Milchverband wirft Bauern raus

FRAUENFELD. Thurgauer Milchbauern weigern sich, Beiträge zur Preisstützung überschüssiger Milch zu leisten. Der Milchverband setzt 170 Bauern im Streit ein Ultimatum. Wenn sie in den nächsten Tagen nicht zahlen, fliegen sie aus dem Verband.

Silvan Meile
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Ein Bauer giesst Milch von einer Kanne in die andere. (Archivbild: Luca Linder)

Ein Bauer giesst Milch von einer Kanne in die andere. (Archivbild: Luca Linder)

Beim Verband Thurgauer Milchproduzenten ist Feuer im Dach, während die Milchpreise im Keller liegen. Der Vorstand droht, 170 seiner 1150 Mitglieder aus der Genossenschaft auszuschliessen. Das habe der Verbandsvorstand an seiner letzten Sitzung einstimmig beschlossen, teilt Verbandspräsident Ruedi Schnyder in einem Schreiben mit.

«Diese Ultima Ratio ist uns nicht leicht gefallen», sagt Schnyder auf Anfrage. Doch anders lässt sich der Knatsch offensichtlich nicht lösen. Juristen wolle man nicht einschalten.

0,35 Rappen pro Kilo Milch

Grund für den kollektiven Ausschluss aus dem Verband sind offene Rechnungen. Die betroffenen 15 Prozent der Verbandsmitglieder weigern sich, Beiträge an die Exportfirma Lactofama zu entrichten. Der Schweizer Milchproduzentenverband gründete die Aktiengesellschaft im Jahr 2014 zusammen mit Milchvermarktern. Dadurch soll bei saisonaler Überproduktion im Frühling der Schweizer Milchpreis gestützt werden. Die Mitglieder des Thurgauer Milchverbands sind deshalb – wie in allen anderen Kantonen – seit diesem Jahr verpflichtet, 0,35 Rappen pro Kilo Milch an die Lactofama zu zahlen. Bis mindestens April 2016 müssen die Zahlungen erfolgen. Der kantonale Verband stellt das seinen Mitgliedern in Rechnung, liefert das Geld dann dem Schweizer Verband ab. Einige hundert Franken macht das pro Bauer, je nach Grösse des Betriebs, pro Jahr aus.

«Finanzielle Doppelbelastung»

Biobauer Godi Siegfried aus Sitzberg wird seine Lactofama-Beiträge nicht abliefern: «Das ist eine Versicherungsprämie für andere», sagt er. Der Hinterthurgauer ist einer jener Bauern, die mit einem Verarbeitungsbetrieb eine Jahresmenge vertraglich festlegen, welche diese abnehmen. «Das Risiko der saisonalen Schwankungen, das Lactofama auszugleichen versucht, ist dabei im leicht tiefer angesiedelten Milchpreis enthalten», sagt Siegfried. Von der Lactofama profitiere er nicht. Es sei für ihn lediglich eine finanzielle Doppelbelastung.

Verband lädt zur Aussprache

Dem widerspricht Milchverbands-Präsident Schnyder. Auch Bauern wie Siegfried würden indirekt von der höheren Preisstabilität durch die Lactofama profitieren. Er appelliert an die Solidarität aller Milchbauern. «Die Entsolidarisierung einer Minderheit nehmen wir nicht länger hin», sagt er.

Nach erfolglosen Mahnungen ist nun dem Vorstand des Thurgauer Verbandes der Kragen geplatzt. Jetzt gilt: Wer bis zum 10. Dezember seine Beiträge an die Lactofama nicht zahlt, fliegt aus dem Verband. Zuvor lädt dieser am Montag noch zu einer Aussprache nach Müllheim in die «Traube» ein. Nochmals soll die Chance geboten werden, um das Problem zu diskutieren.

20 Millionen Verbandsvermögen

Dass sich dabei die Wogen wieder glätten, bezweifelt Siegfried. Das Vorgehen sei sowieso falsch. «Dass der Verbandsvorstand unseren Ausschluss bereits beschlossen hat und uns im nachhinein noch anhört, ist ein seltsames Vorgehen», sagt er: «Über Leben und Überleben entscheidet der Ausschluss aus dem Verband nicht.» Der Anspruch auf das grosse Verbandsvermögen von rund 20 Millionen Franken, der grösste Teil in Liegenschaften, geht jedoch verloren. «Dass dieses Vermögen je auf die Bauern verteilt wird, ist aber unrealistisch», sagt Siegfried.

Godi Siegfried Biobauer aus Sitzberg (Bild: Reto Martin)

Godi Siegfried Biobauer aus Sitzberg (Bild: Reto Martin)