orientierungstag ins Ausbildungszentrum Galgenholz am Stadtrand von Frauenfeld gereist. Freiwillig. Im Verhältnis zu den aktuell rund 1300 stellungspflichtigen Männern im Kanton machen sie zwar nur einen sehr kleinen Prozentsatz aus. Doch die Nachfrage steigt. Bereits 30 Thurgauerinnen haben sich für dieses Jahr zu einem Orientierungstag angemeldet. Laut Kreiskommandant Gregor Kramer, Leiter der Abteilung Armee des Kantons, hat sich die Zahl der Interessentinnen in den vergangenen zwei Jahren mehr als verdoppelt. Einen Grund sieht er in der politischen Diskussion, ob der Orientierungstag für beide Geschlechter obligatorisch sein soll. «Die Medienpräsenz hat uns viel Aufmerksamkeit eingebracht, davon profitieren wir jetzt.»

Im Team sein und dazu lernen

Das kantonale Amt für Bevölkerungsschutz und Armee hat allen Thurgauerinnen mit Jahrgang 2000 eine «Einladung zum freiwilligen Orientierungstag» geschickt. Auch Eliane Hirt und Victoria Girsberger, beide aus Frauenfeld, sind dieser gefolgt. «Ich suche für die Zeit nach der Lehre eine neue Herausforderung», sagt Eliane Hirt. Die angehende Restaurationsfachfrau möchte am liebsten in die Infanterie, zu den Aufklärern. Das sind jene, die wichtige Informationen beschaffen, ohne dabei entdeckt zu werden. Das Überleben mit einfachen Mitteln unter schwierigsten Bedingungen ist gefragt. «Es macht mir Spass, in der Natur zu sein und im Team zu arbeiten», begründet Eliane Hirt ihre Motivation. Die 17-Jährige interessiert sich zudem für die Polizeischule. Der Militärdienst könnte ihr auf diesem Weg helfen. Sie sieht die Armee deshalb auch als Chance, beruflich weiterzukommen. Für die gleichaltrige Victoria Girsberger ist letzteres ebenfalls ein Beweggrund, Dienst zu leisten. Sie macht derzeit ein Praktikum als Pferdefachfrau. Bei ihr steht deshalb die Ausbildung zur Trainsoldatin zuoberst auf der Prioritätenliste. Trainsoldaten sind mit Pferden unterwegs und stellen in schwierigstem Gelände die Logistik für die Truppe sicher. «In der Armee könnte ich viel dazu lernen, was den Umgang mit Pferden angeht», sagt Victoria Girsberger.

Frauen müssen die gleichen Hürden schaffen

Mit der Teilnahme am Orientierungstag verpflichten sich die Frauen zu nichts. Ziel sei es, ihnen ihre Möglichkeiten aufzuzeigen, sagt Kreiskommandant Kramer. «Es steht ihnen genau so viel offen wie den Männern, sie müssen aber die gleichen Hürden schaffen.» Sei es beim Gesundheitscheck oder im Fitnesstest. «Gleiche Leistung – gleiche Chancen»: Diese Devise hat auch Frau Hauptmann Jeanine Maurer verinnerlicht. «Es gibt für Frauen keine speziellen Zückerchen, was ich wichtig finde.» Die 32-Jährige ist im Jahr 2007 in die Armee eingetreten. An ihrem Kragen prangt ein aufgestickter Panzer. Als Übermittlerin gehört sie zur entsprechenden Truppe. Ursprünglich wollte sie Panzerfahrerin werden. Das blieb ihr aber aufgrund ihrer Körpergrösse verwehrt – sie misst 1,53 Meter. Von den Mitsoldaten hat sie sich aber nie kleingemacht gefühlt, auch wenn sie sich als Frau am Anfang ab und zu einen dummen Spruch anhören musste.

Frauen seien heute in der Armee sehr gut akzeptiert, sagt Mathias Müller, Kommandant Rekrutierung der Armee und Oberst im Generalstab. «Die heutige Generation geht mit Geschlechterfragen völlig unverkrampft um», sagt er. Die Herausforderungen seien oft eher logistischer Natur. Etwa, wenn getrennte Duschen oder Schlafsäle angeboten werden müssen.

Frau Hauptmann Maurer sitzt nun im Mehrzwecksaal vor den Teilnehmerinnen des Orientierungstags. In der «geschützten Runde» können ihr die Frauen Fragen stellen – ob zum Sporttest oder zur gesellschaftlichen Akzeptanz weiblicher Armeeangehöriger. Wie viele von ihnen sich für den Militärdienst entscheiden, ist noch offen. Von den 37 Frauen, die den Orientierungstag 2017 besucht haben, nahmen 60 Prozent an der Rekrutierung teil. Alle mit dem Resultat «tauglich».

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